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Glaube und Geld ? passt das zusammen?

Christentum

Reiche müssen nicht in der Hölle schmoren

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Die Ökonomie hat das irdische Wohl im Auge, die Religion das ewige Heil. Die Wirtschaft baut auf den Trieb, reich, angesehen, gar mächtig zu werden; die Religion arbeitet an der Überwindung dieser Triebe. So gesehen, passen Christentum und Reichtum nicht zusammen. Tatsächlich sind beide miteinander vereinbar – das zeigt auch die Bibel.

Der vorweihnachtliche Stress neigt sich seinem Ende entgegen. Millionen und Milliarden von Euro haben die Deutschen ausgegeben. Und in den kommenden Tagen gilt es dann ja auch noch, all die Schlemmereien zu verzehren, die in den guten Stuben serviert werden. Doch gleichzeitig wird so manchen ein schlechtes Gewissen überkommen. Denn widerspricht der ganze Kommerz nicht dem Geist der Frohen Botschaft?

Konsum und Weihnachten, Reichtum und Glaube sind für viele Christen schwer in Einklang zu bringen. Und zumindest Katholiken unter ihnen mögen sich durch Papst Franziskus in ihrem Zweifel bestärkt sehen: Eine Kirche für die Armen zu sein, ist seit Beginn seines Pontifikats eine der zentralen Forderungen von Franziskus. Immer wieder prangert er den Gegensatz zwischen einem „unverschämten Reichtum“ und einer Ausbreitung der Armut an. Die gesellschaftliche Ungerechtigkeit sei „das kristallisierte Böse“, ist in seinem apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ zu lesen. Es entspringe einem „System“, in welchem die Armen zum Schweigen gebracht würden, während „die Wohlhabenden ihren Lebensstil seelenruhig weiterführen“ könnten. Das System habe keine Gesichter, ihre Träger seien unpersönlich, nur „einige wenige“, die den Markt „vergöttern“. Dieses System sei schuld, dass „es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht“.

Mit seiner Botschaft scheint Franziskus konsequenter denn je die christliche Tradition fortzuführen. Stellt sich doch schon das Alte Testament klar auf die Seite der Ausgegrenzten: Ausgerechnet die Israeliten stellt Gott unter seinen besonderen Schutz – ein Volk, das von den Ägyptern versklavt und von den Römern drangsaliert wurde und auf der Verliererseite stand. Jesus versprach den Armen das Himmelreich und predigte den Reichen: „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.“ Und jeder kennt die Worte, die Jesu bei einem Treffen mit einem reichen Jüngling sprach. Was er zur Gewinnung ewigen Lebens tun könne, fragt der junge Mann. „Verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben“, antwortet der Gottes-Sohn. Als der Jüngling nicht bereit ist, seine Güter wegzugeben, meint Jesus: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn dass ein Reicher in das Reich Gottes komme“ Bibelstellen, die eine ähnlich kritische Einstellung zum Reichtum andeuten gibt es viele. Sie führten dazu, dass Armut zeitweise verklärt wurde, Mönche sich beispielsweise in Bettelorden zusammenfanden. Franz von Assisi verbot seinen Anhängern, Geldstücke auch nur anzufassen.

Andererseits entwickelten sich in späteren Jahrhunderten Calvinisten und Pietisten, die heute noch in ihrem wirtschaftlichen Erfolg ein Zeichen göttlicher Gnade sehen – und sich dabei ebenfalls auf die Bibel berufen. Zum Beispiel auf das Gleichnis vom anvertrauten Geld: Darin gibt ein Reicher einem ersten Knecht fünf Talente Silbergeld, einem zweiten Knecht zwei Talente und einem dritten Knecht ein Talent. Mit diesem Geld sollen sie während einer langen Reise ihres Herrn wirtschaften. Der erste und der zweite Knecht verdoppeln durch kluge Anlage das Vermögen. Sie werden dafür von ihrem Herrn gelobt und belohnt. Der dritte Knecht bewahrte das Geld nur auf; er wird dafür getadelt und bestraft, indem er das Geld an den ersten Knecht abgeben muss: „Wer hat, dem wird gegeben, wer nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.“ Dem dritten Knecht wird sogar vorgehalten, er hätte das Geld zur Bank bringen und Zinsen dafür erhalten können

Dann also doch lieber versuchen, als reicher Mensch ins Paradies zu gelangen? Auf diese Frage kann es natürlich kein Ja oder Nein als Antwort geben. Schließlich ist Armut nicht durchgängig ein Sinnbild für Charakterschwäche, und Reichtum nicht durchgängig ein Synonym für Hartherzigkeit. Und mag geben auch seliger sein als nehmen – so setzt dies aber voraus, dass man etwas zu geben hat.

Das sieht auch Papst Franziskus so. „Reichtum an sich ist nichts Schlechtes“, betont das Kirchenoberhaupt. Es komme eben darauf an, wie er erworben und wie damit umgegangen werde. Arbeitgeber, welche die Not anderer Menschen nutzten, um keine angemessene Bezahlung und keine Sozialversicherung zu garantieren, scheut sich Franziskus nicht, als „Blutsauger“ anzuprangern. Der Papst mahnt eine neue „Haltung des Teilens“ an, um die Armut zu bekämpfen, die seiner Ansicht nach „die Frucht moralischen Elends, der Habgier von wenigen und einer allgemein verbreiteten Gleichgültigkeit ist“.

All das, was auch und besonders in einer Finanzmetropole wie Frankfurt täglich zu beobachten ist, wo das Gefälle zwischen Arm und Reich stetig größer wird. Wo gutsituierte Bürger in der noblen Goethestraße für tausende Euro Kleidung teurer Designer-Labels kaufen, aber den dort bettelnden Obdachlosen nicht mal einen Euro gönnen – schlimmer noch: Ihnen in Mimik, Gesten und Worten ihre Verachtung entgegenschleudern.

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