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Schwälbchen schwächelt

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Schwälbchen-Vorstandschef Günter Berz-List steht vor der Molkerei in Bad Schwalbach.
Schwälbchen-Vorstandschef Günter Berz-List steht vor der Molkerei in Bad Schwalbach. © Arne Dedert (dpa)

Die Zeiten für Milchbauern, aber auch für die Molkereien sind schwierig. Das bekommt auch die Schwälbchen AG zu spüren. Auch 2017 wird die unsichere Lage anhalten.

Die Krise auf dem Milchmarkt macht auch der hessischen Molkerei Schwälbchen zu schaffen. Das 1938 gegründete Unternehmen aus Bad Schwalbach (Rheingau-Taunus-Kreis) muss in diesem Jahr voraussichtlich einen Rückgang des Konzernumsatzes von etwa 3,5 Prozent hinnehmen, wie Vorstandschef Günter Berz-List in Bad Schwalbach sagte. „Wir hatten 2016 branchenweit ein schwieriges Jahr“, erklärte er. „Zudem war die Witterung schlechter als im langen und warmen Sommer 2015.“

Wegen der seit zwei Jahren anhaltenden Milchmarkt-Krise zeigte sich der Vorstandschef mit dem Geschäftsergebnis aber zufrieden. Schwälbchen als regionales Unternehmen achte darauf, seine Milchbauern möglichst fair zu bezahlen. „Für uns ist wichtig, dass es in Hessen zu keinem Höfesterben aufgrund zu geringer Milcherzeugerpreise kommt“, sagte Berz-List. Aber im Taunus oder um Frankfurt gebe es schon lange keine Milchbauern mehr. Die Bauern, die Schwälbchen beliefern, kämen aus dem Vogelsberg, dem Odenwald oder Schwalm-Eder. Und auch deren Zahl sei zurückgegangen: Holte Schwälbchen seine Milch vor 15 Jahren noch bei 800 Landwirten ab, seien es heute nur noch 350 – während sich die Milchmenge kaum verändert habe.

Berz-List zufolge ist die Milchverarbeitung der Molkerei in diesem Jahr um etwa 1,4 Prozent auf rund 134 Millionen Kilogramm gesunken. 99 Prozent der verarbeiteten Milch stamme von eigenen Vertragslandwirten. Wegen des Milch-Preisverfalls sinke der Umsatz im Konzernsegment Molkerei um etwa acht Prozent auf geschätzte 84 Millionen Euro. Der Umsatz des zweiten Konzernsegments „Großhandel-Frischdienst“ – der beispielsweise Grüne Soße, Ayran und Kalte Kaffee-Spezialitäten umfasst – bleibt laut Berz-List mit rund 92 Millionen Euro stabil. Konsolidiert rechnet er mit 167 Millionen Euro Konzernumsatz, 2015 waren es noch 173 Millionen Euro gewesen.

Den Konzerngewinn vor Steuern sieht der Vorstandschef für 2016 bei etwa 3,7 Millionen Euro, im Jahr 2015 waren es noch 4,1 Millionen Euro. „Wenn unser Geschäftsergebnis etwas geringer ist als im Vorjahr, dann liegt das auch daran, dass wir unsere Landwirte anständig bezahlen“, erklärte Berz-List.

Für nächstes Jahr erwartet der Schwälbchen-Chef ein geringes Umsatzplus, sieht jedoch die Entwicklung des deutschen Milchmarktes mit erheblichen Unsicherheiten belastet. Seit November seien die vom Handel an die Molkereien gezahlten Preise höher, dieses Preisniveau werde bis April 2017 gezahlt. Schwälbchen werde daher seinen etwa 350 Milcherzeugern 32,5 Cent pro Liter Milch bezahlen, sagte Berz-List. Wie sich der Markt entwickeln werde, hänge auch davon ab, wie viel Milch die Bauern künftig erzeugten. Lieferten diese aufgrund des höheren Preises wieder zu viel Milch, wird es Berz-List zufolge einen erneuten Preisverfall geben.

Um sich im Markt behaupten zu können, werde die Schwälbchen AG 2017 neue Produkte auf den Markt bringen, kündigte der Vorstandschef an. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 390 Mitarbeiter, davon 170 in der Molkerei. Berz-List geht davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten im nächsten Jahr konstant bleibt.

(dpa,pan)

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