Mann sitzt an der S-Bahn-Haltestelle der Opelwerke
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Opel-Konzern will Teile seines Firmengeländes verkaufen

Insider packen aus

Opel verkauft Teile des Firmengeländes in Rüsselsheim - und die Stadt fällt aus allen Wolken

  • Olaf Kern
    vonOlaf Kern
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Und dann war der Verkauf der Flächen auf dem Opel-Gelände doch eine Überraschung - zumindest für die Stadt Rüsselsheim. Die hat offenbar von den Plänen des größten Arbeitgebers in der Region nichts gewusst.

+++ 20.19 Uhr: Der wichtigste Arbeitgeber in der Region will Teile seines Geländes verkaufen und die Stadt Rüsselsheim fällt aus allen Wolken. Sie will von den Plänen des Autokonzerns nichts gewusst haben.

Die Stadt Rüsselsheim ist mehr als verwundert: Denn erst durch Medienanfragen hat sie über die offensichtlich schon weit gediehenen und konkreten Verkaufsplanung seitens Opel erfahren. Gerade erst wenige Tage zurückliegenden Gespräche mit Vertretern des Unternehmens wären dabei eine gute Gelegenheit gewesen, die Stadt in diese Überlegungen miteinzubeziehen.

Besonders der im Raum stehende Verkauf des Adam-Opel-Hauses bereitet der Stadt Sorge. Ein möglicher Verkauf der Unternehmenszentrale ist in seiner symbolischen Aussage enorm - sowohl in Richtung Belegschaft wie auch für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Die Stadt weiß nicht, ob dahinter das Modell „sale and lease back“ steht oder ob damit ein weiterer Arbeitsplatzabbau in der Unternehmensverwaltung verbunden ist.

Gerade vor dem Hintergrund, dass die Planungen schon sehr weit fortgeschritten sein könnten und diese weitreichende Konsequenzen für die Menschen dieser Stadt hätten, fordert daher Rüsselsheims Oberbürgermeister Udo Bausch: „Wir brauchen umgehend ein klärendes und offenes Gespräch mit dem Opel-Vorstand“.

Erstmeldung, 20.08.2020, 18 Uhr: Rüsselsheim – Dass es Flächen auf dem Opel-Werksgelände gibt, die nicht mehr genutzt werden und früher oder später einmal zum Verkauf angeboten werden, war schon lange immer wieder im Gespräch. Wirklich überrascht hat die Meldung von gestern daher in der Stadt nicht wirklich jemanden. Wo man auch hinhörte, lautete der Kommentar bald gleichlautend: Diese Entwicklung war abzusehen.

Opel in Rüsselsheim: Standort wird verkleinert

Der Autobauer will weitere Teile seines   Werksgelände am Stammsitz Rüsselsheim verkaufen, hieß es gestern. Spannend wäre gewesen zu erfahren, um welche Teile des Geländes es sich denn dabei handelt. Einem Bericht der „Wirtschaftswoche “ zufolge sollen neben Parkplatzflächen und einem größeren Gelände am Fluss (M-Gelände) auch die Verwaltungszentrale, das Adam-Opel-Haus, zur Disposition stehen.

Es soll auch bereits Teams geben, die für die Umsetzung zuständig sind. Das bestätigten mehrere Insider der „Wirtschaftswoche“. Doch Konkretes war von der Opel-Unternehmensführung nicht zu erfahren. Opel sagte, dass es das Ziel des Unternehmens sei, „eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Aufstellung an allen unseren Standorten“ zu erreichen. „Dazu gehört es auch, die Flächennutzung weiter zu optimieren“, bestätigte ein Sprecher.

