Mainova-Chef Constantin Alsheimer
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Mainova-Chef Constantin Alsheimer

Schadensbegrenzung im Stromgeschäft

Mainova erhöht Gewinnprognose für 2016

  • Panagiotis Koutoumanos
    VonPanagiotis Koutoumanos
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Unter den dramatischen Verwerfungen der staatlichen verordneten Energiewende leidet auch die Mainova AG: Während der Frankfurter Versorger mit dem Verkauf von Strom noch gutes Geld verdient, lohnt sich die Produktion von Strom kaum noch. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Immerhin: Wo der Mainova AG noch betriebswirtschaftlicher Freiraum zur Ertragssteigerung geblieben ist, hat sie im ersten Halbjahr erfolgreich an den Stellschrauben gedreht: Zum einen hat sie im hart umkämpften Stromgeschäft zusätzliche Kunden gewonnen. Zum anderen ist sie bei ihren Bemühungen weiter vorangekommen, das Unternehmen schlanker und effizienter aufzustellen – vor allem über die Digitalisierung der Betriebsprozesse, die dazu beiträgt, die Kosten weiter zu senken. Besonders die Personalkosten: „Im ersten Halbjahr haben wir weitere 55 Stellen nicht wiederbesetzt“, berichtete Mainova-Vorstandschef Constantin Alsheimer, der darauf hinwies, dass das Unternehmen von 2013 bis 2015 die Zahl seiner Mitarbeiter bereits von 2810 auf 2686 reduziert habe – sozialverträglich versteht sich, wie es sich für ein Unternehmen gehört, das zu 75,2 Prozent in öffentlicher Hand ist. „Dieser Trend wird sich fortsetzen“, sagte Alsheimer gestern, „die Digitalisierung ist die wichtigste fortschreitende Aufgabe bei der Mainova.“

Vier neue Strom-Großkunden hat der Frankfurter Versorger in seinem Stammgebiet akquiriert – das er mit einem Radius von rund 120 Kilometern um Frankfurt herum definiert. Das hat maßgeblich dazu beigetragen, den Strom-Absatz um neun Prozent zu erhöhen – und bei gleich gebliebenen Preisen den Vorsteuer-Gewinn in der Sparte „Stromversorgung“ um 5,2 Millionen auf 7,6 Millionen Euro zu steigern. Auch im dominanten, Margen-starken Gasgeschäft hat der Gewinn zugelegt: um 3,1 Millionen auf 42,9 Millionen Euro. Da hatte der Versorger die Preise zu Jahresbeginn sogar gesenkt, nachdem die Einkaufspreise für Gas 2015 in den Keller gerauscht waren.

Um 5,6 Millionen Euro verschlechtert haben sich dagegen die Ergebnisse in den kleinen Sparten Wärmeversorgung und Wasserversorgung – im Wassergeschäft leidet die Mainova immer noch unter dem hessischen Kartellverfahren, bei dem ihr 2012 vom Wirtschaftsministerium eine Preissenkung von 25 Prozent oktroyiert worden war. Mit satten zehn Millionen Euro schlug im ersten Halbjahr sogar die Entscheidung ins Kontor, die Abschreibungsfrist auf Software auf fünf Jahre zu halbieren.

Dass bei einem stagnierenden Konzernumsatz von rund einer Milliarde Euro der Vorsteuer-Gewinn trotzdem von 53,4 auf 62,5 Millionen Euro gestiegen ist, ist vor allem auf die umsichtige Risikovorsorge des Mainova-Managements zurückzuführen. Frühzeitig hatte der Vorstand auf die Verwerfungen des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) reagiert, dem konventionelle Gaskraftwerke – so effizient und klimafreundlich sie auch sein mögen – als Kollateralschaden zum Opfer gefallen sind.

Eigentlich sollten die hochflexiblen und klimafreundlichen Gaskraftwerke zur Stütze der deutschen Energieversorgung werden. Stattdessen sind sie zum Symbol für Fehlentwicklungen des EEG geworden: Gemäß EEG hat Strom aus alternativen Quellen stets Vorrang im Netz. Betreiber von Windrädern und Solaranlagen dürfen dabei ihren Strom zu einem festgelegten, subventionierten Preis einspeisen. Sie laufen quasi außer Konkurrenz. Ansonsten haben Kraftwerke Vorrang, die den Strom zu den geringsten Grenzkosten liefern. Und da in der Europäischen Union die Preise für CO2-Zertifikate im Keller sind, kommen in Deutschland seit Jahren die schmutzigen, aber dadurch billig produzierenden Kohlemeiler vor den Gaskraftwerken zum Zug.

Auch vor denen im süddeutschen Irsching und in Bremen, an denen die Mainova mit 15,6 bzw. 25,1 Prozent beteiligt ist. Auf Irsching, das 2011 in Betrieb genommen wurde und seitdem so gut wie gar nicht gelaufen ist, hatten die Frankfurter zwischen 2012 und 2015 schon Wertberichtigungen in Höhe von rund 22 Millionen Euro und Rückstellungen von rund 25 Millionen Euro vorgenommen. Auf das Werk in Bremen, das erst im kommenden Oktober den Betrieb aufnimmt, hat die Mainova 2015 erstmals Rückstellungen gebildet. Dass das Unternehmen nicht auch auf seine Frankfurter Kraftwerke Abschreibungen vornehmen muss, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass diese nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten und zumindest noch der Wärmeversorgung dienen.

Dass die Mainova früh auf das EEG reagiert hat, ist ihr nun im ersten Halbjahr 2016 zugutegekommen: „Nachdem im Vorjahreszeitraum für die beiden Anlagen zusammen 20 Millionen abgeschrieben worden waren, haben wir in diesem Jahr zehn Millionen Euro weniger an Rückstellungen bilden müssen“, sagte Alsheimer. Folgerichtig hat er die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr leicht abgehoben: Hatte das Unternehmen zuvor einen Vorsteuer-Gewinn von rund 125 Millionen Euro vorausgesagt, geht es nun von mehr als 130 Millionen Euro aus. 128,9 Millionen Euro waren es 2015 gewesen.

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