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Vor allem in den unteren Preiskategorien sollen nach den Vorstellungen des Lufthansa-Managements die Tickets teurer werden.

Luftfahrt

Lufthansa erhöht Ticketpreise

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Nicht nur der gestiegene Ölpreis, auch die holprige Integration der Air-Berlin-Flieger und das deutsche Flug-Chaos im Sommer haben in diesem Jahr den Höhenflug der Lufthansa gestoppt. Die bittet nun vor allem die preisbewussten Kunden zur Kasse.

Auf der Suche nach vergleichsweise günstigen Flugtickets werden es Kunden der Lufthansa bald noch schwerer haben, fündig zu werden als bislang. Wie Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr gestern ankündigte, will Europas größte Airline in Kürze die Ticketpreise anheben. Als Grund gab Spohr den in diesem Jahr weiter gestiegenen Ölpreis an, der auch die Kerosinrechnung der Lufthansa-Gruppe nach oben treibt. „Wir müssen die Ölpreise besser in den Ticketpreisen abbilden“, betonte der Konzernchef. „Ein Flug kann bei einem Ölpreis von 80 Dollar nun mal nicht so billig bleiben wie bei einem Ölpreis von 30 Dollar.“ Dabei gehe es ihm „um die untere Preisspanne“, wie er auf Anfrage dieser Zeitung ausführte. „Wenn Sie von Frankfurt nach Mallorca fliegen, zahlen Sie für die zwei Stunden im Flugzeug weniger als dafür, Ihr Auto die gleichen zwei Stunden im Parkhaus am Frankfurter Flughafen zu haben“, klagte Spohr in einer Telefonkonferenz. „Das hat aus meiner Sicht keine Zukunft.“

Derzeit notiert der Ölpreis für die führende Nordseesorte Brent Crude bei rund 76 US-Dollar. Damit kostet das Barrel Öl zwar deutlich weniger als noch Anfang Oktober, als rund 84 Dollar fällig wurden. Aber vor einem Jahr lag der Preis noch bei 56 Dollar und zwei Jahre zuvor bei 50 Dollar. So ist die Kerosinrechnung des Lufthansa-Konzerns – auch bereinigt um die gewachsene Zahl der angebotenen Flüge – deutlich gestiegen: 2017 um sieben Prozent auf 5,2 Milliarden Euro; dieses Jahr wird der Treibstoff laut Lufthansa insgesamt um weitere 850 Millionen auf knapp 6,2 Milliarden Euro steigen; und im kommenden Jahr geht das Management davon aus, dass die Kerosinrechnung um zusätzliche 900 Millionen Euro höher ausfallen wird. Traditionell bildet der Treibstoffverbrauch bei einer Airline den zweithöchsten Kostenfaktor – nach den Personalaufwendungen. Zum Stichtag, 30. September, machte die Treibstoffrechnung bei der Lufthansa rund ein Sechstel der Gesamtkosten aus, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei rund 26 Milliarden Euro stagnierten.

Wie viel der 900 Millionen Euro der Vorstand über höhere Ticketpreise reinholen will, konnte Spohr nicht sagen. „Darüber entscheidet auch der Markt“, so der Vorstandschef mit Blick auf den Wettbewerb. Und der war in den ersten neun Monaten vor allem im Europa-Geschäft hart. Da sanken die Durchschnittserlöse um zwei Prozent. Was auch daran lag, dass der Konzern seine Sitzkapazitäten deutlich erhöht hatte, um den Konkurrenten Marktanteile abzujagen. Aber damit ist erst mal Schluss: Spohr kündigte an, dass die Lufthansa ihre Kapazitäten nicht so deutlich wie die Wettbewerber erweitern werde. Demnach wird im Sommer 2019 das Sitzangebot nur um 3,8 Prozent steigen; im Gesamtjahr sollen es fünf Prozent im Vergleich zu etwa acht Prozent Zuwachs in diesem Jahr werden. Heißt: Profit geht vor Marktanteil.

Von Januar bis September ist die Profitabilität insgesamt gesunken. Der Umsatz stieg leicht um ein Prozent auf 26,9 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um acht Prozent auf 2,36 Milliarden Euro. Aber davon abgesehen, dass dieser Wert nach dem Rekordgewinn 2017 das zweithöchste Betriebsergebnis in der Geschichte des Konzerns darstellt, ist der Rückgang nicht nur auf das teurer gewordene Kerosin zurückzuführen.

Ins Kontor schlug mit 170 Millionen Euro auch die holprige Integration der 77 übernommenen Air-Berlin-Flieger in die Billigtochter Eurowings. Und 350 Millionen Euro musste der Konzern für Passagierentschädigungen, Transport- und Hotelkosten berappen infolge der ungewöhnlich vielen Flugausfälle hierzulande im Sommer. Rund 18 000 Flugausfälle hatte er zu verkraften. Die Airline-Gruppe – bestehend aus der Marke Lufthansa, der Billigplattform Eurowings, der Swiss und Austrian Airlines (AUA) – fliegt rund 4400 Mal am Tag.

Spohr bekräftigte gestern zwar die Prognose, wonach das bereinigte Ebit in diesem Jahr nur „leicht unter“ dem Rekordwert von 2017 bleiben werde. Aber die Anleger zeigten sich trotzdem enttäuscht: Der Aktienkurs rauschte um bis zu neun Prozent auf 17,13 Euro runter und damit auf den niedrigsten Stand seit Mai vergangenen Jahres.

Besonders enttäuschend verlief die Entwicklung bei der Kölner Billigtochter Eurowings: Aufgrund der Integrationskosten und der Aufwendungen für die Flugausfälle rutschte Eurowings mit minus 65 Millionen Euro in die Verlustzone – im Vorjahr hatte da noch ein Gewinn von 145 Millionen gestanden. Den Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss, AUA gelang es, dank des starken ersten Halbjahres immerhin ihr Ergebnis mit insgesamt 1,96 Milliarden Euro zu halten. Dabei glich die relativ kleine, aber feine Swiss die Gewinnrückgänge der großen Lufthansa und der AUA aus.

Einen deutlichen Gewinnsprung legte nach einem Restrukturierungsprogramm die Frankfurter Frachttochter Lufthansa Cargo hin: Das Ebit stieg von 98 auf 153 Millionen Euro. Auch die ebenfalls in Rhein-Main beheimatete Cateringtochter LSG Sky Chefs war erfolgreich: Das Ebit der Sparte, deren-Europa-Geschäft zurzeit einer harten Abmagerungskur unterzogen wird, kletterte von 66 auf 99 Millionen Euro. Mir einer Marge von 4,1 Prozent ist der Caterer aber nach wie vor deutlich weniger profitabel als das Geschäft mit den Netzwerk-Airlines. Und das ist offenbar der Grund, warum der Konzernvorstand erwägt, zumindest einen Anteil an den LSG Sky Chefs zu verkaufen. „Wir müssen schauen, ob es da eine bessere Eigentümer-Struktur gibt als 100 Prozent Lufthansa“, sagte Spohr auf Nachfrage. Die LSG macht nur ein Viertel ihres Geschäfts mit der Lufthansa.

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