Beteiligung an österreichischer Bank

Sparda-Bank geht nach Wien

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Die Sparda-Bank Hessen will sich mehrheitlich an einer Bank im Nachbarland Österreich beteiligen.

Grenzüberschreitende Zusammenschlüsse unter Europas Banken halten die Experten seit langem für sinnvoll. Die „Kleinstaaterei“ in Europa müsse ein Ende haben, forderte diese Woche auch Deutsche-Bank-Chef John Cryan. Doch hat es bisher nur wenige Anläufe gegeben – und der wichtigste, die ABN-Amro-Übernahme durch Fortis und RBS 2007, endete im Desaster. Jetzt wagt ein relativ kleines deutsches Institut den Schritt über die Landesgrenze: Die Sparda-Bank Hessen will nach Österreich expandieren.

In Österreich gibt es zwar seit 1938 genossenschaftliche Sparda-Banken, doch existierten sie zuletzt nur noch in Villach und Linz, nachdem Wien im BAWAG-Konzern aufgegangen und mit diesem in Schieflage geraten war. Im März haben diese verbliebenen Regionalbanken zur Sparda-Bank Austria eGen fusioniert. Das operative Bankgeschäft soll aber künftig von einer neuen Aktiengesellschaft geführt werden, an der die Frankfurter Sparda-Bank die Mehrheit von 75 Prozent und die österreichische Genossenschaft die übrigen 25 Prozent halten. Sitz der Zentrale soll Wien werden. Die Verhandlungen sind bereits weit gediehen, auch wenn noch nichts unterschrieben ist; die Genehmigung der Europäischen Zentralbank (EZB) steht ebenfalls noch aus.

„Österreich ist durch die Filialen der ehemaligen Sparda-Banken flächendeckend gut erschlossen, daher konzentrieren wir uns bei der Expansion auf Wien“, sagt Jürgen Weber, der Vorstandsvorsitzende der Sparda-Bank-Hessen. Dieser Ballungsraum ist Sitz der meisten wichtigen Unternehmen und von fast der Hälfte der österreichischen Bevölkerung (8,7 Millionen versus 6 Millionen in Hessen). „Wir gewinnen damit einen potenten Partner für den Marktauftritt, werden aber keine Filiale der Deutschen sein“, sagt der österreichische Aufsichtsratschef Jürgen Dumpelnik.

Der Grund für die Neugründung der Sparda-Bank Austria AG ist, wie ein Sprecher erläutert, dass die genossenschaftliche Welt („ein Mitglied, eine Stimme“) ungeeignet ist für Kapitalbeteiligungen. Die AG soll quasi die Funktion einer Holding ausüben, dort sind auch Vorstände und Aufsichtsrat angesiedelt. Ein Vorstand soll aus Österreich kommen, ein weiterer aus Hessen. Die Sparda-Bank Hessen führt ihre Geschichte auf die 1897 von Mitgliedern des Eisenbahnervereins in Kassel gegründete Spar- und Darlehenskasse zurück; die Bank gehört ihren Mitgliedern.

Bisher schöpfe man das Potenzial im Nachbarland bei weitem nicht aus, sagt der Sprecher in Frankfurt. Aktuell hat die Sparda-Bank Austria 27 Filialen, schwerpunktmäßig in Oberösterreich, Kärnten und der Steiermark. Die Bilanzsumme liegt bei 865 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter bei 229, die Kundenzahl bei 80 000. Zum Vergleich: Bei der Sparda-Bank Hessen sind es 5,7 Milliarden Euro, 650 Beschäftigte und 384 000 Kunden.

Dem Vernehmen nach wird die Sparda-Bank Hessen einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag im Nachbarland investieren. Weitestgehend sollen die Verhandlungen möglichst bis September abgeschlossen werden, so dass die neue AG zum Jahreswechsel starten kann. Noch offen ist die Frage der künftigen Zentralbank. Aus dem bisherigen Haftungsverbund mit den österreichischen Volksbanken – der sie wegen des in Abwicklung befindlichen Spitzeninstituts ÖVAG stark belastet und im Vorjahr in die roten Zahlen getrieben hat – möchte die Sparda-Bank Austria ausscheiden.

Ein Gratis-Girokonto wird es in Österreich, anders als bei der Sparda-Bank-Hessen, aber nicht geben. Die Banken in Villach und Linz hatten erst vor kurzem Kontoführungsgebühren eingeführt, die bei 2 Euro im Monat beginnen (dann kosten aber selbst SB-Überweisungen und Kontoauszüge extra). Es gibt im Nachbarland auch keine andere Filialbank, die kostenlose Girokonten anbietet. In Hessen soll das Konto jedoch gratis bleiben.

Die Sparda-Bank Hessen plant noch einen weiteren großen Schritt: Das bisher ausschließlich für Privatkunden tätige Institut will auch ins gewerbliche Geschäft einsteigen. Die entsprechende Satzungsänderung hat die Vertreterversammlung genehmigt. Gewerbetreibende, Selbstständige und Freiberufler können – anders als früher – bereits ein Konto eröffnen, das Produktangebot wird gerade erarbeitet. Ein offizielles Startdatum gibt es noch nicht.

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