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Der Robo-Advisor der nächsten Generation? ING-DiBa-Chef Roland Boekhout mit dem Roboter ?Pepper? eines japanischen Herstellers, der sogar Gefühle erkennt.

Kräftiges Wachstum bei Gewinn, Girokonten und Firmenkunden-Krediten

ING-DiBa strebt neue Rekorde an

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Die ING-DiBa eilt von Rekord zu Rekord – und will weiter zulegen. Vor allem bei Krediten an Firmenkunden ist die Wachstumsziffer erstaunlich. Ohne die Last teurer Filialen sieht sich die Direktbank gut gerüstet für die Digitalisierung.

Die Erfolgsgeschichte der Direktbank ING-DiBa reißt nicht ab: Die Kundenzahl stieg erneut – wie schon im Jahr zuvor – um netto 250 000. Damit wuchs sie stärker als bei jeder anderen Bank in Deutschland mit Ausnahme der Commerzbank (deren noch nicht veröffentlichte Zahl ebenfalls in dieser Größenordnung liegt). Und das, obwohl die ING-DiBa weniger offensiv als früher um neue Tagesgelder warb. Die 100-prozentige Tochter der niederländischen Großbank ING kam damit Ende 2016 auf 8,8 Millionen Privatkunden in Deutschland und Österreich. „Wir waren einst die kleine Direktbank. Heute ist die ING-DiBa nach Kundenanzahl die drittgrößte Bank in Deutschland“, sagte Vorstandschef Roland Boekhout. Er sieht sein Haus mittlerweile als Universalbank, wenn auch ohne Investmentbanking.

Besonders kräftig wuchs die Zahl der Girokonten – nach Abzug der Kündigungen von 1,4 auf mehr als 1,7 Millionen. Die ING-DiBa profitierte insbesondere im vierten Quartal davon, dass die Konkurrenz Gebühren einführte oder erhöhte; namentlich nannte Boekhout die Postbank. 370 000 Neukunden eröffneten bei der Direktbank im Vorjahr ein – kostenloses – Girokonto: „Die Preise zu erhöhen ist keine Lösung“, wehrte der Bankchef wiederkehrende Forderungen von Aufsehern nach höheren Gebühren ab. Für mehr als eine Million Kunden sieht sich die ING-DiBa als Hausbank.

Auch die Einlagen der Kunden legten um sechs Prozent zu auf 123 Milliarden Euro; im Wertpapiergeschäft lag das Depotvolumen zum Jahresende mit gut 31 Milliarden Euro um 14 Prozent höher. Noch stärker als die Spargelder wuchsen aber die Kredite, um 17 Prozent auf gut 100 Milliarden Euro – was Boekhout begrüßte, weil es den Einlagen-Überhang reduziert. Zum Wachstumstreiber entwickelte sich dabei das Geschäft mit Unternehmenskunden, das die Bank seit 2011 aufbaut. Das Kreditvolumen der Sparte legte um zwei Drittel zu auf 26 Milliarden Euro, für das laufende Jahr strebt die Bank erneut ein Wachstum von mindestens zehn Prozent an. Die ING-DiBa zielt dort auf Konzerne und große Mittelständler mit mehr als 250 Millionen Euro Jahresumsatz – und geht dabei auch ins Ausland, zum Beispiel in die USA. 180 dieser Kunden hat die Bank bereits gewonnen. Sieben Prozent der Kredite wurden in Dollar vergeben.

Auch im bereits eingeführten Geschäft mit Baufinanzierungen wuchs der Bestand um 3 Milliarden (Vorjahr: plus 1,6 Milliarden) Euro auf 68 Milliarden Euro. Wegen der hohen Sondertilgungen der Kunden war dazu abermals ein mit 10 Milliarden Euro mehrfach höheres Neugeschäft notwendig. Die Bank ist hier am Vermittler Interhyp beteiligt und zählt im Inland zu den Marktführern.

Die Frankfurter Direktbank strebt nach dem zweiten Rekordjahr in Folge auch für 2017 ein kräftiges Wachstum an. „Wir sehen noch großes Potenzial sowohl im Privatkunden- als auch im Unternehmenskundengeschäft“, sagte Boekhout: „Wir sind zuversichtlich, dass wir auch im nächsten Jahr ein sehr erfreuliches Ergebnis zeigen können.“ Im vergangenen Jahr steigerte das Institut das Rekordergebnis aus dem Jahr 2015 erneut: Das Ergebnis vor Steuern legte um elf Prozent auf 1,23 Milliarden Euro zu, unter dem Strich stieg der Überschuss um 14 Prozent auf 859 Millionen. Trotz des Niedrigzins-Umfelds wuchs der Zinsüberschuss um fast ein Zehntel, die Risikovorsorge für faule Kredite halbierte sich wegen der guten Konjunkturlage in Deutschland auf nur noch 31 Millionen Euro.

„Wir haben ein Fünftel zum Ergebnis des ING-Konzerns beigesteuert“, sagte der Vorstandschef. Rund ein Drittel des Überschusses aus Deutschland ging als Dividende an die Mutter in Amsterdam. Ein Viertel des Gewinns macht inzwischen das Firmenkundengeschäft aus, drei Viertel kommen aus der Privatkundensparte.

Seit 2007 hat sich das Geschäftsvolumen der 1965 als „BSV“ gegründeten (und im Volksmund damals „Leber-Bank“ genannten) Direktbank mehr als verdoppelt. Mit ihrem Geschäftsmodell ohne Filialen kommt die ING-DiBa auf eine in Deutschland fast konkurrenzlos niedrige Kostenquote von 40 Prozent. Das heißt, die Bank muss nur 40 Cent aufwenden, um einen Euro Ertrag zu erzielen; bei vielen Konkurrenten ist es doppelt so viel. „Die Filiale ist eine Last und nicht eine Lust“, sagte Boekhout.

Er will in Zukunft noch stärker auf Digitalisierung setzen, die seiner Ansicht nach die Bankenbranche stärker verändern wird als die Konsequenzen der Finanzkrise. Dazu wird die ING-DiBa auch mit Fin-Techs zusammenarbeiten. Mit dem Programm „Welcome“ sollen den Kunden noch innovativere Services angeboten und die wichtigsten davon in einer „Banking-to-go“-App gebündelt werden. Über die Jahre will der Vorstandschef einen dreistelligen Millionenbetrag in die Internet-Offensive investieren: „Wir wollen die führende Digitalbank in Deutschland sein.“

Die Zahl der Mitarbeiter stieg im Vorjahr um 190 auf 3938; mehr als die Hälfte davon arbeiten am Hauptstandort Frankfurt. Vom Brexit sieht sich Boekhout nicht betroffen, er erwartet keine Verlegung von ING-Konzerngeschäften aus London nach Frankfurt. Künftig soll Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Kontakte zu Politikern und Finanzaufsehern anbahnen. Die Kapitalausstattung der Bank blieb solide, obwohl die Kernkapitalquote – das Verhältnis zwischen Eigenkapital und risikogewichteten Vermögenswerten – von 14,9 auf 13,2 Prozent zurückging. Bei den Verhandlungen zwischen Europäern und Amerikanern über die künftigen Eigenkapitalregeln („Basel 4“) erwartet Boekhout angesichts der Positionen des neuen US-Präsidenten Donald Trump keine schnelle Lösung mehr.

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