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Sparkassenverband sagt "Jein" zu Kryptohandel

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Von: Panagiotis Koutoumanos

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Deutscher Sparkassen- und Giroverband schließt Kompromiss

Frankfurt. Sollen die gut 360 Sparkassen in Deutschland ihren Kunden den Handel mit den hoch spekulativen Kryptowährungen anbieten? Seit Ende vergangenen Jahres hat Deutschlands größte Finanzgruppe diese Frage heftig diskutiert. "Zu unsicher, zu riskant, zu wenig reguliert", heißt es bei den Gegnern von Bitcoin, Tether und Co., die zuletzt wieder ein wahres Blutbad erlebt haben.

Auch Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis will mit den umstrittenen Cyberwährungen lieber nichts zu tun haben, die zum einen wegen ihrer heftigen Kursschwankungen in der Kritik stehen und zum anderen weil mit ihnen kriminelle Geschäfte finanziert oder verschleiert werden. Als eine Art "Schneeballsystem" und als "Gang zum Casino" hat der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) den Krypto-Handel unlängst geschmäht. Die Furcht des Sparkassen-Präsidenten und einiger Verbandschefs: Sollten auch Sparkassen-Kunden hohe Verluste erleiden, könnte das dem Image der öffentlich-rechtlichen Finanzgruppe schaden.

Hingegen befürchten andere Verbandsvertreter, dass die Sparkassen auf Dauer Kunden an Neobroker, zentralisierte Krypto-Börsen oder an andere Traditionshäuser verlieren, wenn sie das Geschäft mit den Kryptowährungen nicht anbieten. Denn tatsächlich interessiert sich inzwischen auch ein Teil der Sparkassen-Kundschaft für die extrem unsicheren Cyberdevisen.

In diesem Zwiespalt hat sich der Gesamtvorstand des DSGV nun zu einem Kompromiss durchgerungen: Zwar sollen die Sparkassen den Handel mit Kryptowährungen nicht anbieten. "Es ist Aufgabe von Sparkassen, Kunden vor unkalkulierbaren Risiken zu schützen. Deswegen empfehlen die Gremien den Instituten der Sparkassen-Finanzgruppe, den Handel mit Kryptowährungen nicht anzubieten", teilte der Verband mit. Aber wenn Kunden unbedingt mit Krypto-Assets handeln wollen, sollen die Sparkassen einen Handel in kleinem Umfang ermöglichen, hat der Verband nun beschlossen. Zu diesem Zweck plant der DSGV zumindest die "Einführung einer Verwahrlösung von tokenisierten Assets" sowie für den Start einer sogenannten Wallet zum Halten, Kaufen und Verkaufen entsprechender tokenisierter Assets. Darüber können Verbraucher kleine digitale Anteile halten - beispielsweise an Aktien und Immobilien.

Verbieten kann der Verband seinen Mitgliedern den Handel ohnehin nicht. Zwei Kreissparkassen ermöglichen ihren Kunden bereits den Kauf von Kryptowährungen - in Zusammenarbeit mit der Börse Stuttgart. Derweil arbeiten im Sparkassenlager bereits der Zahlungsdienstleister S-Payment und der Fonds-Anbieter Deka an technologischen Lösungen für den Krypto-Handel.

Auch Wettbewerber gehen in Stellung

Auch im Lager der konkurrierenden Volks- und Raiffeisenbanken sind einige Mitglieder vorgeprescht. Deren Bundesverband BVR hat bereits entschieden, in den Krypto-Handel einzusteigen. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank baut gemeinsam mit der Wertpapierbank DWP ein System auf.

Die Commerzbank hatte Ende April als erste klassische Bank bekannt gegeben, zumindest eine sogenannte Krypto-Verwahrlizenz bei der Finanzaufsicht Bafin beantragt zu haben. Die Bank will ihr Angebot zunächst auf institutionelle Anleger beschränken. Insgesamt waren zuletzt rund zwei Dutzend solcher Anträge bei der Bafin eingegangen.

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