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Lars Reiner (li.), Gründer und CEO von Ginmon, spricht mit seinen Mitarbeitern über die Entwicklung des Fintechs.

Kostengünstig Investitionen streuen

Ein Roboter für die Altersvorsorge

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Der Gründer des Fintechs Ginmon ist sich sicher, für die Altersvorsorge der Deutschen ein besseres Angebot zu haben als alle Filialbanken.

Schon als Student der Betriebswirtschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt hat sich Lars Reiner mit Fragen der Geldanlage befasst. Als Vorstand des „Goethe Investment Fund“ verfasste er Konzepte, wie man einen Teil des Stiftungsvermögens der Hochschule nach wissenschaftlichen Kriterien anlegen könnte. Nach seinem Bachelor-Abschluss ging er 2011 als Investmentbanker zur Deutschen Bank, arbeitete dort in der Strategieabteilung. Doch mehr und mehr war er der Meinung, dass all die Produkte, die das Institut Endkunden anbietet, nur eingeschränkt für die Altersvorsorge geeignet seien. „Bei jeder Filialbank – egal welcher – verliert der Anleger massiv Rendite durch die hohen Kosten von Investmentfonds“, sagt Reiner.

Investitionen in Einzelaktien gelten für Privatanleger als riskant, da sie nur bei sehr hohen Vermögen in der Lage sind, ihre Käufe ausreichend zu streuen. Fonds gelten für langfristig ausgelegtes Sparen als Vehikel der Wahl – doch die Kosten für Ausgabeaufschläge und jährliche Verwaltungsgebühren fressen einen Teil der Renditen auf. Dieses Problem verschärft sich (vor allem bei Renten- und Mischfonds), je niedriger in der aktuellen Nullzinsphase die Renditen ausfallen.

Reiner: „Obendrein schafft es kaum ein Fondsmanager, den Markt zu schlagen. Im Gegenteil, in der Regel performen sie unter.“ Sich als Anleger an Ranglisten besonders erfolgreicher Investoren zu orientieren, sei ebenfalls wenig hilfreich. Denn über den Erfolg in der Zukunft sagen solche Rankings nichts aus. Folglich nutzen die meisten Sparer den Kapitalmarkt überhaupt nicht und setzen stattdessen auf Tages- oder Festgeld – doch die Renditen tendieren gegen null. Dass die Deutschen so viel Geld sparen und ihnen dennoch im Alter Armut drohe, sei eine „Schande“, so Reiner: „Wir sind weit davon entfernt, mit aktuell erhältlichen Bankprodukten die Altersvorsorge-Problematik lösen zu können.“

Reiner zog die Konsequenzen und verließ Ende 2014 die Bank. Anschließend gründete er sein eigenes Start-up: Ginmon. Das Startkapital, „einen guten sechsstelligen Betrag“, besorgte er sich bei Privatinvestoren und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Hessen.

Fintechs wie Ginmon, die mit IT ins Bankgeschäft drängen, sind aktuell schwer in Mode und ziehen massiv Kapital an. 2015 wurden weltweit 22,3 Milliarden Dollar in solche Start-ups investiert, 38 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor; im ersten Quartal des laufenden Jahres stieg die Summe zum Vorquartal erneut um fast 85 Prozent auf 5,7 Milliarden. In Deutschland verzehnfachte sich die Investitionssumme zwischen Januar und März 2016 von 10,1 Millionen auf 106,6 Millionen Dollar, so eine Studie von KPMG und CB Insights.

Aktuell beschäftigt der Existenzgründer 15 Mitarbeiter, zum Jahresende sollen es mehr als 20 sein. Noch sitzt Ginmon in den Räumen des von der Commerzbank unterstützten Main Incubator. Demnächst will der CEO umziehen und sich vergrößern – denn er hat bereits erste Erfolge vorzuweisen. Ginmon konnte im laufenden Jahr eine Finanzierungsrunde erfolgreich abschließen und dabei einen internationalen Kapitalgeber (Passion Capital, London) überzeugen, sich mit einem Anteil von 18 Prozent zu beteiligen – in der Branche gilt das als Ritterschlag. Das Unternehmen setzt auf börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs, die in der Regel einen Börsenindex exakt nachbilden, zum Beispiel den Dax. Ein sogenannter Robo-Advisor, also quasi ein Computer als Anlageberater, verteilt das Geld des Kunden auf ein global gestreutes Portfolio aus ETFs. Dabei versucht Ginmon kostengünstige und risikoarme ETFs auszuwählen. Das Depot führt am Ende die Partnerbank DAB, wobei weder Ginmon noch andere Zugriff auf das Geld des Anlegers haben; es wäre auch bei einer Insolvenz sicher. Der Anleger setzt also nicht alles auf den Dax, sondern streut das Risiko, indem er weltweit (auch in Schwellenländer) und in relativ kleine oder unterbewertete Unternehmen investiert. Persönliche Lebenssituation und Risikoneigung werden berücksichtigt. Und das zu Gebühren ab 0,39 Prozent pro Jahr.

Man wolle nicht schlauer sein als der Markt, so Reiner, „sondern wir arbeiten mit der Effizienz der Märkte“. Stattdessen konzentriere man sich auf die „Asset allocation“, also die Wahl der geeigneten Anlageziele, und halte diese konsequent durch. Verlieren beispielsweise chinesische Aktien stark an Wert, kauft Ginmon nach, damit der angestrebte Anteil am Portfolio konstant bleibt. Auch optimiere man den Nachsteuer-Ertrag, indem Freibeträge vollständig genutzt werden. Ginmon hat bereits eine vierstellige Zahl von Kunden gewonnen, die im Einzelfall siebenstellige Beträge investiert haben. „Die Nachfrage nach Lösungen wie unserer war extrem hoch.“ Reiner ist sicher, dass er es schaffen wird, denn auch Banken würden vermehrt darauf setzen: „Deren veraltete Technologie ist mittlerweile extrem fehleranfällig. Wir dagegen durften von vorn anfangen.“ Bis etwa 2020 will Reiner allein im Privatkundengeschäft auf ein verwaltetes Vermögen von mehr als einer Milliarde Euro kommen. Zusätzlich verhandelt er mit Banken, die seine Lösung ihren Kunden anbieten wollen: „Die Chancen stehen sehr gut.“

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