„dress-for-less“

Karstadt rettet Kelsterbacher Firma

Das österreichische Unternehmen Signa Retail übernimmt das Internet-Mode-Outlet „dress-for-less“ aus Kelsterbach. Nach einer kurzen, aber wechselvollen Geschichte hat der Online-Händler Anfang Juni Insolvenz anmelden müssen. Für die Karstadt-Mutter ist es der zweite Zukauf im Online-Handel innerhalb weniger Monate.

Der Karstadt-Eigentümer Signa Retail will künftig auch im Online-Handel mit Textilien eine größere Rolle spielen. Das österreichische Unternehmen übernimmt deshalb das insolvente Internet-Mode-Outlet dress-for-less aus Kelsterbach, wie es am Montag mitteilte. Die 260 Arbeitsplätze bei dem Online-Portal seien damit „weitestgehend gesichert“, teilte Signa mit.

Der Karstadt-Chef und Signa-Retail-Geschäftsführer Stephan Fanderl betonte, für Signa sei die Übernahme „ein wichtiger Schritt hin zu einer Einzelhandelsgruppe, die sowohl stationär, als auch online stark aufgestellt ist“. Bislang dominiert bei den Österreichern noch das von den Karstadt-Warenhäusern geprägte stationäre Geschäft. Mit dem Zukauf gewinne Signa nicht nur zusätzliche Kompetenz im Internet-Handel, sondern auch eine maßgeschneiderte Logistik mit einem modernen Lager-Standort, erklärte der Manager.

Es ist bereits der zweite Zukauf innerhalb weniger Monate, mit dem die Österreicher ihr Online-Standbein stärken wollen. Erst im April hatte Signa die Mehrheit am Sportartikelportal Outfitter erworben. Zum Unternehmen gehört auch der Online-Shop karstadt.de. „Wir planen, zukünftig das Online-Geschäft strategisch zu erweitern“, betonte Fanderl. Schon im laufenden Jahr solle der Umsatz im Internet rund 140 Millionen Euro erreichen.

Die Neu-Erwerbung dress-for-less soll auch künftig als eigenständiges Unternehmen agieren und weiter vom bisherigen Chef Antonio Gonzalo geführt werden. Dennoch sieht Signa ein hohes Potenzial für Synergien bei Logistik und Modekompetenz im Internet. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben.

Den größten Teil seines Geschäfts macht dress-for-less in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie den Niederlanden. Insgesamt ist es in 13 Ländern präsent. Die Produktpalette umfasst derzeit rund 12 000 Artikel, die sich auf Damen-, Herren- und Kindermode sowie Accessoires und Schuhe erstrecken. Diese Mode-Artikel zu deutlich günstigeren Preisen anzubieten, schafft das Unternehmen durch den Aufkauf von Ware aus Überproduktion, Restbeständen und Schlussverkäufen.

1999 war das Unternehmen von Mirco Schultis gegründet worden. 2007 übernahm die Private-Equity-Gesellschaft Palamon Capital Partners aus dem schottischen Edinburgh die Mehrheit. 2011 kaufte dann der spanische Shopping-Club Privalia die Kelsterbacher Firma. Eigentlich wollten die Spanier durch ihren Einstieg von Synergien bei der Strategie und dem operativen Geschäft profitieren, weil sowohl die Shopping-Clubs von Privalia als auch dress-for-less preisreduzierte Mode vermarkten. In der Praxis gelang dies aber nicht: Die Umsätze von dress-for-less gingen nach dem Einstieg der Spanier deutlich zurück, weil das Geschäft nun durch „die Integration in die Privalia-Gruppe beeinträchtigt“ wurde, wie es hieß. Im Gegensatz zu dress-for less sind bei Privalia die Angebote nicht offen einsehbar, sondern registrierten Mitgliedern vorbehalten, die sich zum Kauf bei Privalia anmelden müssen.

Im Geschäftsjahr 2014 – dem letzten, für das Zahlen veröffentlicht wurden – gelang es dem Online-Händler zwar, seinen Netto-Umsatz um 16 Prozent auf 69,3 Millionen Euro zu steigern, weil es nach eigenen Angaben von Umstrukturierungen sowie „konsolidierten Lieferanten-Beziehungen“ profitierte. Aber damit lagen die Erlöse immer noch unter dem Niveau von 2011. Damals hatte dress-for-less 78,1 Millionen Euro eingenommen. Gleichzeitig hatte sich auch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von Jahr zu Jahr verschlechtert: 2014 wies die Firma einen operativen Verlust von minus 10,72 Millionen Euro aus – nach 8,48 Millionen Euro Miesen im Vorjahr. Der Jahresfehlbetrag schnellte dabei auf 54,17 Millionen Euro hoch.

Ende 2015 zog Privalia daraufhin die Reißleine: Über ein Management-Buyout verkauften die Spanier das Online-Outlet an das Team um Geschäftsführer Antonio Gonzalo, der seit September 2012 für Dress-for-less verantwortlich ist. Anfang Juni musste er beim Amtsgericht Darmstadt den Insolvenzantrag einreichen.

Insolvenzverwalter Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner zeigte sich gestern zufrieden, dass das Unternehmen schnell habe stabilisiert werden können. Damit sei die Grundlage für eine zügige Sanierung gelegt. Die Kartellbehörden und die Gläubigerversammlung müssen allerdings noch grünes Licht für die Transaktion geben.

Erst im vergangenen Monat hatte Signa-Retail-Geschäftsführer Fanderl auch bei Karstadt angekündigt, nach den von Filialschließungen und Stellenabbau geprägten Sanierungsbemühungen der vergangenen Jahre auf Expansionskurs gehen zu wollen. Erstmals seit über 30 Jahren plant das Unternehmen die Eröffnung einer neuen Filiale. Das Warenhaus in einem Einkaufszentrum in Berlin-Tegel soll aber erst 2018 seine Tore öffnen.

(pan,dpa)

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