Film-Industrie

Hollywood-Studio MGM steht zum Verkauf

  • Panagiotis Koutoumanos
    vonPanagiotis Koutoumanos
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Muttergesellschaft gibt Widerstand gegen boomende Streaming-Dienste anscheinend auf

Frankfurt. "Kommen Sie, Bond! Wo zum Teufel stecken Sie?", fragt M, der Chef des britischen Geheimdienstes, im Trailer zu "No Time To Die". Und damit spricht er inzwischen Millionen 007-Begeisterten aus der Seele. Doch gegen das Coronavirus scheint auch der Agent Ihrer Majestät machtlos zu sein. Ursprünglich sollte die Hollywood-Produktion einer der großen Kassenschlager in diesem Jahr werden. Die Uraufführung war für den 31. März in der Royal Albert Hall in London geplant.

Aber die US-amerikanische Filmproduktionsgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) hat den Start mittlerweile schon vier Mal verschoben - zuletzt Anfang November auf den April 2021. Der Grund liegt auf der Hand: Sind die Film-Theater im Rahmen der weltweiten Lockdowns nicht ohnehin geschlossen, nehmen viele Cineasten den Bond-Filmtitel "Keine Zeit zu sterben" wörtlich und meiden den Kinobesuch.

Hinzu kommt, dass sich MGM trotz Corona bislang geweigert hat, seinen potenziellen Blockbuster an einen der großen Streaming-Dienste zu verkaufen, die in Zeiten der Pandemie boomen. Im Gegensatz zu den großen Wettbewerbern wie Disney, Warner, Universal Pictures und Paramount: Sie haben in den vergangenen Wochen große Produktionen wie "Mulan", "Wonder Woman 1984", "Matrix 4" oder "Godzilla vs. Kong", an die konzerneigenen bzw. fremde Streaming-Dienste veräußert.

Dass der Schauspieler Daniel Craig in seinem letzten Auftritt als James Bond tatsächlich wie gewohnt zuerst auf der großen Leinwand erscheinen wird, erscheint nun jedoch fraglicher denn je. Denn wie gestern bekannt geworden ist, wird für die von der Pandemie ebenfalls gebeutelte MGM ein Käufer gesucht. Laut Finanzkreisen hat die Muttergesellschaft MGM Holding - hinter der seit Ende 2010 die früheren Gläubiger von MGM stehen - die Investmentbanken Morgan Stanley und LionTree LCC beauftragt, einen formellen Verkaufsprozess einzuleiten. Demnach setzt die MGM Holding nicht auf einen direkten Wettbewerber aus Hollywood als Käufer, sondern auf ausländische Medienkonzerne, Private-Equity-Gesellschaften oder auch sogenannte Spacs, die daran interessiert sein könnten, in das boomende Geschäft mit den Streaming-Diensten einzusteigen. Spacs ("Special Purpose Acquisition Companies") haben in diesem Jahr maßgeblich zur deutlich gestiegenen Zahl von Börsengängen in den USA beigetragen. Dabei handelt es sich um leere Mantelgesellschaften, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um dieses Geld später in die Übernahme eines noch nicht identifizierten Unternehmens zu investieren. Sie gehen sozusagen mit einem Blanko-Scheck ihrer Investoren an die Börse - entsprechend prominent sind in der Regel die Spac-Gründer, damit die Investoren ihnen vertrauen.

Rund 5,5 Milliarden Dollar müssten Interessenten für MGM wohl bieten - auf diesen Wert wird die Produktionsgesellschaft basierend auf Basis ihrer bislang privat gehandelten Anteilsscheine und inklusive ihrer Schulden bewertet. Dafür würde der Käufer nicht nur die MGM-Rechte an James Bond erwerben, der zuletzt mit "Spectre" an den Kinokassen weltweit rund 880 Millionen Dollar einspielte. Der MGM-Filmschatz umfasst darüber hinaus Filme wie "Rocky", "Der Hobbit" und Serien wie "The Handmaid's Tale" und "Vikings". Begehrtes Material für Streaming-Dienste, die wegen der Corona-bedingten Produktionsausfälle in der Film-Industrie händeringend nach weiteren Inhalten für ihre Abonnenten suchen.

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