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Aus Syrien geflüchtete Frauen arbeiten in einem jordanischen Lager an neuen Designs für Kissen. Foto: SEP

Frankfurter Messe

Kunsthandwerk von Flüchtlingen auf Ambiente zu sehen

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Von Flüchtlingen hergestelltes Kunsthandwerk ist erneut auf der Messe „Ambiente“ in Frankfurt zu sehen.

Auch wenn Flüchtlinge zuletzt etwas aus dem Fokus der öffentlichen Debatte geraten sind, ihre Zahl nimmt weltweit weiterhin zu. Mehr als 25 Millionen zählt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), und ihre Lebensverhältnisse sind meist prekär. Dass sie sich den eigenen Lebensunterhalt verdienen können, dazu will die UNHCR-Initiative Made51 einen Beitrag leisten. Auf der Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“ hat Made51 in diesem Jahr zum zweiten Mal einen Stand, auf dem in der „Galleria“ zwischen den Hallen 8 und 9 von Flüchtlingen hergestellte Produkte zu sehen sind.

Das Sortiment ist deutlich gewachsen: Es gibt handgefertigte Lampenschirme, die Tuareg-Flüchltinge aus Mali in Burkina Faso herstellen. Oder fein bestickte Armreifen, die Vertriebene aus Myanmar in Malaysia fertigen. Bestickte Decken und Kissen produzieren Afghanen in Pakistan, ebenso handgeknüpfte Teppiche. Kaschmir-Kopftücher verzieren Syrerinnen in jordanischen Lagern. Made 51 ist in immer mehr Ländern vertreten: Die Initiative arbeitet bereits in elf Staaten, weitere 20 werden in Kürze folgen, und in nochmals zwölf gibt es Interesse, wie Heidi Christ berichtet – die Amerikanerin hat die Initiative seit drei Jahren aufgebaut. Die Reaktion auf die „Ambiente“-Premiere im Vorjahr sei „enthusiastisch“ gewesen, die Initiative profitiere von der wachsenden Nachfrage nach nachhaltig und handwerklich hergestellten Produkten weltweit.

Auch den Vertrieb konnten die Macher ausbauen, es gibt die Waren nicht mehr nur im Internet, sondern auch im Einzelhandel. So berichtet Kara Hook vom sozialen Unternehmen WomenCraft aus Tansania, dass sie kürzlich einen großen Liefervertrag mit einem US-Einzelhändler abschließen konnte, über 3000 von geflüchteten Frauen aus Burundi geflochtene Graskörbe. Die Flüchtlings-Kollektion steht bereits für knapp 30 Prozent der WomenCraft-Umsätze: „Und das nach nur einem Jahr – ein extrem gutes Ergebnis“, sagt Hook, Sie hat die Zahl der Mitarbeiterinnen von anfangs 50 auf 100 erhöht.

Hisham El Gazzar, Mitgründer von Yadawee: „Das Problem bei UN-Projekten ist häufig, dass Flüchtlinge zwar ausgebildet werden. Aber danach sind sie überfordert damit, ihre Produkte zu vermarkten.“ Made51 unterstützt sie bei Marketing und Verkauf, die Produktion organisieren aber soziale Unternehmen in den Aufnahmeländern – also zum Beispiel Yadawee in Ägypten. Denn die Probleme unterscheiden sich nach El Gazzars Worten von Land zu Land: Mal dürften Flüchtlinge nicht arbeiten, mal nur mit einem lokalen Partner; mal fehlten Rohstoffe, mal der Marktzugang. Im Libanon oder in Jordanien leben Syrer meist in Lagern, in Ägypten dagegen nicht. In der Regel greifen die Flüchtlinge auf tradierte Handwerks-Fähigkeiten zurück, doch gefragt ist häufig die Kombination mit modernem Design.

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