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Gernot Gajarszky, Mitarbeiter im Vertrieb bei Microbox, präsentiert einen 2 1/2-D-Scanner.

Hessischer Exportpreis im Bereich Industrie

Bad Nauheimer Unternehmen Microbox gewinnt

Großer Jubel in Bad Nauheim: Das kleine, mittelständische Unternehmen Microbox hat es geschafft und den hessischen Exportpreis in die Kurstadt geholt. Dass die 63 Mitarbeiter im Gewerbegebiet „Am Taubenbaum“ nun große öffentliche Aufmerksamkeit genießen dürfen, haben sie vor allem einer Idee zu verdanken: Völkerverständigung wird dort groß geschrieben.

Ein bisschen steht sie schon im Mittelpunkt, die große, gerahmte Urkunde des hessischen Exportpreises. Zusammen mit einem kleinen, gläsernen Pokal liegt diese auf einem Tisch im Gang zwischen den Büros. So richtig angeben wollen die Geschäftsführer der Microbox GmbH jedoch nicht damit. „Gestern haben wir gefeiert, heute wird weitergearbeitet,“ betont Geschäftsführer Stephan Welp mit seiner stets nachdrücklich klingenden Stimme. Der Zwei-Meter-Mann leitet die Firma zusammen mit Geschäftsführer Andreas Bläcker und kann inzwischen auf eine lange, abwechslungsreiche Firmengeschichte zurückblicken.

Das 1959 gegründete Unternehmen aus Bad Nauheim entwickelt und verkauft hochauflösende Scanner und Kameras zur Erfassung vom Büchern und Kulturgut. „Bei Studenten ist es höchstwahrscheinlich, dass sie schon mal mit einem unserer Produkte gearbeitet haben“, sagt Andreas Bläcker. So hat Microbox zahlreiche Universitätssäle mit seinen Buchscannern ausgestattet. Wer bei dem Wort Scanner aber an klassische Multifunktionskopierer denkt, ist auf dem Holzweg. Eine hochauflösende Kamera mit 71 Megapixel – zum Vergleich: das aktuelle iPhone hat eine Kamera mit 12 Megapixel – fotografiert von oben das aufgeschlagen daliegende Buch. Das hat Gründe: „Der klassische Kopierer führt dazu, dass die Bücher komplett drangsaliert werden“, klagt Bläcker. Bloß an überdehnte Buchrücken zu denken, bereitet dem Fan modernster Technik sichtlich Schmerzen.

Auf einem Scanner von Microbox soll es dem Buch gut gehen. Das ist nicht nur oberste Maxime des Unternehmens, sondern notwendig, um den Ansprüchen der Kunden zu genügen. Denn diesen wollen mehr, als bloß ein Buch scannen. Neben Universitäten zählen Archive, Bibliotheken und Museen zu den Kunden. Geht es etwa darum,eine historische Handschrift zu archivieren, steht der Scanner vor extremen Anforderungen. In einer sehr hohen Auflösung müssen die Farben der Schrift perfekt wiedergegeben werden, dabei darf die Kamera nur mit einem speziellen Licht arbeiten, damit das historische Dokument nicht angegriffen wird. Zudem dürfen die Bücher nicht geknickt werden, hierfür bedarf es einer Auflage in V-Form, um den Einband zu schonen: „Archive und Bibliothek haben so unterschiedliche Bücher, da wird man zum Spezialisten“, sagt Bläcker.

Für jede spezielle Anforderung hat Microbox inzwischen ein eigenes Gerät entwickelt. Der Showroom des Mittelständischen Unternehmens wirkt daher wie eine Mischung aus Foto-Labor und Raumschiff-Cockpit. Aneinandergereiht stehen dort futuristisch anmutende Scanner mit großen Kameras und integrierter Beleuchtung. Zu dem spektakulärsten Geräten zählen ein 3D-Scanner und ein 2½-D-Scanner. Mit diesen können ganze Objekte digitalisiert werden und feine Reliefstrukturen auf Gemälden abgebildet werden.

Die Qualität der Produkte ist ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs von Microbox, das wahre Erfolgsgeheimnis liegt jedoch in der Vermarktungsstrategie. „Wir müssen die ganze Welt betreuen“, betont Stephan Welp. Nicht weniger als 16 Sprachen können seine Mitarbeiter zusammen sprechen. „Wir verkaufen sehr erklärungsbedürftige Produkte“, beschreibt Welp, externe Händler sind daher keine Option. Welp und Bläcker nehmen neue Bewerber daher ganz genau unter die Lupe: „Intelligenz ist die Hauptqualifikation“, macht Welp unmissverständlich klar. Ein fremde Sprache zu sprechen, ist jedoch nicht minder wichtig, schließlich könnte sich mit einer neuen Sprache im Team gleich ein ganzes neues Land als Markt erschließen. Im Vertrieb von Microbox arbeiten viele Studenten und genießen das Vertrauen, ein eigenes Land betreuen zu dürfen. Von Südkorea bis Peru sind Microbox keine Grenzen gesetzt. Seit vier Jahren fährt die Firma mit dieser Strategie nun schon große Erfolge ein. Der Gewinn des hessischen Exportpreises ist da verdienter Lohn.

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