Das Gelände am Standort Rüsselsheim sei – auch im Vergleich zu anderen Automobilwerken – „überproportional groß: Noch vor drei Jahren war unser Werksgelände größer als das Fürstentum Monaco“. Das Ziel sei es jetzt, „Flächen zu komprimieren und uns von nicht mehr benötigten Bereichen zu trennen“. Entscheidend aber der Satz: „Konkrete Entscheidungen wurden noch nicht getroffen.“

Opel in Rüsselsheim: Gespräche mit der Stadt

Opel bestätigte auch Gespräche mit der Stadt Rüsselsheim. Man stehe „in einem engen Austausch mit der Stadt Rüsselsheim und dem Sozialpartner, um die erfolgreiche Entwicklung des Standorts gemeinsam zu gestalten“. Wie weit man bei diesen Gesprächen ist, dazu war vonseiten der Stadt dazu gestern auf Nachfrage wenig zu erfahren.

Stadtrat und Baudezernent Nils Kraft, der das Baudezernat leitet, wurde in Medien zitiert mit den Worten: „Auf Grund von Teilverkäufen seines Werksgeländes an Ikea und Segula Technologies, ist nicht auszuschließen, dass perspektivisch weitere Flächen seitens Opel veräußert werden könnten. Um für diesen Fall städteplanerisch gut aufgestellt zu sein, befindet sich die Stadt Rüsselsheim mit Opel im Gespräch, wie gemeinsame Entwicklungsziele erarbeitet werden könnten.“ Dies hatte Kraft allerdings so auch schon vor den Rüsselsheimer Stadtverordneten in der Sitzung vor der Sommerpause gesagt.

Ab 1898 begann die Familie Opel in Rüsselsheim mit der Produktion von Automobilen – und stieg binnen Jahrzehnten zu einem der größten Autohersteller in Deutschland auf. Opel steckt seit der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern im Sommer 2017 in einer umfassenden Restrukturierung. Derzeit sind noch etwa 30 000 Mitarbeiter bei Opel beschäftigt, Tendenz sinkend. Zuletzt wurde bekannt, dass mit Aufgabe der Getriebefertigung weitere Gebäude direkt am Main frei werden.

Eine Chance für Rüsselsheim?

Überrascht zeigte sich von der Meldung gestern auch nicht WsR-Chef Joachim Walczuch. „Opel wird weniger Flächen brauchen, das ist klar“, sagte Walczuch gegenüber dem Echo. Nicht zuletzt deshalb habe die WsR-Fraktion bereits vor einiger Zeit einen Antrag auf einen Ideenwettbewerb für frei werdende Opel-Flächen gestellt. Wichtig sei es, nun schnell weitere Gespräche mit Opel voranzutreiben, damit Rechts- und Planungssicherheit für beide Seiten bestehe, so Walczuch.

Als „Chance“ und „spannend für Rüsselsheim“ schätzt auch Stephan Bernhardt, CDU-Vorsitzender in Rüsselsheim, die Situation ein. Natürlich bedeute ein Verkauf von weitern Flächen auch immer ein schlechtes Zeichen für das Unternehmen Opel, so Bernhardt, ein wenig überrascht sei er höchstens über die Ankündigung über einen möglichen Verkauf der Adam-Opel-Zentrale.

Hier könnte ein Sale-and-lease-back-Modell schnelle Einnahmen bringen, ohne dass die Mitarbeiter umziehen müssten. Bei einer solchen Finanzierungsform wird ein Objekt an eine Leasinggesellschaft verkauft und anschließend zurückgeleast. Ein Unternehmen erhält so schnell liquide Mittel und kann dennoch das Objekt weiter nutzen.

Etwas weiter geht da Frank Tollkühn, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender. Man müsse sich vor Augen alten, was für ein Signal es an die Mitarbeiter bedeuten würde, wenn ausgerechnet die Zentrale verkauft werden würde. Das sei bedenklich, so Tollkühn,wenn dies sich wirklich eines Tages bestätigten sollte. Gleichwohl plädiert er auch dafür, gemeinsam von seiten der Stadt mit Opel weitere Gespräch zu führen, um frei werdende Flächen sinnvoll in Zukunft nutzen zu können. Und damit nicht wieder so eine Sache wie mit Ikea passiere.

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