Zukunftspläne

Opel-Stromer bald lieferbar

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Opel steht vor entscheidenden Weichenstellungen für die Zukunft des Traditionsunternehmens. Dabei setzt der neue Vorstandschef auf die Karte „Strom“. Die Modelloffensive soll fortgesetzt, weitere Auslandsmärkte erobert werden.

2017 war für Opel das Jahr des Umbruchs und der größten Produktoffensive der Geschichte. Nie zuvor hat der Rüsselsheimer Autobauer in nur einem Jahr so viele neue Modelle auf den Markt gebracht. Als wegweisend gelten die beiden gemeinsam mit Peugeot entwickelten SUV-Fahrzeuge Crossland X und Grandland X. Mit der zweiten Generation des Flaggschiffes Insignia, der in Rüsselsheim vom Band läuft, sucht die Marke mit dem Blitz-Logo den Anschluss an die Premiumklasse herzustellen.

Mit dem elektrischen Ampera-e hat Opel die Weichen in Richtung Elektromobilität gestellt. Die Fachwelt war begeistert und verlieh dem Elektroauto das „Goldene Lenkrad“. Doch die Markteinführung des bei General Motors in den USA produzierten Stromers geriet in Deutschland zum Desaster. Die über den Atlantik verschifften Stückzahlen waren so gering, dass deutsche Kaufinteressenten komplett leer ausgingen. Beliefert wurde fast ausschließlich die Kundschaft in Norwegen, wo E-Autos schon einen großen Teil des Neuwagenmarktes erobert haben. Doch es gibt gute Nachrichten: „Der Ampera-e wird ab Januar 2018 wieder bestellbar sein“, kündigte Opel-Chef Michael Lohscheller im Automagazin „auto motor und sport“ an. Die ersten elektrischen Opel Ampera-e werden demnach bald auch in deutschen Autohäusern ausgeliefert werden können.

Im Konfigurator sind zwei Varianten des Ampera-e zu finden. Wer sich für das Einstiegsmodell „Plus“ zum Basispreis von 42 990 Euro interessiert, den vertröstet Opel allerdings auf das zweite Halbjahr 2018. Verfügbar ist offenbar zunächst nur die „Ultimate“-Version, die inklusive Ledersitzen, 17-Zoll-Leichtmetallrädern und Onstar 48 385 Euro kostet.

Lohscheller bekräftigte das Ziel, bis zum Jahr 2024 alle europäischen Pkw-Baureihen zu elektrifizieren, entweder mit reinem Batterieantrieb oder als Plug-in-Hybride. Bereits 2020 will Opel mit seiner britischen Schwestermarke Vauxhall vier elektrifizierte Modellreihen auf dem Markt haben. Dazu zählen der Ampera-e, der Grandland X PHEV sowie die nächste Corsa-Generation mit einer rein batteriegetriebenen Variante.

„Für Opel ist das Jahr 2018 wegweisend“, heißt es in der Firmenzentrale. Nach dem Zusammenschluss mit der französischen Groupe PSA gehe es vor allem darum, die Integration in den neuen Mutterkonzern schnell und konsequent voranzutreiben. Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg sei die Neuauflage des bereits gemeinsam mit Peugeot und Citroën entwickelten neuen Combo. Das Fahrzeug werde 2018 auf den Markt kommen und im Transporter-Bereich neue Impulse setzen, hoffen die Verkaufsstrategen im Adam-Opel-Haus. Das Verkaufsvolumen der Nutzfahrzeuge soll zwischen 2017 und 2020 um mehr als 25 Prozent steigen.

2018 ist zudem das erste volle Jahr, in dem die X-Familie von Opel – also die SUVs Mokka X, Crossland X und Grandland X – komplett verfügbar ist – teils mit neuen Motorenvarianten. Darüber hinaus werden die Hessen in diesem Jahr den sportlichen Corsa GSI auf den Markt bringen, der Insignia GSI ist bereits bestellbar und wird 2018 ausgeliefert.

Damit will Opel seine Produktoffensive nach dem Ausnahmejahr 2017 mit sieben neuen Modellen auch in diesem Jahr weiter fortsetzen. Bis 2020 sind insgesamt neun neue Modelle für den Marktstart vorgesehen.

Opel prüft als Teil der neuen Exportstrategie mit dem Mutterkonzern PSA die Lieferung von Elektroautos nach China. Nach Aussage von Opel-Chef Lohscheller sieht der Hersteller große Chancen, mit den neuen Elektroautos und Hybridfahrzeugen auch in China Marktanteile zu erobern. „Wir untersuchen auch die Chancen für China. Speziell die elektrifizierten Modelle könnten in China wegen der E-Quote interessant sein“, sagte Lohscheller. „Dennoch müssen wir zuerst hier in Europa unsere Hausaufgaben machen, bevor wir das Potenzial von Opel als deutsche Marke in Exportmärkten nutzen.“

Opel will zudem die Kosten seiner Autos durch geringere Komplexität senken und dabei die Zahl möglicher Varianten und Sonderausstattungen reduzieren. Das kündigte Lohscheller zum Jahresanfang an. „Wir streichen bei jedem Modell die Optionen, die von weniger als einem Prozent unserer Kunden ausgewählt werden. Das reduziert massiv die Komplexität und die Kosten“, so der Opel-Lenker. Das geschehe auch bei laufenden Modellen, „immer unter der Voraussetzung, dass die Nachfrage entsprechend gering ist“. Zugleich will Opel vor allem im Ausland nicht mehr vorrangig über den Preis verkaufen, sondern nach und nach das Preisniveau anziehen. „In der Vergangenheit haben wir im Ausland zu oft über die Preisschiene verkauft. Das werden wir uns sehr genau ansehen und dann Schritt für Schritt ändern.“

Von den Maßnahmen erhofft sich der defizitäre Autohersteller Opel rasch sinkende Kosten und höhere Profitabilität.

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