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Ist nach der Krise vor der Krise?

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Von: Panagiotis Koutoumanos

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Lufthansa: Ukraine-Krieg belastet Konzern bislang kaum - Flüge sollen teurer werden

Frankfurt. Zwei katastrophale Jahre hat die Luftfahrt Pandemie-bedingt hinter sich. Und kaum verliert das Coronavirus seinen Schrecken, so dass Reisebeschränkungen und alltägliche Auflagen in vielen Ländern wegfallen, wirft nun der Ukraine-Krieg einen dunklen Schatten der Unsicherheit über die Fluggesellschaften - sollte man meinen. Doch wer am Donnerstag den Ausführungen von Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr lauschte, konnte - bei aller Betroffenheit des Managers über den Krieg - kaum Verunsicherung spüren: "Der Umsatzanteil des Russland- und Ukraine-Geschäfts beträgt nur ein Prozent", berichtete der Konzernchef anlässlich der Bilanzvorlage von Europas größtem Luftfahrt-Konzern. Und auch die Umwege, die die Flugzeuge wegen der Sperrung des russischen Luftraums auf dem Weg nach Asien nehmen müssen, seien zu verschmerzen: "Zwar verlängern sich die Flugzeiten um bis zu zwei Stunden, aber im Gegenzug sparen wir die hohen Gebühren ein, die wir sonst für die Überquerung des russischen Luftraums zahlen müssen", sagte Spohr. Derzeit würden sich die Einbußen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt auf einen einstelligen Millionen-Betrag im Monat beschränken, hieß es. Angesichts eines Umsatzes von 16,81 Milliarden Euro im vergangenen Jahr erscheinen diese Einbußen tatsächlich nicht hoch.

2022 erneuter Verlust möglich

Allerdings sind die geringen Einbußen vor allem darauf zurückzuführen, dass der Flugverkehr zwischen Europa und Asien Corona-bedingt nach wie vor sehr eingeschränkt ist - der Lufthansa-Konzern bietet auf den entsprechenden Strecken im Vergleich zum Vorkrisenniveau nur ein Fünftel der Sitzkilometer an. Zudem muss auch die Lufthansa-Führung damit rechnen, dass infolge des Ukraine-Krieges der konjunkturelle Aufschwung in Europa abgewürgt wird und nicht nur die Bundesbürger trotz ihrer großen Reiselust erneut weniger Geld für Reisen ausgeben als früher.

Auf dieses Risiko ging Spohr gestern zwar nicht ausdrücklich ein. Aber eine konkrete Ergebnis-Prognose traut sich der Vorstand eben deswegen nicht zu: "Große Ungewissheiten hinsichtlich der dramatischen Entwicklungen in der Ukraine und der wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen des Konflikts lassen einen detaillierten Finanzausblick momentan nicht zu", heißt es im Geschäftsbericht. Finanzvorstand Remco Steenbergen versprach für 2022 lediglich eine "weitere Verbesserung" des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit). Soll heißen: Ein erneuter Verlust wird nicht ausgeschlossen. Was den Kurs der MDax-Aktie gestern um zeitweise mehr als sechs Prozent einbrechen ließ.

"Ticketpreise werden steigen"

Im vergangenen, zweiten Corona-Jahr hat der Konzern den Verlust mehr als halbiert: von minus 5,45 auf minus 2,35 Milliarden Euro. Unterm Strich reduzierte sich der Verlust von minus 6,73 auf minus 2,2 Milliarden Euro. Ein Etappen-Erfolg, der vor allem den deutlichen Kostensenkungen zu verdanken ist - aber auch dem Rekordgewinn der Frachttochter Lufthansa Cargo, die ein Ebit von knapp 1,5 Milliarden Euro einflog - fast doppelt so viel wie im bereits hervorragenden Vorjahr. Der Grund: Aufgrund der konjunkturellen Erholung einerseits und des stockenden Schifffahrtsverkehrs sowie der geringen Belly-Kapazitäten in Passagierflugzeugen andererseits gelang es der Airline, erneut höhere Preise bei Kunden durchzusetzen.

Auf deutliche Preissteigerungen hofft Spohr nun auch bei den Passagier-Airlines des Konzerns: allen voran bei der Lufthansa, der Swiss, der Austrian Airlines und der Eurowings, die 2021 zusammen noch rund 3,9 Milliarden Euro Miese vor Zinsen und Steuern erwirtschafteten. "Die Ticketpreise werden steigen", sagte der Konzernchef, nachdem in den vergangenen Wochen bereits die Wettbewerber Air France/KLM, Ryanair und Easyjet Preiserhöhungen angekündigt hatten. Dafür spreche die gute Buchungslage: "Im Februar haben unsere Kunden so viele Flugtickets gebucht wie noch nie seit Beginn der Pandemie", so der Vorstandschef. Zwar habe die Nachfrage durch den Ukraine-Krieg "einen leichten kurzfristigen Dämpfer" erhalten. "Aber die Anzahl der Buchungen für die Oster- und Sommerferienzeit hat insgesamt nahezu das Niveau von 2019 erreicht. Zu einigen Zielen hat sich die Zahl der Buchungen sogar verdreifacht im Vergleich zu 2019", sagte Spohr. Die konzernweiten Flugkapazitäten will der Vorstand indes nur auf 70 Prozent im Jahresdurchschnitt erhöhen, damit die schon relativ hohen Durchschnittserlöse noch deutlich steigen. Das sei auch angesichts der hohen Inflation, besonders der rasant gestiegenen Ölpreise, die die Kerosin-Kosten treiben, sowie höherer Flughafen-Gebühren nötig, hieß es - auch wenn der Konzern sich immerhin 63 Prozent seines voraussichtlichen Kerosin-Verbrauchs in diesem Jahr bei einem Ölpreis von 74 Dollar gesichert hat. Am Donnerstag kostete ein Barrel der Sorte Brent 120 Dollar.

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