4,4 Millionen Fahrzeuge aus deutscher Produktion gehen in den Export.
+
4,4 Millionen Fahrzeuge aus deutscher Produktion gehen in den Export.

Prognose des deutschen Automobilverbandes für 2025

Jeder vierte Neuwagen ein Stromer

Der Abgasskandal hat die deutschen Autobauer insgesamt nicht ausgebremst. Das zeigen die Zahlen fürs fast abgeschlossene Jahr. Dicke Geschäfte machen die Konzerne vor allem im Ausland.

Die deutsche Autoindustrie hat trotz des Abgasskandals in diesem Jahr gute Geschäfte gemacht. Der Umsatz der Hersteller erhöhte sich in den ersten neun Monaten um zwei Prozent auf 306 Milliarden Euro, die Beschäftigung in der Branche hat sich binnen Jahresfrist um knapp 14 000 erhöht und liegt mit rund 815 000 Mitarbeitern auf dem höchsten Stand seit 25 Jahren. „Das Vertrauen in unsere Produkte ist größer, als alle Kritiker glauben“, sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, in Berlin.

Der deutsche Pkw-Markt legt 2016 nach VDA-Schätzung um fünf Prozent auf fast 3,4 Millionen Neuzulassungen zu. Das ist das höchste Niveau seit Beginn des Jahrzehnts. Rückenwind habe der Markt durch die anhaltend gute Inlandskonjunktur, die sich in einem hohen Beschäftigungsstand und einer guten Einkommenssituation der Konsumenten widerspiegelt, sowie günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. „Für das kommende Jahr gehen wir von einem ähnlich hohen Marktvolumen aus“, lautete Wissmanns Prognose für 2017,

Der VDA-Präsident und frühere Bundesverkehrsminister verteidigte die deutschen Dieselautos gegen Kritik. Zugleich erwartet er im nächstem Jahr eine steil steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen. 2017 rechnet die Branche mit einem Wachstum vor allem in der Auslandsproduktion.

China dürfte erneut ein Treiber sein – mit einem prognostizierten Plus von fünf Prozent auf 24,2 Millionen Pkw nach „überraschend starken“ 15 Prozent Anstieg in diesem Jahr. Weltweit werden 2016 voraussichtlich 81,6 Millionen Autos (plus 4 Prozent) verkauft. 2017 sollen nochmals gut 2 Prozent hinzukommen auf dann 83,6 Millionen.

Kein Verbot

Forderungen nach einem Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2030 nannte Wissmann „völlig verkehrt“: „Wir können uns nicht aus einer Antriebsart einfach verabschieden. Der Verbrenner wird noch mehrere Dekaden eine große Rolle spielen.“

Die illegalen Manipulationen „in einem unserer Mitgliedsunternehmen“ – gemeint ist die Abgasaffäre bei Volkswagen – hätten viel Vertrauen gekostet, räumte der Verbandschef ein. Tatsächlich würden aber moderne Dieselautos der Euro-6-Norm benötigt, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Dieselfahrzeuge verbrauchten weniger Kraftstoff als Benziner, ihr Kohlendioxid-Ausstoß sei um 15 Prozent geringer. Mit Hilfe der SCR-Technik werde auch weniger Stickoxid ausgestoßen.

Mehr Dieselkraftstoff

Die Nachfrage nach Dieselkraftstoff ist in diesem Jahr bis zum September deutlich gestiegen – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,8 Prozent auf 28,8 Millionen Tonnen, wie aus der Statistik des Mineralölwirtschaftsverbands hervorgeht. Bei allen Benzinsorten zusammen nahm der Absatz lediglich um 0,6 Prozent zu. Die gute Konjunktur habe zu mehr Lastwagenverkehr und damit höherer Diesel-Nachfrage geführt, hieß es. Zudem wüchsen die Zahl und der Anteil von Diesel-Pkw am Gesamtbestand in Deutschland noch immer.

Wissmann äußerte sich optimistisch zur Zukunft der Elektromobilität. Die deutschen Hersteller wollten ihr Angebot von derzeit 30 Modellen bis zum Jahr 2020 auf knapp 100 erhöhen. Die Reichweite dieser Autos werde kräftig zunehmen, die Batteriekosten würden weiter sinken. „Daraus leiten wir die künftig steigende Nachfrage nach E-Autos ab“, so Wissmann. „Wir rechnen damit, dass im Jahr 2025 etwa 15 bis 25 Prozent der Neuzulassungen elektrisch unterwegs sein werden.“

Die Inlandsproduktion werde in diesem Jahr um etwa ein Prozent auf rund 5,8 Millionen Autos steigen. Davon gingen 4,4 Millionen Stück in den Export. Ein deutlich höheres Gewicht hat mittlerweile die Auslandsproduktion deutscher Konzernmarken: Sie legte um rund sechs Prozent zu und steigt erstmals über zehn Millionen.

(ba,dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare