+
Friedrich von Metzler (l.) und Emmerich Müller

Ungewissheit und erneute Zinssenkung drohen

Metzler warnt vor „Brexit“

  • schließen

Das Bankhaus Metzler blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Die Partner warnen jedoch vor den Folgen eines möglichen „Brexit“.

Das 1674 gegründete Bankhaus Metzler ist eine Frankfurter Institution und hat in seiner langen Geschichte schon viele Krisen überstanden. Doch der drohende Austritt Großbritanniens aus der EU („Brexit“) macht den Partnern des Bankhauses große Sorgen. Es drohten zwei Jahre großer Unsicherheit, bis die Bedingungen des Austritts geklärt seien, warnt Partner Emmerich Müller: „Gewiss ist dann nur die Ungewissheit.“ Zudem könnten sich Abspaltungstendenzen in anderen EU-Ländern verstärken. Sein Kollege Michael Klaus ergänzt: „Im Falle eines Brexit ist nicht auszuschließen, dass die EZB die Zinsen nochmals senkt, und zwar heftig. Das würde die ganze Situation noch schwieriger machen.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass die Briten am 23. Juni für den Austritt votieren, schätzt er auf 25 Prozent.

Klaus glaubt nicht, dass Deutschland – wie manche denken – sogar von einem EU-Austritt Großbritanniens profitieren könnte: „Ich möchte davor warnen zu glauben, ein Brexit würde hier für Frankfurt so eine Art Bonanza sein und alle großen Investmentbanken, Handelshäuser und Vermögensverwalter würden dann von der Themse an den Main ziehen.“ Zwar könnte Frankfurt durchaus eine Alternative sein für US-Banken, die London als Eingangstor für ganz Europa nutzen: „Doch die Briten, deren Aushängeschild der Finanz-Standort ist, würden alles dafür tun, damit London seine Attraktivität behält.“ Ein Hebel könne beispielsweise die europaweite Boni-Begrenzung sein, die die Briten ohnehin nur zähneknirschend hingenommen hätten.

Extrem kritisch sehen die Partner der Bank die Niedrigzinspolitik der EZB, die vermutlich noch sehr lange andauern werde: „Dieses Umfeld ist für die gesamte Bankenbranche negativ und erschwert uns zunehmend das Leben“, sagt Klaus. Für das System der Altersvorsorge in Deutschland sei sie eine „existenzielle Bedrohung“.

Den Hype um Start-ups aus der Finanzbranche, sogenannte FinTechs, will die Privatbank nicht mitmachen – man stehe schließlich für das persönliche Gespräch mit dem Kunden. Müller fühlt sich an andere Branchen erinnert: „Das ist wie beim Einchecken bei der Lufthansa – der Kunde übernimmt die Arbeit.“

Nicht zu bestreiten sei, dass in der Branche viele Fehler gemacht wurden, die das Image belasten, sagt Müller. „Aber wir haben keine Cum-Cum- oder Cum-Ex-Geschäfte gemacht und keine Briefkastenfirmen in Panama gegründet“, hebt er hervor: „Unser Geschäftsmodell ist nicht, uns in solche Grenzbereiche zu begeben.“ Selbstverständlich habe es bekannte Anwälte gegeben, die mit solchen Ideen zu Metzler kamen, „aber wir haben das abgelehnt. Unser Haus ist auf Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit und Kontinuität ausgerichtet“.

Im Vorjahr hat Metzler wieder ein sehr gutes Ergebnis erzielt: Das Provisionsergebnis stieg um 22 Prozent auf 183 Millionen Euro, während das Zinsergebnis nur leicht auf 16 Millionen sank und auch die Kosten geringfügig auf 160 Millionen Euro zurückgingen. Aussagekräftige Gewinnziffern veröffentlicht Metzler nicht. Von den rechnerisch verbleibenden 39 Millionen Euro weist man wie jedes Jahr 2,3 Millionen als Überschuss aus (der an die Aktionäre ausgeschüttet wird), während der Rest – abzüglich der Steuern in Höhe von 11,7 Millionen – als stille Reserve in der Bank verbleibt. Mit Eigenmitteln von rund 200 Millionen Euro kommt Metzler bei der harten Kernkapitalquote auf mehr als 20 Prozent.

Metzler ist mit verwalteten Vermögen von 64 Milliarden Euro (plus elf Prozent, davon acht Prozent Neugelder und drei Prozent Wertzuwachs) ein führender Asset-Manager in Deutschland; dazu kommen noch 14 Milliarden auf der Fondsplattform und Gelder aus Privatkundengeschäft und betrieblicher Altersvorsorge.

Auch als Investmentbank hat Metzler einen guten Ruf. Man könne den Zugang zu deutschen Mittelständlern bieten – und die seien hoch attraktiv für ausländische Investoren, so Partner Johannes Reich: Chinesen suchten Know-how, Japaner vor allem Diversifikation, Finanzinvestoren gingen von strategischen Überlegungen aus. Hinzu komme der weltweite Anlage-Notstand, so dass die Nachfrage aktuell sehr hoch sei: „Und ich glaube, dass sich diese Situation weiter akzeleriert.“ Was die Lage der Schwellenländer angeht, so sieht Reich ganz Südamerika pessimistisch, während Russland immerhin von der Stabilisierung des Ölpreises profitiere. China habe er nie so kritisch gesehen wie viele andere und investiere weiter in chinesische Aktien. Der Strukturwandel hin zu höherwertiger Produktion sei durchaus normal, auch wenn er ein bisschen holprig verlaufe.

Und der Ausblick? „Wir hatten einen guten Start ins Jahr und sind optimistisch gestimmt“, sagt Müller. Die Zahl der Mitarbeiter soll von 780 auf rund 800 zulegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare