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Klimawandel und Erderwärmung - die Politik liefert ein Trauerspiel

Dr. Rüdiger Fox, Geschäftsführer von Sympatex, bezieht klar Position und informiert über aktuelle Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität in der Textilbranche.

Für Unternehmer und führende Manager gibt es eine klare gesetzliche Regelung: Bei Insolvenzverschleppung werden sie strafrechtlich verfolgt und haften mit ihrem persönlichen Vermögen. Bei Politikern sieht das anders aus. Wenn sie keine konkreten Schritte gegen den Klimawandel einleiten, werden sie allerhöchstens abgewählt - und gehen mit einer gesicherten Pension in den Ruhestand. Können wir beim Klimawandel noch gegensteuern oder wird die Realität uns gnadenlos überrollen?

Die Managerhaftung soll Gläubiger juristisch davor schützen, dass eine Unternehmensleitung einfach weiter schlafwandelt und so tut, als wäre alles in bester Ordnung. Seit Jahren fordern zahlreiche politische Akteure, dass die Managerhaftung konsequent zur Anwendung kommt. Werden sie aber selbst in Bezug auf den Klimawandel in die Verantwortung genommen, gibt es als Antwort allenfalls hanebüchene Argumente, wenn nicht sogar ein Leugnen des Treibhauseffekts.

Die Kids von heute sind die Gläubiger von morgen - ohne Aussicht auf Schadensersatz

Die Gläubiger der heutigen Politik sind aber die kommenden Generationen. Viele junge Menschen haben das Problem erkannt und gehen dafür jeden Freitag auf die Straße statt in die Schule. Sie setzen ihre Ausbildung aufs Spiel, weil sie ganz genau wissen, dass ihre Ausbildung keinen Pfifferling wert ist, wenn die globale Erderwärmung nicht gestoppt wird.

Handelt es sich einfach nur um Kids, die den "Friday for Future" als willkommenen Anlass für eine Auszeit sehen, wie nicht wenige Politiker tönen? Keineswegs. Sie gehören im Gegenteil zu einer Generation, die sich mit ihrer Zukunft auseinandersetzt, die genau weiß, wie wichtig Bildung in den Zeiten der zunehmenden Digitalisierung ist, wenn sie im Beruf Erfolg haben will. Aber sie haben Mut. Sie setzen viel aufs Spiel, um uns vor Augen zu halten, wohin wir steuern, wenn wir uns weiterhin so ignorant gegenüber den Auswirkungen unseres Handelns verhalten. Und sie tun es mittlerweile weltweit in immer größerem Ausmaß.

Da treibt es einem die Schamesröte ins Gesicht, wenn dieser Kampf für eine sichere Zukunft mit der unqualifizierten Bemerkung abgetan wird, man solle das Thema Klimawandel doch lieber den "Profis" überlassen. Soll das heißen, wir warten, bis der große Zauberer das Kaninchen aus dem Hut zieht? Bis dahin ist das Kaninchen längst tot. Die Jugendlichen haben das erkannt und versuchen, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln - die sehr gering sind - etwas zu verändern.

Man muss auch kein Profi sein und studiert haben, um die Ergebnisse des letzten IPCC-Berichts zu verstehen. Ein weiterer globaler Anstieg der Temperatur um 1,5 °C wird katastrophale Folgen haben. Außerdem stecken wir mittendrin im Klimawandel. Seit der Industrialisierung ist die Durchschnittstemperatur um 1 °C gestiegen. Pole und Gletscher schmelzen bereits jetzt ab und können immer weniger Sonneneinstrahlung reflektieren. Dieser Vorgang ist von Klimaforschern eindeutig belegt.

Und: Hätten die Profis Entscheidungsgewalt, wären wir schon längst auf einem anderen Weg. Die technologischen Herausforderungen sind sicher anspruchsvoll, aber sie sind zu meistern. Stattdessen müssen wir uns von Politikern einlullen lassen, die sich gerne auf großen Klimakonferenzen treffen, aber die beschlossenen Abkommen nicht konsequent umsetzen.

Warum schließt sich das Ozonloch wieder?

Und warum spricht kaum noch jemand über das Waldsterben? Nicht, weil die Natur es gut mit uns meint, sondern weil es tatsächlich einmal Politiker gab, die mutig waren. Sie haben in kurzer Zeit global FCKW verboten und mit transnationalen Verträgen die für sauren Regen verantwortliche Luftverschmutzung reduziert. Weder die Kühlschrank- noch die Autoindustrie ist davon untergegangen.

Heute müssten wir eigentlich über Politikerhaftung reden. Das Gesetz dazu müsste allerdings von Politikern verabschiedet werden. Die Chancen stehen also gleich Null.

Was können wir tun? Zusammenarbeiten!

Die Textilindustrie hat weltweit bereits ein Zeichen gesetzt. Unter Leitung der UN wurde eine Charta mit Maßnahmen verabschiedet, um bis 2050 eine branchenweite Klimaneutralität zu erreichen, so wie von der IPCC gefordert. Mittlerweile gehören zu dieser Initiative mehr als 40 große Unternehmen und Marken.

Die Textilbranche ist sich bewusst, dass die Umsetzung der Charta nur mit großen Anstrengungen zu erreichen ist und dass noch nicht für jede Herausforderung eine Lösung gefunden wurde. Das Management der Unterzeichner sieht sich aber in der Verantwortung, das Ruder herumzureißen. Dahinter steht auch die Hoffnung, dass auch die Politik irgendwann ihre Realitätsverweigerung ablegt und handelt statt die Wirtschaft als Ausrede vorzuschieben.

Vielleicht gehen irgendwann nicht nur die Jugendlichen auf die Straße, sondern jeder Verbraucher entscheidet sich für Produkte von Unternehmen, die den Klimawandel ernst nehmen und Veränderungen mittragen. Vielleicht heißt es bald nicht mehr "Fridays for Future", sondern "Every Day for Future".

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