EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Dienstagabend im Frankfurter Hof.
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EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Dienstagabend im Frankfurter Hof.

Europäische Zentralbank

Lagarde schlägt Brücke zu Firmen der Region

  • Panagiotis Koutoumanos
    VonPanagiotis Koutoumanos
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Rede der EZB-Präsidentin zum Jubiläum der Wirtschaftsinitiative Rhein-Main begeistert.

Frankfurt. Zugegeben: Weit ist Christine Lagarde bei ihren Bemühungen, die deutsche Sprache zu erlernen, in den vergangenen zwei Jahren nicht gekommen. Ende 2019 hatte sich die Französin als neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) erstmals in Frankfurt präsentiert und dabei verkündet, dass sie nun Deutsch-Unterricht nehme, um irgendwann in der Sprache von Johann Wolfgang Goethe, des großen Sohnes der Stadt, mit den Bundesbürgern kommunizieren zu können.

Das gehörte zu ihrer regelrechten Charme-Offensive, mit der sie das Verhältnis der Deutschen zur Notenbank zu verbessern suchte, das unter der Ägide ihres Vorgängers Mario Draghi arg gelitten hatte. Gelingen konnte ihr das kaum, nachdem sich die EZB wegen der Corona-Krise gezwungen sah, die Geldschleusen weiter zu öffnen. Nach wie vor ist die expansive Geldpolitik der Notenbank nirgends so umstritten wie im wohlhabenden Deutschland, wo sich die zahlreichen vermögenden Sparer durch die Nullzins-Politik enteignet sehen.

Trotzdem haben sich die Wogen geglättet, ist Lagarde im Gegensatz zu Draghi nie mit persönlichen Angriffen konfrontiert gewesen. Das liegt auch daran, dass die frühere Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) und ehemalige Handels- und Finanzministerin Frankreichs es versteht, bei ihren Auftritten außerhalb des EZB-Towers im Osten Frankfurts die Herzen ihres Publikums zu gewinnen.

Tosender Applaus von 150 Gästen

So wie am Dienstagabend, als sie anlässlich des 25. Geburtstages der Wirtschaftsinitiative Frankfurt Rhein Main e. V. im Hotel Frankfurter Hof spricht. Tosenden Applaus erhält sie am Ende ihrer klugen Rede von den rund 150 Gästen im Saal - darunter zahlreiche Vorstandsvorsitzende, Geschäftsführer und Honoratioren der Rhein-Main-Region.

Auf die Geldpolitik der EZB ist die 65-Jährige dabei kaum zu sprechen gekommen. Sie lobt die Weltoffenheit und Toleranz der Mainmetropole, preist den Frankfurter Flughafen als Tor zur Welt, der es ihr ermöglicht, direkt nach Marseille zu fliegen, wo ihr Ehemann beruflich tätig sei. Sie erzählt, wie froh sie darüber ist, dass sie in Frankfurt auch gut mit dem Fahrrad an ihr Ziel kommt. Dass sie als Handelsministerin neidisch auf die Fähigkeit deutscher Unternehmen geblickt habe, sich trotz aller Konkurrenz untereinander zusammenzutun, um mit Hilfe von Politik und Behörden Deutschlands Exporte immer weiter zu steigern. ",Schaut auf die Deutschen', habe ich zu französischen Unternehmern gesagt. So müsst ihr das auch machen", berichtet sie lachend.

Zuvor hatte sie mit ihren noch bescheidenen Deutschkenntnissen kokettiert und sich dafür entschuldigt. Immerhin: Für ein "Danke schön!" auf Deutsch reicht es. Und auch, um Goethe in dessen Sprache zu zitieren: "Was nicht vorwärts gehen kann, das schreitet zurück."

Rhein-Main als Motor für Europa

Es ist das Leitmotiv ihrer Rede, in deren Mittelpunkt sie die Bedeutung von Metropolregionen für den auch ihrer Ansicht nach dringend erforderlichen Wandel Europas stellt. Der Kontinent müsse schnell weitere Fortschritte erzielen bei der Digitalisierung, bei der Bewältigung der Klimakrise und der Entwicklung eines einheitlichen Kapitalmarktes, fordert die EZB-Präsidentin. "Europa muss vorwärtsschreiten, um nicht zurückzufallen", betont Lagarde, "und das kann Europa auch - vor allem dank der Dynamik und Diversität von Regionen wie Rhein-Main."

Trotz seiner ungewöhnlich polyzentrischen Struktur, die 75 Städte und Gemeinden sowie drei Bundesländer umfasse, sei das Rhein-Main-Gebiet eine von Europas führenden Regionen. Dank seiner ausgeprägten Innovations- und Anpassungsfähigkeit, gestärkt durch die Zusammenarbeit mit der angewandten Wissenschaft, wie sie im "House of Finance" oder im "House of Pharma" zum Ausdruck komme.

Die Region stehe für ein Zehntel des deutschen Bruttoinlandsprodukts. "Und es ist sicherlich nicht übertrieben, zu sagen, dass Frankfurt-Rhein-Main die gesamte Welt positiv beeinflusst hat", sagt Lagarde, die dabei auch auf den Corona-Impfstoff des Mainzer Pharma-Unternehmens Biontech verweist.

Lobeshymnen, die ihre Wirkung auf das Publikum im Frankfurter Hof nicht verfehlen. Beglückte Gesichter, tosender Applaus. Es wächst eine Brücke zwischen der Wirtschaft der Region und der Europäischen Zentralbank.

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