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Bianca Kasper bei der Preiserfassung in einem Kaufhaus in Wiesbaden. Sie arbeitet als Preisermittlerin für das Statistische Landesamt Hessen.

Statistikbehörde

52 Preisermittler sind in Hessen unterwegs

Hunderttausende Einzelpreise erheben Preisermittler jeden Monat. Damit wird die Teuerungsrate in Deutschland berechnet. Dahinter steckt ein komplexes Verfahren.

Der Tag beginnt mit einer Preissenkung: Bianca Kasper steht in der Obstabteilung eines Supermarkts in Wiesbaden – vor ihr Tomaten aus den Niederlanden. Ein Kilogramm kostet 1,99 Euro. Im Auftrag des Hessischen Statistischen Landesamts macht Kasper jeden Monat einen Prüfgang durch 43 Geschäfte, Läden und Dienstleistungsbetriebe. Sie kontrolliert Obst, Gemüse, Spielwaren und Schulranzen, insgesamt 407 Produkte. Kasper ist Preisermittlerin. „Seit ich den Job mache, nehme ich Preise bewusster wahr“, sagt die 31-Jährige. Im April kosteten die Tomaten noch 2,99 Euro.

Was sie diesmal notiert an Teuerungen, Preissenkungen und Angeboten, geht ein in den Verbraucherpreisindex für Mai. Er zeigt Millionen Bundesbürgern an, ob das Leben in Deutschland teurer oder billiger geworden ist.

Bei den Tomaten gab es eine saftige Preissenkung von über 33 Prozent – allerdings mit geringem Einfluss auf den Verbraucherpreisindex. Denn über 300 000 Einzelpreise gehen laut dem Statistischen Landesamt jeden Monat in Deutschland in die Berechnung ein. In Hessen sind dafür 52 Preisermittler unterwegs, bundesweit mehrere Hundert.

„Es ist ein Bereich der Statistik, der sehr nahe an der Lebenswirklichkeit der Menschen ist“, sagt Landesamt-Referent Markus Stahl. Schließlich gehe jeder einkaufen. Die Daten der ausströmenden Preisermittler laufen in seinem Team zusammen: Er, sieben Frauen und zwei Männer prüfen sie auf Plausibilität: Gibt es ungewöhnliche Preissprünge? Gibt es Zahlendreher? „Bei so vielen Zahlen kommen Fehler schon mal vor. Erst wenn alle bereinigt sind, werden die Daten weiter verarbeitet“, sagt Stahl.

Um die Preise korrekt zu erheben, werden die Preisermittler fortlaufend geschult, erklärt er. „Den Job machen Jung und Alt – von der Studentin bis zum Rentner.“ Bianca Kasper ist eigentlich Personalerin. Seit zweieinhalb Jahren erhebt sie monatlich 407 Preise als Zuverdienst. Das dauere ungefähr 17 Stunden, sagt sie. Sie geht auf ihrem Rundgang nicht nur in den Supermarkt, sondern auch in ein Warenhaus, ein Kino und eine Änderungsschneiderei. In der Spielwarenabteilung beäugt Kasper das Preistäfelchen eines Brettspiels, das 19,99 Euro anzeigt. Ein Sonderangebot, also macht sie auf dem Smartphone ein Häkchen bei „PS“ – „Preis-Sonderangebot“. Bei den späteren Berechnungen wird das berücksichtigt, da es nur um eine vorübergehende Preissenkung geht.

Einen bleibenden Eindruck bei Konsumenten würden aber eher gestiegene Preise hinterlassen, erklärt Referent Stahl. Deswegen sei die „gefühlte Inflation“ oft höher als die statistisch berechnete. Dazu kommt: „Preisveränderungen bei Produkten, die man oft kauft, fallen bei der Wahrnehmung mehr ins Gewicht.“

Bei Kleidung sei die Erhebung schwieriger als bei Tomaten. „Die Mode wechselt ja ständig“, sagt Kasper. Sie mustert das T-Shirt. Wenn es aus dem Sortiment verschwindet, müsse sie ein gleichwertiges Ersatzprodukt finden, um die Preiserhebung lückenlos fortzuführen.

Die Daten von Bianca Kasper gehen außerdem an das europäische Statistikamt Eurostat.

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