Ein 2,0-Liter-Dieselmotor: Die Manipulationen bei Volkswagen sollen bereits 2006 in einem größeren Kreis beschlossen worden sein.
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Ein 2,0-Liter-Dieselmotor: Die Manipulationen bei Volkswagen sollen bereits 2006 in einem größeren Kreis beschlossen worden sein.

Das Schweigegelübde

Nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR war die Manipulation von Abgaswerten bei VW-Dieselmotoren in den Entwicklungsabteilungen kein Geheimnis.

Bei Volkswagen haben viele Manager von der millionenfachen Manipulation von Diesel-Emissionswerten gewusst. Interne Befragungen bei VW hätten ergeben, dass nahezu alle mit Abgas-Problemen befassten Führungskräfte in der Motoren-Entwicklung eingeweiht oder sogar beteiligt gewesen seien, berichteten „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR unter Berufung auf eigene Recherchen.

Die Entwickler hätten sich von der Konzernführung unter Druck gesetzt gefühlt, vor allem für den US-Markt eine schnelle und kostengünstige Lösung für einen sauberen Diesel-Motor vorzustellen. Dies sei nicht geschafft worden und man habe sich für den Betrug entschieden. Ein VW-Sprecher sagte, es handele sich um Spekulationen, zu denen man sich nicht äußere.

Ein Kronzeuge, gegen den die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt, hat dem Bericht zufolge erklärt, er selbst habe einen hochrangigen Manager außerhalb der Abteilung auf die Manipulationen aufmerksam gemacht. Dieser habe aber nicht reagiert. Dem Bericht zufolge herrschte bei dem Dax-Konzern ein „Schweigegelübde“. Andere Firmenbereiche hätten bis auf Ausnahmen nichts von den Manipulationen wissen sollen.

Volkswagen hat zugegeben, Diesel-Emissionswerte millionenfach durch eine Software manipuliert zu haben. In den USA droht Volkswagen deswegen eine milliardenschwere Strafe. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, allein in Europa 8,5 Millionen.

Seit dem Bekanntwerden des Skandals gibt es immer wieder Spekulationen, dass auch andere Autohersteller Abgaswerte manipuliert haben. So musste Renault Autos in die Werkstatt rufen, um die Motoren gemäß Emissionsvorschriften neu einzustellen. Laut der französischen Regierung war aber keine manipulierte Software im Spiel.

Am Donnerstag will ein Ausschuss der französischen Regierung nach Renault auch Mercedes und Opel befragen. Der Stuttgarter Autobauer bezieht unter anderem Motoren von Renault. „Bei uns wird nicht betrogen, bei uns wurden keine Abgaswerte manipuliert“, bekräftigte Daimler-Chef Dieter Zetsche in der „Welt am Sonntag“.

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hatte nach Bekanntwerden des VW-Skandals auch bei anderen Herstellern Abgaswerte nachgeprüft. „Die Vertreter des KBA waren zwei Tage bei uns, und es wurden Autos getestet. Dabei sind nach meiner Kenntnis keine auffälligen Abgaswerte gemessen worden“, sagte Zetsche. „Es gibt als Folge von ,Dieselgate’ keinen Absatzrückgang bei unseren Diesel-Fahrzeugen in den USA.“

Anders als Daimler leidet Volkswagen auch im operativen Geschäft unter den Folgen des Skandals. Während die Pkw-Nachfrage in der EU im Dezember um fast 17 Prozent und damit so stark wie seit langem nicht mehr zulegte, wuchs der Absatz der Wolfsburger nur um rund fünf Prozent. In China – dem weltgrößten Automarkt – verlor VW 2015 die Position als Branchenprimus an General Motors. China-Chef Jochem Heizmann sagte in Peking, Absatzzahlen seien „nicht alles“. Er sei optimistisch für das laufende Jahr, so Heizmann.

Angesichts des Gegenwindes nimmt VW neue Märkte ins Visier. Derzeit hätten Kenia, Äthiopien und Ecuador höchste Priorität, berichtete die „Automobilwoche“. Kurz- bis mittelfristig gehe es darum, mindestens drei neue Märkte zu erschließen.

Unterdessen kündigte das belgische Wirtschaftsministerium Untersuchungen wegen angeblich höherer Abgaswerte beim Opel-Modell Zafira an. Minister Kris Peeters fordere von Opel Transparenz über eventuelle Software-Änderungen. Zuvor hatte der Sender VRT berichtet, dass in zwei Fällen belgische Opel-Händler die Emissionswerte beim Zafira nachträglich angepasst haben sollen, ohne die Autobesitzer zu informieren. Dabei gehe es um die Anpassung einer Software.

Opel wies die Anschuldigungen scharf zurück. „Es ist nicht zutreffend, dass Opel-Händler beim Zafira Tourer mit 1,6-Liter-Dieselmotor eine modifizierte Software aufgespielt haben, die das Abgasverhalten des Fahrzeugs verändert.“ Das genannte Service-Update habe nichts mit einer Veränderung der Emissionswerte zu tun.

Opel hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Berichte zu überhöhten Emissionswerten beim Zafira zurückgewiesen. Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe wegen erhöhter Stickoxid-Ausstöße hatte Opel als unseriös und nicht nachvollziehbar bezeichnet.

(rtr,dpa)

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