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Firmengründer Ben Bruder zeigt seinen Fußball-Tracker und den dazu passenden Sportgürtel.

Start-up

Real Madrid schwört auf Frankfurter Fitness-Tracker

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Deutschland ist eine Fußballnation wie kaum eine andere. Das war der Ausgangspunkt für die Geschäftsidee von Benjamin Bruder bei der Gründung seines Start-ups „Tracktics“. Gemeinsam mit einem Partner hob er eine Firma aus der Taufe, die eine erschwingliche Tracker-Lösung für Fußballer liefert. Die Fitness-Daten werden im Training aufgezeichnet und können jederzeit analysiert werden. „Junge Kicker fühlen sich dann wie Messi oder Lewandowski“, sagt der Gründer.

Ein Entrepreneur im klassischen Sinn ist der Gründer und Inhaber eines Unternehmens, eine Persönlichkeit, die bereit ist, hohe Verantwortung und Risiko zu tragen. Der Entrepreneur gilt als willensstarke Persönlichkeit, der die Fähigkeit mitbringt, immer wieder neue Innovationen hervorzubringen. Mit einem solchen bin ich in Frankfurt-Bockenheim verabredet. Verkörpert er diese Maßstäbe?

Vor mir steht Benjamin Bruder: kahler Schädel, graumelierter Strickpullover, Adventure-Hose und Nike-Turnschuhe. Er lächelt mich verschmitzt an, feuert seinen Rucksack in eine Ecke des Büroflurs und streckt mir die Hand zur Begrüßung entgegen: „Hallo, Ben Bruder.“ „Aha,“ denke ich bei mir, „ein besonders cooler und sportlicher Typus eines Jungunternehmers, eines Firmengründers, der sich in der Erfolgsspur wähnt.“ Auf den ersten Blick wirkt er auf mich eher wie ein Fitness-Trainer, der sein Studio betritt, großen Elan mitbringt und mit extrem guter Laune seine Sportgruppe überzeugen will, jetzt gemeinsam im Training den inneren Schweinehund zu überwinden. Und dabei trotz schweißtreibender Übungen viel Spaß zu haben.

Ben Bruder ist natürlich kein Fitness-Trainer. Er ist Gründer und Chef von „Tracktics“, einem jungen Unternehmen, dass er 2014 gemeinsam mit seinem Schweizer Partner Patrick Haas ins Leben gerufen hat. Und Ben ist ein Anführer. Sein morgendliches Kommen ist keinem der etwa 20 Mitarbeiter in den Büros, wo telefoniert, verpackt, gebastelt und Mails gecheckt werden, entgangen. Er bringt eine natürliche Autorität mit – auf sympathische Art. Man spürt, dass allen bewusst ist: Auf ihn kommt es an. Er ist der Mannschaftskapitän, der Aufstellung und Taktik vorgibt. Er gibt sich als Teamplayer, packt selbst an, wo Not am Mann ist. „Kaffee? Milch? Zucker“, fragt er, geht in die kleine Küche und kommt mit zwei Pötten zurück.

Pedro, auf dessen Schreibtisch noch die Reste vom Asia-Food des Vortages grüßen, stellt seine Wasserflasche beiseite und kommt mit ausgestreckter Hand, breit grinsend, auf uns zu, als wir sein Büro betreten. Er ist Mexikaner. Wir reden englisch. Unser Thema: Die Gruppenauslosung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, die Deutschland und Mexiko zusammengeführt hat. Pedro ist bei Tracktics für Prozessabläufe zuständig, erklärt Ben. Doch aktuell kümmert er sich zusätzlich noch ums Marketing. Diese Position ist verwaist. Pedro hat eine Niederlage gegen das deutsche National-Team schon fest eingepreist. Er denkt bereits einen Schritt weiter, freut sich auf Brasilien als Achtelfinalgegner.

Fußball ist allgegenwärtig beim Start-up Tracktics. Nicht nur wegen des Trackers für Jugend- und Amateurfußballer, den Bruder und Haas gemeinsam entwickelt und auf den Markt gebracht haben. Das kleine Fitnessgerät hat den Firmenneuling Tracktics in die Schlagzeilen und die Erfolgsspur gebracht. Im seitlichen Flurtrakt, zwischen Europaletten und Wasserkästen, entdecke ich einen Miniatur-Kicker.

