Flüchtlinge sind laut BA meist nur für Helferjobs qualifiziert.
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Flüchtlinge sind laut BA meist nur für Helferjobs qualifiziert.

Integration in Deutschland

Mehrheit nur gering qualifiziert

Die Arbeitsagentur hat erstmals gesicherte Daten über Ausbildung und Fähigkeit der als arbeitssuchend gemeldeten knapp 300 000 Flüchtlinge vorgelegt.

Von HOLGER HANSEN (REUTERS)

Die nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge kommen auf dem Arbeitsmarkt derzeit überwiegend nur für Helferjobs infrage. Das zeigen Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA), die die Behörde am Donnerstag erstmals für den Juni vorlegte. Demnach sind rund 297 000 Geflüchtete als arbeitsuchend gemeldet. Die Daten sind zwar unvollständig, weil viele Jobsuchende noch keine Angaben zur eigenen Qualifikation gemacht haben. „Trotz dieser Einschränkung machen die Auswertungen deutlich, dass Geflüchtete vorerst hauptsächlich Berufe mit geringen Qualifikationen ausüben können“, lautet das Fazit der Statistiker. Für 58 Prozent komme vorerst nur eine Helfertätigkeit infrage.

Die neuen Daten entsprechen weitgehend den bisherigen Annahmen des BA-Vorstandes. Nach einer Umstellung der Statistik zum Jahreswechsel, seit in Arbeitsagenturen und Jobcentern auch der Aufenthaltsstatus flächendeckend erfasst wird, liegen nun genauere Daten vor. Das geringe formale Bildungs- und Ausbildungsniveau überrascht den Vorstand nicht. „Die Menschen, über die wir jetzt sprechen, kommen aus humanitären Gründen zu uns“, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker in Nürnberg. Es gehe nicht um gesteuerte Zuwanderung. „Die Menschen sind so, wie sie jetzt sind.“ Auftrag der BA sei es, deren Beschäftigungsfähigkeit zu erhöhen.

Pro Jahr schafften laut Becker etwa 20 000 bis 22 000 den Sprung in Beschäftigung, vor allem in der Leiharbeit, in der Hotel- und Gaststättenbranche sowie im Bereich von Lager und Logistik. Ein Viertel der Geflüchteten verfügt nicht einmal über einen Hauptschulabschluss, ebenso viele können aber Abitur oder die Hochschulreife vorweisen. Die Daten sind unvollständig, weil von einem Drittel keine eigenen Angaben zur Schulbildung vorliegen. 74 Prozent verfügen nicht über eine formale Berufsausbildung. Eine akademische Ausbildung geben neun Prozent an.

Aus dem hohen Anteil von Flüchtlingen ohne Schulabschluss und ohne formale Berufsausbildung dürfe aber nicht geschlossen werden, dass Flüchtlinge generell im gleichen Maße unqualifiziert seien, warnt die BA. Flüchtlinge verfügten durchaus über Kompetenzen. Fehlende Nachweise und mangelnde Vergleichbarkeit führten aber zunächst zu der Einstufung „ohne abgeschlossene Berufsausbildung“.

Für jeden Achten (13 Prozent) kommt den Daten zufolge als erster Job eine Fachkrafttätigkeit infrage. Ein Friseur etwa, der zehn Jahre in Afghanistan oder Syrien diesen Job ausgeübt habe, werde „quasi als Fachkraft bewertet, wenn er schon Deutsch spricht“, sagte Becker. Drei Viertel der arbeitsuchenden Flüchtlinge sind männlich, fast die Hälfte ist jünger als 30 Jahre. „Es sind viele junge Menschen dabei, vielleicht mit einer längeren Bleibeabsicht“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise.

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