Negativzinsen
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Die Zahl der Kreditinstitute, die Sparern bei Negativzinsen aufbrummen, hat sich einer Studie zufolge innerhalb eines halben Jahres fast verdoppelt.

Studie

Immer mehr Banken erheben Negativzinsen: Darum lohnt sich sparen nicht mehr

Negativzinsen treffen immer mehr Sparer, weil immer mehr Banken die Freibeträge senken. Verbraucherschützer werfen Kreditinstituten vor, dabei besonders kreativ zu sein.

Frankfurt/Main - Die Deutschen sparen wie die Weltmeister. Doch das lohnt sich immer weniger. Stichwort: Negativzinsen. Einer aktuellen Verivox-Studie zufolge hat sich die Zahl der Kreditinstitute, die Sparern ein sogenanntes Verwahrentgelt abnötigt, innerhalb eines halben Jahres fast verdoppelt: 349 Banken und Sparkassen* verlangen heute Negativzinsen. Das sind 171 mehr als Ende 2020.

Lange Zeit wurden vor allem bei großen Summen ab 100.000 Euro ein Verwahrentgelt fällig. Inzwischen erheben Verivox zufolge mindestens 102 Institute Negativzinsen ab einer Gesamteinlage von 50 000 Euro oder weniger pro Kundin und Kunde. „Aktuell kommen nahezu täglich weitere Geldhäuser hinzu“, berichtete Verivox-Manager Oliver Maier.

Negativzinsen: Immer mehr Banken und Sparkassen verlangen sogenanntes Verwahrentgelt

Zuletzt hatte die Direktbank ING angekündigt, den Freibetrag von 100.000 Euro auf 50.000 Euro pro Konto zu halbieren. Andere große Institute wie die Commerzbank und die Postbank haben ähnliche Schritte angekündigt oder bereits vollzogen. „Wenn große Häuser ihre Negativzins-Regelungen verschärfen, besteht für Sparer immer die Gefahr, dass das zur Blaupause für andere Marktteilnehmer wird“, sagte Maier.

Geschäftsbanken müssen aktuell 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Die Kosten geben immer mehr Geldhäuser weiter und berechnen Privatkunden Negativzinsen meist von 0,5 Prozent. Traditionell passen die Kreditinstitute passen ihre Konditionen zu Beginn eines neuen Quartals an. Verivox rechnet für die ersten Juli-Wochen deshalb mit weiteren Verschiebungen. „Gut möglich, dass sich künftig noch mehr Bankkunden auf niedrigere Freibeträge einstellen müssen“, sagte Maier. Immer mehr Sparer setzen deshalb auf Bargeld.

Negativzinsen: ING Diba bereitet gerade 9 Millionen unerfreuliche Briefe vor

Negativzinsen treffen vor allem Neukunden. Will eine Bank von Bestandskunden ein Verwahrentgelt verlangen, muss sie das mit den Betroffenen individuell vereinbaren. Das ist aufwendiger. Zunächst schlossen die Geldhäuser solche Vereinbarungen daher vor allem mit Firmenkunden oder sehr reichen Privatkunden ab. Doch das ändert sich zunehmend: So will beispielsweise die ING die etwa 750.000 ihrer 9 Millionen Bestandskunden anschreiben, die mehr als 50 000 Euro auf ihrem Giro- oder Tagesgeldkonto haben, und diese bitten, der Einführung des Verwahrentgelts zuzustimmen.

Verbraucherschützer kritisieren, dass „Banken und Sparkassen in den vergangenen Jahren besonders kreativ waren, wenn es um das Kreieren neuer Entgelte ging“. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hält Negativzinsen auf Giro- und Tagesgeldkonten von Verbrauchern grundsätzlich für unzulässig, unabhängig davon, ob es sich um Neu- oder Bestandskunden handelt. Der vzbv hat daher Klagen bei mehreren Gerichten eingereicht, um für rechtliche Klarheit zu sorgen .Die Verbraucherschützer argumentieren unter anderem, dass Tagesgeld eine Form des Sparens sei. Vertragszweck sei die Vermögensmehrung und nicht die Vermögensminderung. Bei Girokonten wiederum zähle die Verwahrung von Einlagen nicht zu den Zahlungsdiensten, für die Institute Geld verlangen könnten. (dpa) *tz.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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