Spac-takulärer Milliarden-Dealmit Universal Music

  • Panagiotis Koutoumanos
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Bill Ackman gibt Spacs einen völlig neuen Dreh

Frankfurt. Der prominente Hedgefonds-Milliardär Bill Ackman erregt in der Finanzwelt erneut großes Aufsehen: Nachdem ihm im Juli vergangenen Jahres mit seinem Spac "Pershing Square Tontine Holdings" der bis dahin größte Börsengang des Jahres gelungen war, will er sich nun mit diesem Spac bei Universal Music einkaufen - dem weltweit größten Musiklabel, das die Rechte an den Songs von Stars wie Lady Gaga, Taylor Swift und den Beatles hält. Die französische Universal-Konzernmutter Vivendi gab gestern bekannt, dass sie sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit Pershing befinde.

Die im vergangenen Jahr vor allem in den USA groß in Mode gekommenen Spacs ("Special Purpose Acquisition Companies") sollen Start-ups quasi durch die Hintertür an die Börse bringen. Ein Spac ist nicht viel mehr als eine leere Hülle, im Finanzjargon "Börsen-Mantel" genannt. Wenn der an die Börse gebracht wird, sammelt er von Anlegern Millionen-Beträge ein - gegen das Versprechen, mit diesem Geld einen erfolgversprechende Firma zu kaufen. In der Regel sind das Start-ups mit augenscheinlich riesigen Ambitionen, aber äußerst begrenzten Leistungsnachweisen. Dieses schlüpft beim Kauf sozusagen in den Börsen-Mantel und übernimmt dessen Börsen-Notierung.

Rund 570 Spacs sind derzeit an US-Börsen notiert - erst 150 davon ist eine Übernahme gelungen. Nach Ansicht vieler Beobachter gibt es inzwischen zu viele Spacs, als dass alle ein geeignetes Start-up finden könnten.

Zehn Prozent für 4,1 Milliarden Dollar

Ob auch der Spac von Bill Ackmann mit diesem Problem zu kämpfen hatte, blieb gestern offen. Aber dem gewieften Hedgefonds-Manager gelingt es nun offenbar, den Spacs einen völlig neuen Dreh zu geben. Wie Vivendi gestern ausführte, ist der Konzern bereit, Pershing zehn Prozent an Universal Music zu verkaufen. Dafür will Pershing 4,1 Milliarden Dollar zahlen. Das wäre zunächst die gesamte Summe, die der Spac im vergangenen Juli bei Anlegern eingesammelt hat.

Zugleich wäre dieser Anteilsverkauf zwar die bislang größte Investition eines Spac. Aber da Pershing nur zehn Prozent an Universal erwirbt, kann der Musikkonzern mit Sitz im kalifornischen Santa Monica natürlich nicht - wie sonst bei Spacs üblich - komplett in Ackmans Börsenmantel schlüpfen und dessen Notierung übernehmen. Stattdessen würde Pershing die Universal-Anteilsscheine direkt unter seinen Anlegern verteilen, nachdem Vivendi 60 Prozent seiner Universal-Anteile in einem Spin-off an die Börse gebracht hat. Im Gegenzug fließen zusätzliche 1,5 Milliarden Dollar in Ackmans Börsenmantel, der an der Börse notiert bleibt und weiter nach Übernahme-Objekten suchen soll. Aufgrund dieser ausgeklügelten Struktur benötigt Pershing nicht die Zustimmung seiner Anteilseigner zu dem ungewöhnlichen Deal mit Vivendi. Während der Aktienkurs von Pershing gestern um mehr als 13 Prozent nachgab, blieb die Vivendi-Aktie auf dem Vortagesniveau.

Musikbranche wächst dank Streaming

Der französische Mischkonzern hält insgesamt noch 80 Prozent an dem Musikkonzern - 20 Prozent der Anteile hat er an den chinesischen Internetriesen Tencent abgegeben - für und sechs Milliarden Dollar. Nach Angaben von Vivendi soll Universal bis Jahresende an der Börse Euronext in Amsterdam notiert werden.

Die Vivendi-Eigner machen sich zunutze, dass sich dank der Streaming-Dienste mit Musik wieder gutes Geld verdienen lässt. So ist der globale Markt für Musikaufnahmen im vergangenen Jahr um 7,4 Prozent auf 21,6 Milliarden Dollar gewachsen, wie der Dachverband "International Federation of the Phonographic Industry" jüngst mitteilte. Die 21,6 Milliarden Dollar sind der höchste Wert seit dem Jahr 2002. Von diesem Wachstum hat auch das US-Unternehmen Universal Music profitiert, auf das laut Midia Research knapp 30 Prozent des Marktes entfallen. Universal erhöhte 2020 seinen Umsatz deutlich auf 7,4 Milliarden Euro. Darin enthalten waren zwar auch die Einnahmen der Verlagssparte. Aber rund sechs Milliarden Euro steuerte das Label-Geschäft mit Musikaufnahmen zum Gesamtumsatz bei. Im ersten Quartal dieses Jahres sind die Erlöse um 9,4 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro gestiegen.

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