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Serie "Bad Banks" über Frankfurts Finanzszene im Faktencheck

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Die Serie „Bad Banks“ hat den Zuschauer in Abgründe der Frankfurter Finanzwelt entführt. Was hat sie mit dem wahren Banker-Leben zu tun?

Die TV-Werbung mit der joggenden Commerzbankerin im Kapuzenpulli ist noch gut in Erinnerung. Wenn die Hauptdarstellerin der ZDF/Arte-Serie „Bad Banks“, Paula Beer alias Jana Liekam, im Kapuzenpulli durch Frankfurt läuft, überblenden sich Realität und Fiktion. Was an der Serie ist der Wirklichkeit entlehnt, was überspitzt, was pures Klischee? Ein Realitäts-Check.

Zunächst einmal ist die Deutsche Global Invest aus der Serie sehr durchsichtig (das soll es wohl auch sein, mit der Konzernzentrale in „fiktiven“ Doppeltürmen) nach der echten Deutschen Bank gestaltet. Deren Chefs haben ihr Haus immer für eine große Nummer im weltweiten Investmentbanking gehalten, und zum Teil ist sie das tatsächlich, noch heute. Die Auslagerung von Schrottanleihen in Zweckgesellschaften, die im Film zu Fast-Zusammenbruch und Zwangsfusion führt, flog in der Finanzkrise aber nicht beim Branchenführer auf, sondern bei vermeintlich grundsoliden Landesbanken (wie der SachsenLB) oder der KfW-Beteiligung IKB.

Ein Stück weit lebt die Faszination der Serienfolgen vom Reiz des großen Geldes – wobei es im wirklichen Leben um weit höhere Summen geht als die vergleichsweise lächerlichen Milliönchen, auf die es die Hauptfigur abgesehen hat. Solche Zweckgesellschaften, durch die Schulden aus der Bilanz verschwinden, sitzen im echten Leben auch nicht in arabischen Ländern, sondern auf den Kanalinseln oder in Luxemburg – dort und nicht wie eher denkbar in der Schweiz ist in der Serie der Fusionspartner angesiedelt.

Beer wohnt während ihres achtwöchigen Höllentrips nach Frankfurt im neuen Turm an der Gallusanlage, in dem auch das MMK2 untergebracht ist; eine solch schicke Wohnung kann eine Nachwuchs-Investmentbankerin mit ihren Boni natürlich bezahlen. Doch zunächst müssten solche Boni erst fließen.

Die Bankerin versteht denn auch nicht, woher das von ihr abgezweigte Geld kommt – dabei wäre es relativ eindeutig: Die durch Insider-Informationen verdienten Millionen fehlen den Wettpartnern der Termingeschäfte (die auf stabile oder steigende Aktienkurse der Deutsche Global Invest gesetzt hatten) und den teil-enteigneten Aktionären, ganz nach dem Motto: „

Ihr Geld ist nicht weg

– es hat nur ein anderer.“

Und ihr Chef Gabriel Fenger, gespielt vom Niederländer Barry Atsma, versteht seinen Beruf nicht – dafür trägt er an einer Kette um den Hals eine lydische Goldmünze aus der Zeit des Königs Krösus, als das Geld noch „echten“ Materialwert hatte. Nur, ehrlich betrachtet: Hat ein Goldstück einen höheren Gebrauchswert als ein Kontoauszug? Und da Fenger ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, dass seine Mitarbeiterin gegen die eigene Bank agiert, ist seine Verblüffung ein Stück weit zu verstehen.

Mit Cristelle Leblanc, der von Désirée Nosbusch verkörperten dritten Hauptrolle, sitzt eine Frau im Vorstand der Luxemburger Großbank. Sie, die Beer für ihre ganz eigenen Ziele eingespannt hat, zeichnet auch noch fürs Investmentbanking verantwortlich. Das ist im wahren Leben eine Seltenheit – da sind Vorstandsfrauen eher für Personal (Commerzbank), Recht oder IT (Deutsche Bank) zuständig.

Leblanc schickt der Rivalin einen Schlägertrupp an den Hals – solche Fälle sind zumindest in Deutschland nicht bekannt geworden; allerdings ließ die Deutsche Bank durchaus Kritiker durch Prostituierte ausspionieren. Wilde Partys, Koks und Sex – im wahren Banker-Leben ist das zumindest nach 2007 in Frankfurt kaum zu finden. In den Türmen wird lang und hart gearbeitet, und der Wertpapier-Verkauf läuft auch eher über Auktionen und Bieterwettbewerbe als über Erpressung. Den aktuellen Deutsche-Bank-Chef John Cryan kann man sich beim besten Willen nicht in einer solchen Umgebung vorstellen, sondern eher über sein Deutsch-Lehrbuch gebeugt, und auch der skandalumwitterte Vorgänger Anshu Jain ist ganz brav mit einer Kinderbuchautorin verheiratet. Die Serie hingegen greift voll hinein ins Füllhorn der Klischees: Intrigen, Spekulation bis hin zu ganz klar illegalen Machenschaften.

Und das guru- und sektenartige Einpeitschen des eigenen Teams, wie es auch im Spielfilm-Vorbild der Serie, „The Wolf of Wall Street“ von Martin Scorsese, vorkommt? Das gibt es natürlich, es ist aber in anderen Branchen ebenfalls verbreitet.

Zumindest weiß der Zuschauer von Anfang an, wie alles ausgehen wird: mit einer neuen Finanzkrise. Denn die Serie beginnt, bevor der Rückblick folgt, mit der Beinahe-Pleite der Deutschen Global Invest. Vor den Geldautomaten bilden sich Schlangen, bis die Maschine keine Scheine mehr auswirft. Draußen protestiert eine wütende Menge mit Steinwürfen gegen die Geschäftsbank, wie es im echten Leben militante Demonstrationen gegen die Europäische Zentralbank (EZB) gegeben hat – während Demonstrationen bei Deutsche-Bank-Hauptversammlungen stets äußerst gesittet ablaufen. Und im Fernsehen versichert ein nach Peer Steinbrücks Vorbild modellierter Bundesfinanzminister, das Geld der Sparer sei sicher. Das erinnert recht deutlich an die Finanzkrise der Jahre 2008/2009; Angela Merkel an Steinbrücks Seite hat Regisseur Christian Schwochow allerdings weggelassen.

Und was eine „Bad Bank“ tatsächlich ist, welche Strukturen und regulatorischen Defizite zur Finanzkrise geführt haben oder welche Risiken Derivate mit sich bringen, davon erfährt der Zuschauer nichts. Wie ein strukturiertes Produkt funktioniert, kann man nicht verstehen, indem man sich in den Händler hineindenkt oder ihn auf seinen Eskapaden begleitet. Das erspart einem zwar langatmige Erklärungen, doch Fengers laute Frage „Wofür?“ bleibt bis zum Ende offen.

Die rasant-spannend erzählte Serie lief bis Montag im ZDF und ist weiterhin in der „Mediathek“ zu sehen. Eine zweite Staffel ist bereits angekündigt, der Sendetermin allerdings noch nicht bekannt.

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