Vorstandschef Matthias Wiedenfels ist offen für eine Übernahme.
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Vorstandschef Matthias Wiedenfels ist offen für eine Übernahme.

Bad Vilbeler Pharma-Konzern

Stada hält alle Bieter im Rennen

Drei Finanzinvestoren ringen derzeit um Stada. Während die Führung des Bad Vilbeler Unternehmens das Bieter-Rennen nutzen will, um einen möglichst hohen Preis zu erzielen, sorgen sich die Arbeitnehmervertreter um die Jobs bei Stada.

Der Arzneimittel-Hersteller Stada will nach eigener Aussage allen Bietern für das Unternehmen die gleiche Chance geben. Nachdem sich drei Finanzinvestoren als Kaufinteressenten gemeldet hätten, sollten sie nun alle Einblick in die Bücher bekommen wie potenzielle Käufer, teilte Stada am Samstag mit. „Der transparente und faire Prozess (...) stellt sicher, dass alle potenziellen Bieter den gleichen Informationsstand sowie die gleiche Gelegenheit erhalten, ihre Pläne für Stada zu präsentieren“, erklärten der Vorstand und der Aufsichtsrat. Stada hofft, dass die Offerten dadurch am Ende noch höher ausfallen.

Advent bleibt dran

Das Unternehmen aus Bad Vilbel erteilte damit der Forderung des Finanzinvestors Advent eine Absage. Er hatte den Stada-Vorstand aufgefordert, sich bis Montag hinter sein konkretes, gut 3,6 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot zu stellen. „Es geht um das beste Angebot, nicht um das schnellste“, sagte dazu ein Stada-Sprecher. Advent war am Donnerstag vorgeprescht und hatte ein erstes verbindliches Übernahmeangebot über 58 Euro je Aktie vorgelegt. Zusätzlich sollen die Aktionäre noch die Dividende für 2016 erhalten. Der Investor werde die Offerte nach dem erwarteten Verstreichen des Ultimatums nicht zurückziehen, sondern an dem Bieterverfahren teilnehmen, sagten zwei mit den Überlegungen vertraute Personen. „Advent ging es nur darum, mehr Bewegung in den Prozess zu bringen“, betonte einer der Insider am Samstag. Die Beteiligungsgesellschaft wollte sich dazu nicht äußern. Sie hatte die Frist für die Gültigkeit des Angebots aber bereits in einer Mitteilung am Donnerstag nicht erwähnt.

Stada versucht, mit dem geordneten Verfahren wieder das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen. Binnen weniger Tage hatten sich drei Bieter offenbart: Der britische Finanzinvestor Cinven hatte als erster unverbindlich sein Interesse an Stada angemeldet und 56 Euro je Aktie in Aussicht gestellt. Advent zog später mit dem dritten Interessenten Bain Capital gleich, der 58 Euro je Aktie bieten will. Als einziger aus dem Trio ist Advent allerdings schon so weit, dass er ein Übernahmeangebot vorlegen könnte. Die Beteiligungsgesellschaft hatte Finanzkreisen zufolge früher Einblick in interne Daten von Stada bekommen. Nun können die Konkurrenten den Informationsrückstand aufholen.

Der Ladival- und Grippostad-Hersteller folgt damit praktisch der Forderung seines größten Aktionärs, des mit mehr als fünf Prozent beteiligten aktivistischen Investors Active Ownership Capital (AOC). Er hatte Stada vor einer voreiligen Festlegung auf das Advent-Angebot gewarnt: „Eine Gleichbehandlung aller seriösen Interessenten ist durch den Vorstand sicherzustellen.“ Um möglichst hohe Offerten zu erhalten, solle Stada auch Interessenten aus der Arzneimittel-Branche „aktiv ansprechen“.

Gewerkschaft skeptisch

Unterdessen sind Arbeitnehmer-Vertreter besorgt über den Erhalt der Jobs bei dem Pharmakonzern. „Natürlich machen wir uns Gedanken darüber“, sagte Alexander Wiesbach, Betriebsbetreuer der Gewerkschaft IG BCE für Stada. „Die Sicherung der 1300 Arbeitsplätze in Deutschland und auch der Arbeitsbedingungen haben für uns oberste Priorität.“ Man prüfe, wie die drei Bieter für Stada sich bei Firmen-Übernahmen in der Vergangenheit verhalten hätten, um sich für Gespräche vorzubereiten. Stada beschäftigt rund 10 400 Mitarbeiter weltweit, davon 938 in Bad Vilbel.

Advent hatte erklärt, in Stada investieren zu wollen und von einer Aufspaltung, vom Verkauf von „wesentlichen Unternehmensteilen“, abzusehen. Damit einher ging auch ein Bekenntnis zum Standort Deutschland. Wiesbach sieht dies aber skeptisch, auch wenn das Übernahmeangebot als „freundlich deklariert“ sei. „Wir müssen sehen, ob das ernst gemeint oder ein Lippenbekenntnis ist“, sagte Wiesbach. Der Betriebsrat von Stada wollte sich nicht äußern.

(rtr,dpa,pan)

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