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Richard Branson schießt Virgin Orbit an die Börse

  • Panagiotis Koutoumanos
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Start-up erhält astronomische Bewertung

Frankfurt -Bei Weltraum-Start-ups scheinen die Firmen-Bewertungen nicht von dieser Welt zu sein. Da bildet das Raumfahrt-Unternehmen Virgin Orbit des Briten Richard Branson keine Ausnahme. Wie nun bekannt geworden ist, soll Virgin Orbit an die US-Technologiebörse Nasdaq gehen -, indem es auf den Spac "NextGen Acquisition II" eines ehemaligen Goldman-Sachs-Bankers verschmolzen wird. Dabei wird Virgin Orbit mit 3,2 Milliarden Dollar bewertet. Eine astronomische Summe, wenn man bedenkt, dass sie dem 213-fachen des Umsatzes entspricht, dass das Start-up für dieses Jahr avisiert. Noch vor zehn Monaten beanspruchte es eine Marktbewertung von knapp einer Milliarde Dollar. Eher annehmbar erscheinen die 3,2 Milliarden Dollar als das 2,1-Fache des Umsatzes, den das Unternehmen für 2025 anstrebt. Ob es dazu kommt, steht allerdings in den Sternen.

Der Deal bringt Virgin Orbit 483 Millionen Dollar ein: 383 Millionen Dollar, die in der bislang leeren Börsenhülle Nextgen enthalten sind, sowie 100 Millionen Dollar aus einer weiteren Finanzierungsrunde unter der Ägide von Boeing und des Raumfahrt-Investors AE Industrial Partners.

Nach dem Deal wird Bransons Virgin Group noch rund 68 Prozent an Virgin Orbit halten. Auf den Staatsfonds von Abu Dhabi, die Mubadala Investment Company, entfallen dann circa 17 Prozent.

In diesem Jahr ist bereits das US-Weltraum-Unternehmen Planet Labs aus San Francisco mittels eines Spac an die Börse gebracht worden. Diese "Special Purpose Acquisition Companies" sind 2020 in den USA sehr in Mode gekommen. Die leeren Firmenhüllen werden meist von bekannten Managern oder Investoren aufgelegt und an die Börse gebracht. Ihr Ziel ist es, ein operativ tätiges Unternehmen zu übernehmen und diesem dadurch zu einer Börsennotiz zu verhelfen. Da die Zeichner von Spac-Anteilen zunächst nicht wissen, wer das Übernahmeziel sein wird, werden Spacs auch als "Blankoscheck-Firmen" bezeichnet.

Gegründet wurde Virgin Orbit im Jahr 2017 als Spin-off von Bransons Virgin Galactic, das den Raumfahrt-Tourismus etablieren will. Virgin Orbit ist hingegen auf die Beförderung von Kleinsatelliten ins All spezialisiert und will die entsprechenden Transportkosten über den Gebrauch eines mehrfach benutzbaren Raketen-Typs senken. Als mobile Plattform nutzt das Unternehmen eine modifizierte Boeing 747. Nachdem das Flugzeug Virgins "Launcher-One"-Rakete in die obere Erdatomsphäre geflogen hat, wird diese ins All geschossen. Sie trägt mehrere kleinere, rund 300 Kilogramm schwere Satelliten. Sechs Starts sind für dieses Jahr geplant. Bislang hat Virgin Orbit einige Satelliten für die US-Raumfahrtbehörde Nasa ins All befördert.

panagiotis koutoumanos

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