EU-Austritt Großbritanniens

„Ich glaube nicht, dass England außerhalb der EU mithalten kann“

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Britischen Gesellschaft Rhein-Main, Nicholas Jefcoat, hat eindringlich vor einem EU-Austritt Großbritanniens gewarnt: „Ein ,Brexit’ wäre schlecht für alle Beteiligten!“

Der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Britischen Gesellschaft Rhein-Main, Nicholas Jefcoat, hat eindringlich vor einem EU-Austritt Großbritanniens gewarnt: „Ein ,Brexit’ wäre schlecht für alle Beteiligten!“ Er wäre nach Jefcoats Ansicht nicht nur ein Votum gegen Europa, sondern auch gegen die Globalisierung, die neben Chancen auch große Herausforderungen mit sich bringe. Und eben wegen der Globalisierung sei er gegen den EU-Austritt: „Ich glaube nicht, dass England außerhalb der EU mithalten kann mit Ländern wie den USA oder China. Sie trauen sich zu viel zu.“

Für den „Brexit“ seien beispielsweise viele Einwohner in Nordengland und den Midlands (wo Jefcoat geboren ist), die ihre Industrie-Arbeitsplätze verloren haben. Ihre Lage werde sich außerhalb der EU aber nicht verbessern, sondern im Gegenteil eher weiter verschlechtern, warnte der selbstständige Finanzberater und ehemalige Bank of America-Manager, der in Oxford Germanistik studiert hat und seit 1992 in Frankfurt lebt, auf einer Veranstaltung der „Montagsgesellschaft“.

Die EU sei in Großbritannien nicht als großes Friedensprojekt der vergangenen 70 Jahre populär, bedauert der 60-Jährige: Der normale Engländer habe andere Prioritäten, vor allem die eigene finanzielle Lage. „Das ist typischer für Inselbewohner als für Franzosen oder Deutsche – sie denken nicht so oft an die europäische Idee.“ Viele Briten seien mit der EU „sehr unglücklich, teils zu Recht“. Sie werde nicht gut gemanagt, es gebe zu viel Bürokratie, die Netto-Beiträge Großbritanniens seien zu hoch.

Jefcoat hofft allerdings, dass der Meinungsumschwung der letzten Tage im Zusammenhang mit dem schrecklichen Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox aus Nordengland Bestand haben wird. Das könnte bei der Abstimmung den Ausschlag zugunsten der EU-Befürworter geben. Dennoch zeige dieser Meinungsumschwung, „wie wahnsinnig volatil die Situation ist“. Zudem könnten sich die Unterlegenen, so Jefcoats Befürchtung, als „schlechte Verlierer“ erweisen und das Ergebnis nicht ohne weiteres akzeptieren.

Nach einem „Brexit“ wären eine deutliche Abwertung des britischen Pfundes zu erwarten, was beispielsweise Auslandsreisen teurer machte, sowie nachgebende Aktienkurse und Immobilienpreise. Obendrein erwartet der Finanzberater in Folge eines „Brexit“ einen „Sexit“, also den Ausstieg des europafreundlichen Schottland aus dem Vereinigten Königreich, und zudem Probleme mit Irland und Wales.

Auch für Deutschland könnte ein britischer EU-Abgang politische Konsequenzen innerhalb der EU haben, warnt Jefcoat: „Deutschland hat in Großbritannien einen pragmatischen Alliierten, den zu verlieren unglücklich wäre.“ Die Umverteilung zugunsten der Südeuropäer könnte noch zunehmen. Eventuell könne auch die gesamte EU Probleme bekommen, sollten beispielsweise die Niederländer dem britischen Beispiel folgen wollen: „Auch mancher Osteuropäer wird sich eine Extrawurst wünschen.“

(tba)

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