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Festliche Weihnachtsdekorationen, wie hier am Stand von Riviera Maison (Amsterdam), prägen die ?Christmasworld?.

Frankfurter "Christmasworld"

Bei der Messe ist schon Weihnachten

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Nach dem Fest ist vor dem Fest: Auf der „Christmasworld“ zeigen schon jetzt Anbieter von Weihnachtsdekoration ihre Neuheiten für Dezember 2016.

Draußen scheint die Sonne bei frühlingshaften Temperaturen – in den Messehallen duftet es nach Zimtstern, LED-Lichterketten und bunte Christbaumkugeln funkeln um die Wette, Nussknacker aus dem Erzgebirge fletschen die Zähne. Zwar sind es noch fast elf Monate bis Weihnachten, doch Hersteller von Festtags- und Dekoartikeln aus 45 Ländern zeigen schon jetzt auf dem Messegelände ihre Neuheiten für Dezember 2016. Hier geben Einzelhändler aus Deutschland und dem Ausland frühzeitig ihrer Orders auf, schließlich muss die Ware noch in China produziert und in Containern mit dem Schiff nach Europa gebracht werden. Zeitraubend und verschlungen sind die Wege der Produkte in der globalisierten Welt; sogar aus Ägypten, Tunesien oder Bangladesh sind Aussteller nach Frankfurt gekommen.

Nun hat vermutlich jeder Deutsche genügend Kerzen und Kugeln auf dem Dachboden oder in der Schublade, und trotzdem kaufen Privatleute und vor allem Einzelhändler alle Jahre wieder solche Festartikel nach. Die Trends wechseln, wie auch bei anderen Deko-Artikeln oder bei Geschirr. In der „Galleria“ vor Halle 9 hat das „Stilbüro bora.herke.palmisano“ wieder eine Trendschau zusammengestellt. „Oberflächen aus der Mode gibt es heute direkt auf Kugeln“, sagt Claudia Herke – aus Jeans-Stoff etwa. Stark im Kommen sei Kupfer, quasi das neue Gold. Kugeln (oder als Ersatz flache Ringe), Blumentöpfe oder Adventskränze finden sich in diesem Farbton, besonders häufig in der Sonderschau der niederländischen Designer Rudi Tuinman und Pascal Koeleman gleich nebenan.

Viele der Ideen im Begleitbuch haben Hersteller bereits aufgegriffen: Christbaumkugeln gibt es zum Beispiel aus Opalglas mit Stacheln, die dadurch ein wenig an Kletten erinnern (von Dagmara aus Jaslo, Polen), oder als Eulen im Kupferton (von Glas-Barthelmes aus Lauscha, Thüringen).

Angst vor zu viel Plastik? Einen Weihnachtsbaum aus grünlackiertem Metall, dekoriert mit handgedrechselten Kugeln und einem Ständer aus Eichenholz, stellt „designimdorf“ aus Bernau im Schwarzwald vor, ebenso eine „Krippe to go“ in der Schachtel. Den Innovationspreis „Christmas Star“ hat die Berliner Designerin Wambui Mwangi für in Kenia gefertigte Christbaumkugeln aus wiederverwendeten Kalebassen, traditionellen Gefäßen aus Kürbishüllen, gewonnen.

Nicht alle Neuheiten sind geschmackssicher: Bei Gebr. Steinhart aus Krumbach trägt eine Puppe ein sehr knappes sexy Weihnachtsmann-Kostüm, die Kerze daneben trägt die Aufschrift „Blow me“. „Sassen“ aus Ter Aar (bei Leiden, Niederlande) bietet Rosen mit Schokoladen-Überzug an. Bei „Donkey Products“ aus Hamburg gibt es ein Sticker-Set, mit den Ziffern lassen sich Bierkästen mit 24 Flaschen zum Adventskalender für Männer umdekorieren („Holy Bierchen“).

„Die Konjunktur, deren Stütze der private Konsum ist, gibt uns hoffentlich Rückenwind für die nächsten Tage“, sagt Messe-Geschäftsführer Detlef Braun. Um preisbereinigt 2,7 Prozent konnten die deutschen Einzelhändler ihren Umsatz im vergangenen Jahr steigern, sogar um 9,0 Prozent wuchs der Internethandel. Die Messe Frankfurt wirbt darum, dass der stationäre Handel gegensteuert, indem er intensiv berät und Einkaufs-Erlebnisse inszeniert. Ein Fünftel des Umsatzes macht der Handel im Weihnachtsgeschäft, 87,2 Milliarden Euro im November und Dezember 2015. Das Online-Weihnachtsgeschäft wuchs laut IFH Retail Consultants um satte 12,0 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro. 2,7 Milliarden (plus 0,5 Prozent) gaben die Verbraucher im abgelaufenen Jahr laut IFH für Weihnachts- und saisonale Festartikel aus.

Die Zahl der Unternehmen auf der Messe, die noch bis Dienstag Fachbesuchern offen steht, ist binnen Jahresfrist von 911 auf 966 gestiegen. Inklusive der heute startenden, gemessen an Ausstellern oder Fläche etwas größeren Büroartikelmesse „Paperworld“ und der Bastelschau „Creativeworld“ sind es 2873 Firmen. Braun kündigt die Erweiterung der Weihnachts-Schau um neue Produktgruppen an: Echte Blumen sollen ab nächstem Jahr die Halle 11.1 füllen. Künstliche Blumen waren 2015 der Renner unter den Produktgruppen, der Umsatz stieg um die Hälfte. Elektrische Weihnachtsbaum-Beleuchtung legte um 44 Prozent zu. Dagegen verloren Papier-Servietten neun Prozent. Kerzen büßten fast fünf Prozent ein, was ausschließlich am starken Preisdruck durch Discounter und der sinkenden Zahl von Fachgeschäften lag. „Der Kerzenmarkt ist stabil, der Verbrauch erreichte einen Rekordwert“, sagt Stefan Thomann von der European Candle Association. Auch der Absatz von Räuchermännchen oder Weihnachtspyramiden aus Sachsen blieb stabil, obwohl die Hersteller wegen der Einführung des Mindestlohns zu Preiserhöhungen von bis zu 30 Prozent gezwungen waren. Diese seien von den Endkunden offensichtlich weitestgehend akzeptiert worden, sagt Dieter Uhlmann, Geschäftsführer des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller.

Dekoriert werden im übrigen nicht nur Wohnungen und Läden, sondern ganze Innenstädte. MK Illumination aus Innsbruck hatte kürzlich das Frankfurter Shopping-Center „MyZeil“ mit riesigen Rentieren aus Lichterketten dekoriert, in Halle 11.0 strahlen nun ein fast fünf Meter hoher Hirsch und Eichhörnchen um die Wette. Nebenan „Blachere Illumination“ aus dem französischen Apt, die bereits den Pariser Eiffelturm und die Champs-Élysées dekoriert haben; auch die von Weihnachtsmärkten bekannten, riesigen Märchenfiguren (hier: „Schneewittchen und die Sieben Zwerge“) dürfen nicht fehlen.

Nach all diesen Fest-Eindrücken ist man doch ein bisschen froh beim Verlassen des Messegeländes, wieder im heimischen Januar angekommen zu sein. Also erstmal ab in die Kantine. Und was gibt’s? Entenkeule mit Rotkohl und Klößen ...

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