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Hartz IV und hohe Preise: Einfach „effizienter einkaufen“? Harte Kritik an SPD-Sprecherin

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Von: Lisa Mayerhofer

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Frau im Supermarkt
Sollen arme Menschen eine Lebensmittelpauschale erhalten? (Symbolbild) ©  Imagebroker/Imago

Die Preise steigen immer weiter. Sollen arme Menschen deshalb eine Lebensmittelpauschale erhalten? Eine SPD-Sprecherin gab lieber Ratschläge für gesundes Essen – und erntet dafür harte Kritik.

Berlin – In der Debatte um steigende Lebensmittelpreise hat ein Experte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Pauschale zur Entlastung von armen Menschen wie Hartz-IV-Empfängern vorgeschlagen. „Sinnvoll wäre eine einmalige Lebensmittelpauschale von 100 Euro für Transferempfänger“, sagte der Leiter der Abteilung für Makroökonomie, Alexander Kriwoluzky, dem Tagesspiegel. Auch DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell forderte in der Zeitung als Sofortmaßnahme einen finanziellen Zuschlag für Bezieher von Sozialtransfers, um die stark steigenden Preise für Energie und Lebensmittel abzufedern.

SPD-Sprecherin gibt Ratschläge für Hartz-IV-Empfänger

Dagegen betonte die ernährungspolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagfraktion, Rita Hagl-Kehl, dass sich die Bundesbürger trotz steigender Lebensmittelpreise weiterhin gesundes Essen leisten könnten. „Sich gesund zu ernähren, bedeutet nicht gleich, einen höheren Preis zu zahlen“, sagte die Sozialdemokratin dem Tagesspiegel.

Wie sich die Menschen ernähren, hänge nicht nur vom Preis, sondern auch von der Wertschätzung der Lebensmittel und des Essens im Allgemeinen ab. „Wenn wir nicht zu viel, sondern effizient und durchdacht einkaufen und unsere Lebensmittel nicht wegwerfen oder verschwenden, werden wir uns auch eine gesunde Ernährung leisten können“, sagte Hagl-Kehl.

Mit Blick auf Forderungen nach weiteren finanziellen Entlastungen für Geringverdiener verwies Hagl Kehl auf die bereits beschlossenen Maßnahmen: „Durch die Energiepreispauschale, die Rentenerhöhung sowie die finanzielle Unterstützung von Familien und Sozialleistungsempfängern hat die Bundesregierung wichtige und effiziente Maßnahmen beschlossen, die alle Bürgerinnen und Bürger, aber vor allem die, die es am nötigsten brauchen, entlasten“, betonte Hagl-Kehl.

Hartz-IV-Kritikerin: „Das ist widerwärtig, Frau Hagl-Kehl“

Die Bloggerin, Ex-Jobcenter-Mitarbeiterin und Hartz-IV-Kritikerin Inge Hannemann ist empört: „Warum kommt immer jemand daher und meint erziehen zu müssen? Das ist widerwärtig, Frau Hagl-Kehl und geht am Bedarf der von Armut Betroffenen vorbei“, schreibt sie auf Twitter.

Sie erklärt weiter zum Thema Lebensmitteleinkauf und Wertschätzung von Essen: „So einfach ist es nicht. Wer arm ist, kann nicht sparen. Die Preise in den Märkten fliegen den Menschen um die Ohren. Ob mit oder ohne Grundsicherungen. Ich kenne keine armen Menschen, die verschwenderisch mit Lebensmitteln umgehen. Jeder Euro zählt. Jede Ersparnis zählt.“ Niemand habe das Recht, jemanden vorzuschreiben, „ob er sich mal Chips kauft oder nicht“.

In den Kommentaren schlagen sich die meisten Twitter-Nutzer auf Hannemanns Seite. Eine Nutzerin schreibt: „Muss eh noch einkaufen. Mal sehen, ob ich mit Wertschätzung bezahlen darf.“ Eine weitere Userin schlägt in die gleiche Kerbe: „Einstellung! Wie wird die verbucht an den Aldi- oder Penny-Kassen?“ Ein anderer Nutzer schreibt: „Ich meine, meine Mitbewohnerin und ich (beide von Armut betroffen) leben seit Beginn der Ukraine-Invasion von belegten Broten, Nudeln und Kartoffeln.“ Mit Material der dpa

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