Der Opel Adam wird in einem Frankfurter Autohaus präsentiert.
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Der Opel Adam wird in einem Frankfurter Autohaus präsentiert.

Betriebsversammlung in Rüsselsheim überraschend vertagt

Opel: Klarheit am Montag?

Die Verhandlungen zwischen General Motors und PSA Peugeot Citroën über die Zukunft von Opel und Vauxhall sind offenbar auf der Zielgeraden. In Rüsselsheim wird am Montag ein Ergebnis erwartet. Letzter Konfliktpunkt sind offenbar die Pensionsansprüche der Opelaner.

Der Verkauf des Autoherstellers Opel vom Mutterkonzern General Motors (GM) an PSA Peugeot Citroën steht offenbar unmittelbar bevor. Dafür spricht, dass eine turnusmäßige Betriebsversammlung am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim am Freitagmorgen unterbrochen und überraschend auf den kommenden Montag vertagt wurde. Aus Unternehmenskreisen heißt es, dann könnte es Klarheit darüber geben, ob sich GM und der PSA-Konzern in ihren Übernahmeverhandlungen einigen konnten – und mit welchen Auswirkungen für den deutschen Autobauer, seine englische Schwestermarke Vauxhall und die Beschäftigten.

Für gut zwei Stunden ruhte am Freitagmorgen die Produktion in Rüsselsheim. Bis auf den letzten Platz waren die beiden riesigen Hallen gefüllt, die Opel auf seinem Werksgelände für Betriebsversammlungen bereithält. Einen Einblick in den Stand der Verhandlungen gab Opel-Chef Karl-Thomas Neumann bei seiner Ansprache vor den Mitarbeitern indes nicht. Zum Beispiel, dass laut Reuters-Informationen vor allem der Umgang mit Pensionsverpflichtungen für die Beschäftigten ein ungeklärter Streitpunkt zwischen GM und PSA ist. Hier gibt es offenbar ein Deckungsloch von acht bis zehn Milliarden Dollar.

Neumanns Dank

Neumann präsentierte stattdessen die schon bekannten Geschäftszahlen aus 2016, ein Minus von 241 Millionen Euro. Dabei wiederholte er vor den Opelanern, dass der Verlust aus seiner Sicht allein dem Brexit und dem Wertverlust des Pfundes zuzuschreiben sei. Rund 300 Millionen Euro an Mehrkosten hätten die beiden englischen Vauxhall-Werke für Zulieferprodukte aus dem Euro- und Dollar-Raum aufwenden müssen. Ohne diese Währungseffekte hätte es Opel, laut Neumann, nach 16 Jahren endlich wieder in die Gewinnzone geschafft. Als er dafür den Mitarbeitern explizit dankte, erntete der Opel-Chef sogar Applaus.

Bevor die Betriebsversammlung nach gut anderthalb Stunden vertagt wurde, kritisierte der Vorsitzende des Opel-Gesamtbetriebsrats, Wolfgang Schäfer-Klug, seine Kollegen – explizit auch die Betriebsräte – mit scharfen Worten. Wer angesichts der unklaren Situation seinem Frust öffentlich Luft mache, schade Opel damit. Seitdem am 15. Februar unerwartet die Verkaufspläne von GM öffentlich wurden, ist die Verunsicherung bei den mehr als 18 000 Mitarbeitern an den Standorten Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern groß. Branchenexperten rechnen bei einem Opel-Verkauf mit einem Abbau von mehreren Tausend Arbeitsplätzen, wenn die bis 2018 laufenden Beschäftigungsgarantien enden. Dennoch hatten sich manche Beschäftigte zuletzt auch optimistisch geäußert und Opel im PSA-Konzern eine bessere Zukunft prophezeit als unter dem Dach von GM.

Gerüchte

Zuletzt kursierten Gerüchte, wonach Opel unter französischer Führung zu einer reinen Elektroautomarke werden könnte. Die 7700 Mitarbeiter im Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim haben bereits an elektrischen Antriebstechniken für den „Ampera-e“ gearbeitet. Das Elektroauto soll in diesem Frühjahr vorgestellt werden. Die Patente dafür gehören wie bei den konventionellen Opel-Antrieben jedoch dem US-Mutterkonzern GM. Wenn die Amerikaner Opel im Rahmen des Verkaufs an PSA die Patente entziehen würde, könnte man in Rüsselsheim ab morgen nur noch Kaffee trinken, heißt es aus Unternehmenskreisen. Ein eher unwahrscheinliches Szenario. Allerdings knüpft GM die weitere Nutzung der Patente an die Bedingung, dass Opel zukünftig keine Autos in Südamerika, Russland und China verkaufe. Auch in dieser Frage könnte der Montag Aufschluss bringen.

Am Freitag gaben sich die Rüsselsheimer Opelaner am Werkstor ausnahmslos verschlossen. Sie selbst bekamen bei der Betriebsversammlung nicht die Gelegenheit, Vorstand oder Betriebsrat ihre Fragen zu stellen. Die plötzliche Vertagung spreche dafür, dass es am Montag etwas wichtiges Neues zu verkünden gebe, lautet eine Einschätzung aus Betriebsratskreisen. Für eine Unterbrechung hätte es sonst keinen Grund gegeben.

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