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Eine Kanzlei aus Panama hatte massenhaft Briefkastenfirmen eingerichtet.

Steueroasen

„Panama Papers“: Die Spuren nach Hessen

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Die „Panama Papers“ mit Daten zu über 200 000 Briefkastenfirmen haben für reichlich Wirbel gesorgt – nun steht die Datenbank unter https://offshoreleaks.icij.org/ online. Also machen wir gleich mal den Test.

Die „Panama Papers“ mit Daten zu über 200 000 Briefkastenfirmen haben für reichlich Wirbel gesorgt – nun steht die Datenbank unter online. Also machen wir gleich mal den Test. Zu Beginn der eigene Name – Fehlanzeige ... Logisch, wozu brauche ich bei meinem Gehalt ein Steuersparmodell. Und mein Chef? Immerhin drei Treffer, aber bei diesem Allerweltsnamen nicht klar zuzuordnen. Probieren wir es mit Hessen, „Hesse“ in der englischen Version. Da taucht als Suchergebnis immerhin eine Adresse im südhessischen Griesheim auf, zu der – als Inhaberin und Begünstigte einer Firma namens „Lotus Group Services“ – die Kleinunternehmerin Martina Szamel gehört, die T-Shirts mit Manga-Aufdrucken verkauft. Eher keine Skandal-Enthüllung, Frau Szamel versichert glaubhaft, sie wisse von nichts, es handle sich um die Firma ihres Ex-Mannes.

Keinen Treffer ergibt auch die Suche nach Peter Mossack, den Bruder des Gründers der Kanzlei Mossack Fonseca, die die fraglichen Briefkastenfirmen eingerichtet hat. Immerhin hat der Anwalt die Familienmitglieder – sein Bruder vertritt Panama als Honorarkonsul in Erzhausen – nicht mit reingezogen.

In Bad Homburg findet sich in der Datenbank eine Adresse in der Friedrichsdorfer Straße – mittlerweile ist dieses Haus laut Google-Suche zu vermieten. Ob die früheren Bewohner auf der Flucht sind vor der Steuerfahndung, werde ich wohl nie erfahren.

Ergiebiger ist das Ergebnis, wenn ich nach Frankfurt suche: neben alten Daten aus den „Offshore Leaks“ immerhin vier Briefkastenfirmen. Leider ist nicht ganz klar, ob sie nach unserem Frankfurt benannt sind – ein Link verweist beispielsweise auf Frankfurt, Südafrika, auch in den USA gibt es Orte dieses Namens. Relativ klar zuzuordnen ist immerhin die Firma Gertler Properties (London/Frankfurt) mit Sitz auf den britischen Jungferninseln. „Zak“ Gertler, Londoner Immobilientycoon Frankfurter Abstammung, könnte sicherlich solche Vehikel für Grundstücksfinanzierungen nutzen. Der Vater war der „Erfinder“ der Bürostadt Eschborn, der Familie gehört beispielsweise in der Stadt das Eckhaus Zeil/Hauptwache gegenüber dem Kaufhof.

Genannt wurde im Zusammenhang mit Immobilienfinanzierungen auch die Briefkastenfirma Alpine Investments aus Panama-Stadt, die nach Presseberichten hinter dem neuen Hotel am Opernplatz stehen soll; angeblich will ein unbekannter, vermutlich aus Russland stammender Beteiligter seine Identität „schützen“.

Viele Frankfurter Adressen erscheinen in kurios falscher Schreibweise, sind aber zu erkennen. In der Westendstraße taucht ein Mitarbeiter der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank auf, in der Walter-Kolb-Straße der Immobilienunternehmer Viktor von Stechow, in der Myliusstraße die Investment-Managerin Dana Schuppert aus Peking, in der Neuen Mainzer Straße das Hotel Innside Eurotheum.

Ein anderer Treffer verweist auf die Fraport AG, die laut der älteren „Offshore Leaks“ an einem Vehikel namens Nalingsford auf den britischen Jungferninseln beteiligt war, das vor Jahren zur Übernahme von Anteilen am russischen Flughafen St. Petersburg gedient hat. Alles längst bekannt.

Überraschender dagegen, dass das Landratsamt des Main-Taunus-Kreises aus Hofheim erscheint. Eventuell sei ein Dokument mit dem Briefkopf des Landratsamtes eingescannt worden, sagte Landrat Michael Cyriax der „Frankfurter Rundschau“. Genannt werden auch die Kreiskliniken in Bad Soden – hier immerhin konnte der frühere Chefarzt Nicolaus Reifart für Aufklärung sorgen, der einst Anteile an einem US-Medizinproduktehersteller gekauft hatte. Als Wiesbadener Adressen tauchen im Zusammenhang mit Offshore-Gesellschaften die HEC in der Taunusstraße auf, Inhaber Heidrun Eckes-Chantré und Kinder (Eckes-Granini, Rotkäppchen-Mumm), oder eine südamerikanische Beteiligungsgesellschaft des Laborausrüstungs-Herstellers Human Diagnostics Worldwide (Max-Planck-Ring).

Auch Hessens Finanzministerium will nun die im Internet zugänglichen Daten aus den „Panama Papers“ in Abstimmung mit dem Bund auswerten. Auf einige der Genannten dürften unangenehme Fragen zukommen.

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