Finanzmarkt

Obskurer Hedgefonds bringt Großbanken in die Bredouille

  • Panagiotis Koutoumanos
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Credit Suisse und Nomura warnen vor Milliarden-Schäden

Frankfurt -Was haben sich zwei der weltweit größten Investment-Banken dabei gedacht, als sie es einem undurchsichtigen US-Hedgefonds ermöglichten, Milliarden-Schulden aufzunehmen? Das ist die Frage, die sich seit Montag viele Finanzmarkt-Akteure mit Blick auf die Schweizer Großbank Credit Suisse und die japanische Nomura stellen. Beide Geldhäuser warnten gestern vor milliardenschweren Schäden, nachdem dieser Hedgefonds nun offenkundig in eine finanzielle Schieflage geraten ist. Es sei noch zu früh, den exakten Verlust zu beziffern, teilte gestern Credit Suisse mit, "aber der Verlust könnte höchst bedeutsam und schwerwiegend für die Ergebnisse des ersten Quartals sein", hieß es. Aus dem Umkreis der Bank verlautete, dass der Verlust aus den Geschäften mit dem US-Hedgefonds drei bis vier Milliarden Dollar betragen könnte. Nomura berichtete von Schäden in Höhe von zwei Milliarden Dollar. Der Aktienkurs von Credit Suisse stürzte zeitweise um mehr als 14 Prozent ab, der von Nomura um 16,3 Prozent.

Beide Institute gaben den Namen des Hedgefonds' nicht bekannt. Aber nach übereinstimmenden Berichten von Finanz-Agenturen handelt es sich um die undurchsichtige Firma "Archegos Capital Management", die als sogenanntes Family Office im wesentlichen das Vermögen ihres Gründers Bill Hwang verwaltet. Der 52-Jährige musste 2012 einen Hedgefonds schließen und eine 44-Millionen-Dollar-Strafe wegen Insiderhandels zahlen. 2014 schloss ihn die Börsenaufsicht Hongkong sogar lebenslang vom Handel aus. Trotzdem haben ihm die "Prime Broker" von Credit Suisse und Nomura offenbar Wertpapiere im Milliardenwert geliehen, mit denen sich Hwang nun verzockt hat. Ende vergangener Woche waren die Kurse einiger Aktien aus den USA und China, die Archegos Capitol allem Anschein in sehr großer Zahl hielt, eingebrochen - allen voran der Kurs von Viacom CBC. Den darauf folgenden Nachschuss-Forderungen seiner "Prime Broker" konnte Archegos Capitol nicht nachkommen. Aufgrund dieses Zahlungsausfalls haben die Banken ihre entsprechenden Positionen zwangsweise verkaufen müssen - Positionen im Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar, wie es an den Börsen heißt. Panagiotis Koutoumanos

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