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Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr (links) und sein neuer Finanzvorstand Ulrik Svensson

Fluggesellschaft will stärker wachsen

Lufthansa setzt Fraport unter Druck

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Der Streit um die neuen Gebühren-Rabatte am Frankfurter Flughafen rüttelt an den Grundfesten der vielgepriesenen Systempartnerschaft von Lufthansa und Fraport: Airline-Chef Carsten Spohr droht dem Flughafen-Betreiber unverhohlen mit Verkehrsverlagerungen. Freude bereitet ihm dagegen die erneuerte Sozialpartnerschaft mit seinen Piloten, die in den kommenden Jahren zu weiteren Kostensenkungen beitragen soll.

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr ließ bei der gestrigen Bilanzvorlage keinen Zweifel daran: Er ist richtig sauer auf das Fraport-Management. Nicht von ungefähr hatte er die traditionell in Frankfurt stattfindende Bilanzpressekonferenz an den Münchner Flughafen verlegt. Hier, so seine klare Botschaft an den Frankfurter Flughafen-Betreiber, versteht man uns wenigstens. „Der Standort München wird für die Lufthansa-Gruppe immer wichtiger, vor allem durch das partnerschaftliche Miteinander und den Willen, gemeinsam Wachstum zu gestalten“, betonte Spohr. Und das sollte kein bloßes Lippenbekenntnis sein: Der Lufthansa-Vorstand habe sich in dieser Woche entschieden, zusätzlich zu den bereits geplanten zehn A 350-900-Maschinen weitere fünf A 350 nach München ausliefern zu lassen, so der Vorstandschef.

25 dieser neuen zweistrahligen Jets hat der Konzern bestellt. Und die Ankunft dieses neuen Maschinen-Typs würden auch die Anwohner des größten deutschen Flughafens sicherlich begrüßen, denn der verbraucht nicht nur deutlich weniger Treibstoff – er produziert den Herstellerangaben nach auch rund 50 Prozent weniger Lärm. Aber derzeit sieht es danach aus, als sollte nur der Airport im Erdinger Moos davon profitieren. „Dabei ist die Stabilität der Systempartnerschaft der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg“, unterstrich Spohr, „gemeinsam zeigen wir hier, welch enormes Potenzial in einer guten Kooperation steckt.“ Deutlicher hätte Spohr seine Kritik am Fraport-Vorstand kaum artikulieren können.

Der Grund seiner Verärgerung: die hohen Gebühren-Rabatte, die Fraport seit Jahresbeginn neuen Airlines in Frankfurt gewährt und die sogar den äußerst knauserigen Erzfeind Ryanair an den Main gelockt haben. Ende März nimmt Europas größte Billigfluggesellschaft ihre ersten vier Strecken an der Lufthansa-Heimatbasis auf; Ende Oktober werden 20 weitere folgen. „Wir haben jahrelang vergeblich niedrigere Gebühren gefordert. Nun erhält Ryanair 50 Prozent Rabatt“, beklagte Spohr gestern. Fraport hat Spohr zwar zugesichert, dass die Lufthansa-Billigtochter Eurowings die gleichen Rabatte erhalten wird, wenn sie – wie angekündigt – im Frühjahr 2018 nach Frankfurt kommt. Aber das reicht Spohr nicht. Er verlangt, dass die Lufthansa und alle anderen in Frankfurt etablierten Airlines auf ihren Strecken, die nun auch von den neu hinzugekommenen Airlines bedient werden, die gleichen Vergünstigungen erhalten. Eine Forderung, der Fraport aber offensichtlich nicht folgen will. „Ich bin trotzdem zuversichtlich, dass wir zu einer Einigung kommen werden – hoffentlich im Dialog und nicht auf juristischem Weg“, sagte der Lufthansa-Chef, der mit einer Klage drohte. Nach Aussage Spohrs würde die Lufthansa damit im kommenden Winterflugplan rund

