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„Nutzer geben Daten freiwillig preis“

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Was bedeutet das vom FBI geknackte iPhone für die Daten-Sicherheit unserer Handys? Christian Preußer sprach mit Michael Ronellenfitsch, Datenschutzbeauftragter von Hessen, über Privatsphäre und Sicherheitslücken von Handys.

Herr Ronellenfitsch, wer kontrolliert in Deutschland, wessen Handy geknackt werden darf?

MICHAEL RONELLENFITSCH: Prinzipiell dürfen Handys nicht geknackt werden, wenn der Besitzer sie gegen unberechtigten Zugriff geschützt hat. Ausnahmsweise dürfen jedoch staatliche Stellen zu bestimmten Zwecken, etwa bei einer Strafverfolgung, auch auf Geräte der Betroffenen und die darauf gespeicherten Daten zugreifen. Dazu müssen besondere gesetzliche Befugnisse bestehen, die der richterlichen Kontrolle unterliegen.

Wie knacksicher sind unsere Handys?

RONELLENFITSCH: Dies kommt stets darauf an, wie gut der jeweilige Besitzer sein Gerät absichert. Moderne Smartphones bieten die Möglichkeit, die darauf befindlichen Daten zu verschlüsseln und sicher zu sperren. Diese Funktionen sind aber nicht immer ab Werk aktiviert und müssen von den Besitzern oft bewusst eingeschaltet werden. Dies bringt unter Umständen auch Einbußen beim Nutzungskomfort mit sich. Wie der aktuelle FBI-Apple-Fall zeigt, kann ein verschlüsseltes Handy mit einem sicheren Passwort selbst von einem staatlichen Geheimdienst nur schwer geknackt werden.

Kann ich sicher sein, dass nicht auch mein Handy ausgespäht wird?

RONELLENFITSCH: Einhundertprozentige Sicherheit, dass Daten auf einem Handy nicht abgegriffen werden können, die gibt es nicht. Kriminelle Hacker und staatliche Geheimdienste dürften technisch fast immer in der Lage sein, auch verschlüsselte Telekommunikation abzufangen und die Daten auf Geräten wie Computern oder Smartphones auszulesen – selbst dann, wenn diese verschlüsselt sind. Viel häufiger kommt es jedoch vor, dass die Nutzer ihre Daten aus Unwissenheit, Unvorsichtigkeit oder Unbedarftheit freiwillig preisgegeben.

Was weiß mein Handy über mich?

RONELLENFITSCH: Alles, was ich darin speichere. Alle Daten, die der Nutzer in das Handy eingibt und damit verwaltet, können theoretisch auch an Dritte gelangen. Zudem werden mit den Sensoren des Geräts weitere Daten erzeugt, wie etwa Daten über Telefonate, versendete Nachrichten oder Standorte. Je mehr Daten man mit dem Handy verarbeitet und je mehr Apps und Sensoren genutzt werden, desto mehr Daten fallen auch an.

Kann sich ein Technikkonzern in Deutschland gesetzlichen Anordnungen widersetzen?

RONELLENFITSCH: Grundsätzlich haben alle Konzerne und Personen die geltenden Gesetze zu beachten. Gegen behördliche und gerichtliche Anordnungen zur Durchsetzung der Gesetze kann sich jeder mit den entsprechenden Rechtsmitteln wehren. Wenn die entsprechenden Rechtsmittel erschöpft sind, kann die Anordnung mit staatlicher Gewalt vollstreckt werden.

Was können technisch nicht so versierte Menschen tun, um ihre Privatsphäre zu schützen?

RONELLENFITSCH: Die wichtigsten Punkte sind wohl das eigene Nutzungsverhalten zu hinterfragen und nicht erforderliche Datenverarbeitung zu vermeiden. Auch sollte das Gerät auf dem aktuellen Stand gehalten und durch ein Passwort geschützt werden. Auch bei Apps sollte man darauf achten, sie aus einer seriösen Quelle zu beziehen.

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