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Mitarbeiter montieren im Stammwerk Rüsselsheim Leitungen am Unterboden eines Opel Astra

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Produktion im Stammwerk in Rüsselsheim soll halbiert werden

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Beim Autobauer Opel sollen in diesem Jahr deutlich weniger Wagen vom Band laufen. Dies ist die jüngste von mehreren Hiobsbotschaften, seit der französische PSA-Konzern bei den Rüsselsheimern das Sagen hat. Politiker finden dafür klare Worte.

Rüsselsheim - Der Autobauer Opel will die Produktion im Rüsselsheimer Stammwerk fast halbieren. Das zumindest soll Medienberichten zufolge aus einem Schreiben der IG Metall an die Mitarbeiter hervorgehen. Demnach wird in diesem Jahr nur noch mit 68 000 statt 123 000 Autos geplant.

Offen ist, ob sich der Rückgang auch auf die Zahl der Arbeitsplätze auswirkt. Das unter der neuen Mutter PSA im Umbruch befindliche Unternehmen hatte ursprünglich zugesagt, bei der Sanierung auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Nach Informationen dieser Zeitung hat die Geschäftsleitung noch keinen Antrag beim Betriebsrat gestellt, den Dienstplan aufgrund einer etwaigen Drosselung der Produktion anzupassen.

Etwa 3000 Menschen sind im Stammwerk für die Produktion zuständig. Die Arbeiter montieren die Modelle Insignia und Zafira. Bei letzterem handelt es sich um ein Auslaufmodell, dessen Nachfolger in Großbritannien hergestellt wird. Welcher Wagen künftig in Rüsselsheim vom Band läuft, will Opel im Laufe des Jahres bekanntgeben.

Auslastung der Opel-Werke verbessern

Um die Auslastung der Werke zu verbessern, setze man auf die Fertigung „profitabler Modelle auf Plattformen der Groupe PSA“, heißt es in einer Stellungnahme vom Donnerstag. Die Produktion werde kontinuierlich angepasst. Diese Strategie sei auch vor dem Hintergrund der Konzentration auf profitable Vertriebskanäle zu sehen. Zu Details der internen Planung äußere man sich generell nicht öffentlich. Im Gespräch mit dieser Zeitung ergänzte ein Sprecher lediglich: „Wir wollen keine Autos auf Halde bauen.“ Den Erfolg der neuen Vertriebspolitik belegten laut Stellungnahme die Halbjahreszahlen. In den ersten sechs Monaten 2018 hätten Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall einen operativen Gewinn von mehr als 500 Millionen Euro erzielt. Dabei handele es sich um das beste Ergebnis seit Jahrzehnten.

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Ungeachtet dessen zieht PSA die Sparschrauben bei Opel in nahezu allen Bereichen an. Im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum sollen 2000 von 7000 Jobs zum Dienstleister Segula ausgelagert werden. Die Zahl der Ausbildungsanfänger bei Opel wurde im vergangenen Jahr halbiert.

Für die Landtagsabgeordnete Christiane Böhm (Linke) aus dem Kreis Groß-Gerau wiegt dies noch schwerer als der Rückgang bei der Produktion. „Das ist ein ungehöriger Einbruch für die Region, weil damit künftige Arbeitsplätze wegfallen“, kommentierte sie. Der Autobranche insgesamt wirft sie vor, zu wenig vorausschauend zu handeln.

Der Bundestagsabgeordnete Stefan Sauer (CDU), in dessen Wahlkreis Rüsselsheim sich befindet, kritisierte die Kommunikation bei Opel. Mit Blick auf die Produktion forderte Sauer Klarheit: „Im Stammwerk brauchen wir zwei Modelle.“ Es gelte, Opel als Ganzes zu betrachten. Dazu gehöre neben der Produktion auch das Entwicklungszentrum. Veränderungen in diesen Bereichen hätten wiederum Auswirkungen auf die Verwaltung.

Automarkt im Umbruch

Ein „Weiter so“ dürfe es jedenfalls nicht geben. Denn der Markt befinde sich im Umbruch. Dass Opel allein durch das angekündigte Anbieten aller Modelle in einer Elektro-Variante besteht, könne er sich nicht vorstellen. Viele Fragen seien offen und die verzögerte Informationspolitik für die Betroffenen „nicht schön“.

Auch Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht die Chancen der Rüsselsheimer Modelle für die nahe Zukunft nicht rosig. Das Segment des Reisewagens Insignia sei derzeit wegen des SUV-Booms weniger gefragt, weitere Unsicherheiten brächten die nachlassende Konjunktur in Europa und der bevorstehende Ausstieg der Briten aus der EU. Großbritannien war in der Vergangenheit der größte Einzelmarkt für Opel mit der Schwestermarke Vauxhall. Aus seiner Sicht werde Opel weitere Marktanteile verlieren, sagte Dudenhöffer. Eine Trendwende könnten möglicherweise clevere Elektroautos bringen.

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