30 Millionen Euro an Flughafengebühren sparen.

2016 bildeten diese Gebühren mit 5,74 Milliarden Euro schon den zweitgrößten Kostenblock im Luftfahrtkonzern – nach den Personalaufwendungen, die sich auf 7,35 Milliarden Euro beliefen. Und die werden nach Aussage des Vorstands weiter sinken. Auch dank des Tarifabschlusses mit seinen Piloten der Kernmarke Lufthansa und Germanwings, den das Unternehmen pünktlich zur gestrigen Bilanzvorlage am Vortag unter Dach und Fach gebracht hatte. Die jährlichen Cockpitkosten von bislang rund einer Milliarde Euro werden damit um 15 Prozent reduziert. Es geht also trotz der vereinbarten Gehaltserhöhungen um Einsparungen von 150 Millionen Euro – weil zum Beispiel die Gehälter junger Piloten langsamer steigen, alle Flugzeugführer weniger bezahlte Überstunden und weniger freie Tage erhalten und der Vorruhestand im Schnitt erst mit 60 statt mit 58 Jahren beginnt. Hinzu kommt, dass nach den Flugbegleitern auch die Piloten die Umstellung ihrer Altersversorgung von einem leistungsorientierten auf ein beitragsorientiertes System akzeptiert haben, bei dem das Unternehmen nicht mehr die Renten, sondern nur noch die Arbeitgeberbeiträge garantiert. Heißt: Künftig tragen die Arbeitnehmer das Zinsrisiko. Wie der neue Finanzvorstand Ulrik Svensson sagte, wird diese Veränderung die Lufthansa-Bilanz in diesem Jahr um einen hohen dreistelligen Millionenbetrag entlasten und auch einen positiven Effekt auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) haben.

Weil die Details der Tarifvereinbarung in den kommenden Monaten aber noch ausgearbeitet werden müssen, werden die Einsparungen von 150 Millionen Euro erst 2018 voll wirksam werden, wie Spohr erklärte, der über die Einigung sichtlich erleichtert war. „Die Freude über das Ende des längsten Tarifkonfliktes in der Geschichte der Lufthansa ist groß“, so der Vorstandschef.

Offensichtlich auch an der Börse: Die Aktie war gestern der große Gewinner im Dax: Der Kurs legte in der Spitze um sechs Prozent auf 15,28 Euro zu – und damit auf den höchsten Stand seit einem Jahr. Mit der Bilanz des vergangenen Jahres, der angekündigten Dividende und dem Geschäftsausblick für dieses Jahr ist der Kurssprung jedenfalls nicht zu erklären.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg zwar von 1,82 auf den neuen Rekordwert von

2,28 Milliarden Euro und der Nettogewinn von knapp 1,7 auf

1,77 Milliarden Euro. Aber diese Anstiege sind eben nur der Umstellung der Altersversorgung der Flugbegleiter im vergangenen Jahr zu verdanken. Die hatte einen einmaligen „positiven Effekt von 652 Millionen Euro“. Das um diesen Sondereinfluss bereinigte Ebit – die entscheidende Größe für die Dividendenzahlung – sank um 3,6 auf 1,75 Milliarden Euro. So müssen sich die Aktionäre wieder mit einer Dividende von 0,50 Euro begnügen. Was einer eher bescheidenen Ausschüttungsquote von 14,4 Prozent entspricht.

Belastet wurde der Jahresgewinn von den Pilotenstreiks im vierten Quartal, die 100 Millionen Euro Ergebnis kosteten. Zudem litt der Konzern sowohl im Passagier- wie auch im Frachtgeschäft von schwachen Durchschnittserlösen, die stärker sanken als die Kosten. Nur gut, dass da die Spritrechnung dank des niedrigen Ölpreises mit 4,89 Milliarden Euro um 899 Millionen Euro geringer ausfiel als im Vorjahr. So schaffte es die Lufthansa zumindest in der Passage-Gruppe, die die Kernmarke Lufthansa, die Billigflugtochter Eurowings sowie die Swiss und die Austrian Airlines (AUA) umfasst, ihr Betriebsergebnis zu erhöhen. Während da vor allem die Kernmarke Lufthansa – die mit Abstand größte Konzernsparte – mit einem bereinigten Ebit von 1,14 Milliarden Euro glänzte, rutschte die Billigflugtochter wegen der hohen Anlaufkosten für den Flottenaufbau wieder in die Verlustzone: Nach einem kleinen Betriebsgewinn von 39 Millionen schrieb sie 90 Millionen Euro Miese. Die Lufthansa Cargo flog einen bereinigten Verlust von 50 Millionen Euro ein.

Für dieses Jahr rechnet der Lufthansa-Vorstand mit einem leichten Rückgang des bereinigten Konzern- Ebit. Zum einen rechnet er angesichts des steigenden Ölpreises mit einem Anstieg der Spritrechnung um 350 Millionen Euro rechnet. Zum anderen geht das Management davon aus, dass die Stückerlöse erneut deutlicher sinken werden als die Stückkosten. Für die Lufthansa Cargo werde es jedenfalls nicht für die Rückkehr in die Gewinnzone reichen, hieß es.

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