Zukunftsatlas lobt Wirtschaftskraft

Rhein-Main ist vorne dabei

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Der Zukunftsatlas des Prognos-Instituts untersucht alle drei Jahre, wie gut deutsche Regionen für kommende Herausforderungen gerüstet sind. Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet müssen sich demnach keine Sorgen machen.

Die Zukunft kann kommen: Glaubt man dem gestern veröffentlichten Zukunftsatlas 2016, dann sind die Weichen in Rhein-Main, Darmstadt und Frankfurt für die nächsten Jahre gestellt. In der Region gibt es viel Wettbewerb und Innovation, viel Geld und einen beachtlichen Bevölkerungszustrom. Selbst die Digitalisierung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt ist hier laut Zukunftsatlas so weit fortgeschritten wie nur in wenigen anderen deutschen Städten und Kommunen. All das sind Indikatoren für eine gute Zukunftsperspektive. Kein Wunder also, dass Darmstadt, Frankfurt, der Main-Taunus- und der Hochtaunuskreis zu den Top 20 aller deutschen Städte und Landkreise zählen.

Alle drei Jahre bewertet das schweizerische Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos die Zukunftsfähigkeit der 402 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Verschiedene Wirtschaftsdaten werden da unter die Lupe genommen, wie etwa die Bruttowertschöpfung, der Anteil der Sozialhilfeempfänger, die Patentanmeldungen, die demografische Entwicklung oder die Kriminalitätsrate. Aus diesen Werten heraus erstellen die Prognos-Experten seit 2004 eine Liste, die sie Zukunftsatlas nennen und die einen Überblick über die Wirtschaftsstärke der Städte und Landkreise gibt.

Am Gesamtergebnis der Analyse hat sich seit 2004 relativ wenig geändert. Deutschland bleibt im Hinblick auf seine Wirtschaftskraft ein geteiltes Land: Der Süden, insbesondere München und Ingolstadt, wird immer stärker und der Rest hinkt hinterher, der Osten scheint mancherorts gar abgeschlagen. Hessischer Spitzenreiter ist Darmstadt (Rang 9), dicht gefolgt von Frankfurt. „Darmstadt hat einen höheren Anteil an jungen Menschen, mehr Hochqualifizierte und eine etwas geringere Arbeitslosenquote als Frankfurt“, sagt Projektleiter Peter Kaiser. Besonders rosige Zukunftschancen haben laut Prognos der Main-Taunus-Kreis (Rang 13) und der Hochtaunuskreis (Rang 15). Zwar leben hier vergleichsweise viele ältere Menschen, doch sind Wirtschaftskraft und Wohlstand sehr hoch. Der Kreis Groß-Gerau (Rang 58) kann immerhin mit Innovationen punkten, Main-Kinzig-Kreis (Rang 118), Wetteraukreis (Rang 151) und Rheingau-Taunus-Kreis (Rang 165) mit einem gewissen Wohlstand. Der Landkreis Limburg-Weilburg (Rang 204) hat wenige Patentanmeldungen und Industrieinvestitionen zu bieten.

Hohe Chancen sieht die Prognos-Studie für die Stadt Wiesbaden (Rang 48) und den Kreis Offenbach (Rang 57). In Offenbach leben viele junge Menschen, in Wiesbaden gibt es viele Innovationen. Schlusslichter in Hessen sind die Stadt Offenbach (Rang 238) und der Odenwaldkreis (Rang 315). Dort schrumpft die Bevölkerung, auch gibt es hier so gut wie keine neuen Firmengründungen.

Insgesamt zählt Hessen neben Bayern und Baden-Württemberg laut Studie zu den wirtschaftsstarken Bundesländern mit sehr hohen Zukunftschancen.

Besonderes Augenmerk legt die Studie auf die Digitalisierung. Laut den Wirtschaftsforschern haben die Wertschöpfungsaktivitäten im Internet in den vergangenen Jahren immens an Bedeutung gewonnen. Die Digitalisierung hat sich zu einem entscheidenden Standortfaktor entwickelt – in Regionen und Städten, die in die Digitalisierung investieren, lassen sich zunehmend mehr Firmen nieder.

Auch hier ist München unangefochtener Spitzenreiter, doch schon an zweiter Position folgt das Rhein-Main-Gebiet (Main-Taunus-Kreis, Frankfurt, Darmstadt und Hochtaunuskreis). Mit Wiesbaden, Mainz, Groß-Gerau, Stadt und Kreis Offenbach haben es fünf weitere Kommunen unter die Top 20 der digitalen Vorreiter des Bundes geschafft. Verschiedene Faktoren kommen hier zusammen: ein dynamischer Arbeitsmarkt für digitale Impulsgeber, eine hohe Gründungsrate von IT-Unternehmen und eine hohe Dichte an bestehenden IT-Berufen, dazu zählen etwa Informatiker, Designer oder Ingenieure in der Automatisierungstechnik. Im Kreis Limburg-Weilburg und im Kreis Vogelsberg sehen die Experten großen Nachholbedarf: Es sind die einzigen beiden Landkreise in der Rhein-Main-Region, die in ihrem Digitalisierungsprozess auf dem niedrigen Niveau von Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt liegen.

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