An der Wand hängt ein 50-Zoll-Flachbildschirm, unweit davon eine Playstation PS4 und etliche Controller zum Spielen. „Ja, ja“, sagt Bruder, inzwischen 32 Jahre, verschmitzt: „Das ist unsere Relax-Zone. Hier wird schon mal Fifa gezockt.“

Dass sich Ben Bruder mit seiner Firma auf dem Sportmarkt und dort im Fußball tummelt, ist kein Zufall. „Fußball ist mein Ein und Alles gewesen“, gesteht er. Aufgewachsen in Freiburg habe er „den größten Teil seiner Jugend auf dem Sportplatz verbracht. Später auch öfters auf der Südtribüne im Bundesliga-Stadion des SC Freiburg. Die ganz große Leidenschaft für den Fußball sei bis heute geblieben, sagt er. Sein Herz schlägt heute für den BVB. Er hat fürchterlich unter der Niederlagenserie seiner Schwarz-Gelben gelitten.

Die Verbindung nach Freiburg hat ihm aber auch als Unternehmensgründer bei der Suche nach Financiers geholfen: Die Freiburger Trainer-Legende Volker Finke gehört zum Club der Investoren, die an das Konzept von Bruder und Hass glauben und daher teils sechsstellige Beträge an Risikokapital zur Fortentwicklung des Start-ups zur Verfügung gestellt haben.

Etwa 3000 Tracker hat das Start-up bisher an den Mann gebracht. Für interessierte Einzelsportler, die ihre Trainingsleistungen kontrollieren und vergleichen wollen, hat Tracktics Geräte für knapp 130 Euro im Angebot. Doch vor allem die Teamboxen mit bis zu 20 einzelnen Trackern waren bisher gefragt. Damit wollen Bruder und Hass flächendeckend den Jugend- und Amateurfußballbereich versorgen. Denn die Proficlubs haben aufwendige medizinische Überwachung und Trainingskontrollen. Bisher waren Daten über die Laufdistanz und Sprints, über die Antrittsschnelligkeit oder die Position eines Spielers auf dem Spielfeld nur für sehr viel Geld zu haben.

Das war der Ausgangspunkt für Ben Bruders Geschäftsidee, die ihm bei einem Halbmarathon in Madrid in den Sinn kam: Eine erschwingliche Tracking-Lösung zur Trainingskontrolle und –steuerung für Amateurfußballer. Für die technische Umsetzung konnte er Patrick Hass gewinnen, einen Elektroingenieur mit Hang zum Unternehmertum.

Die Fußballschule von Real Madrid hat sich als prominentester Kunde für Tracktics entschieden. „Das war ein erster Meilenstein in der Vermarktung“, betont Bruder. Im Rhein-Main-Gebiet wurde die Jugendfußballabteilung in Königstein mit Trackers ausgerüstet, ebenso Fußballer in Ober-Roden und Hanau. Der nächste Schritt soll die Internationalisierung sein. Fußballbegeisterte Länder wie Frankreich, Italien, Spanien oder die Niederlanden stehen auf der Eroberungs-Agenda von Bruder und Haas.

Auch diese Expansion sei wieder mit großen Unsicherheiten verbunden, betont der Firmengründer. „Als Gründer und Unternehmer muss man eine große Portion Überzeugung und Durchhaltevermögen mitbringen.“ Weil immer wieder Dinge schief gehen können, gehöre Selbstdisziplin zu den wichtigsten Charaktereigenschaften. Und mit Blick auf sein Multi-Kulti-Personal hebt er hervor: Es ist ganz besonders wichtig, dass die tragenden Säulen unter den Mitarbeitern, „genauso ticken wie wir. Sie müssen ebenso positiv verrückt sein und besessen, etwas völlig Neues zu schaffen. Sonst funktioniert es nicht.“

Ben Bruder lebt das vor, was er von seinem Team erwartet. Das macht ihn zu einem echten Leader in seiner Firma. Hätte sein fußballerisches Talent zu einer Profi-Karriere ausgereicht, die Kapitänsbinde wäre ihm gewiss angetragen worden…

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