Vorstandschef Matthias Wiedenfels (43)
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Vorstandschef Matthias Wiedenfels (43)

Übernahme-Gespräche ziehen sich hin – Aktie lahmt

Stada pokert bislang ohne Erfolg

  • Panagiotis Koutoumanos
    VonPanagiotis Koutoumanos
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Seit Wochen malt der Stada-Vorstand die Zukunft des Bad Vilbeler Pharmakonzerns in immer glänzenderen Tönen, um im Übernahme-Poker mit den Bietern einen höheren Preis herauszuschlagen. Doch während die Unternehmensführung dabei den Eindruck vermitteln will, dass sie einen „Royal Flush“ hält, fürchten die Aktionäre offenbar, dass sie am Ende als Verlierer dastehen werden.

Nachdem sie lange Zeit mit wenig PS gemütlich auf der Kriechspur unterwegs gewesen ist, hat die Stada AG nach einer Motoren-Überholung auf die Überholspur gewechselt, um nun mit hohem Tempo einer glanzvollen Zukunft entgegenzufahren. Das ist zumindest der Eindruck, den man gewinnt, wenn man an diesem Mittwochmorgen in der Bad Vilbeler Zentrale des MDax-Unternehmens den Worten von Matthias Wiedenfels lauscht: „Fokussiert“, „konzentriert“, „konsequent“ sei die Unternehmensführung dabei, Stada neu auszurichten“, versichert der junge Vorstandschef anlässlich der Bilanzvorlage immer wieder. „Stada ist im Aufbruch. Das ist überall zu spüren, an jeder Ecke, in jedem Werk, in jedem Markt.“ Der Kulturwandel hin zu mehr Unternehmertum sei nicht mehr zu stoppen. „Unsere Generika-Pipeline ist gut gefüllt. Wir werden da 2017 mindestens 35 neue Produkte auf den Markt bringen“, kündigt Wiedenfels an. Zudem werde Stada fünf neue Markenprodukte in Deutschland herausbringen, dazu kommen zwei in Frankreich und eines in Spanien. Die Reduzierung der deutschen Vertriebskosten sei in vollem Gang. Ebenso kräftig arbeite man an günstigeren Einkaufsbedingungen, effizienteren Lieferketten und der Einführung weiterer, großer Biosimilars.

Ambitionierte Ziele

„Mit diesen und vielen anderen Maßnahmen werden wir die ambitionierten Ziele, die wir uns gesetzt haben, erreichen und in die Spitzengruppe unserer Industrie vorstoßen“, verspricht der 43-Jährige. Tatsächlich vermögen diese neuen Mittelfristziele, die der Vorstand schon knapp zwei Wochen vor der Bilanzvorlage veröffentlichte, durchaus zu beeindrucken: Nachdem 2016 der ausgewiesene Umsatz mit 2,14 Milliarden Euro kaum von der Stelle gekommen ist und vor allem einmalige Umstrukturierungskosten von 91,4 Millionen Euro den ausgewiesenen Nettogewinn um 22 Prozent auf 86 Millionen Euro gedrückt haben, soll es von 2017 bis 2019 kräftig nach oben gehen: Der bereinigte Konzernumsatz soll von 2,17 Milliarden Euro auf bis zu 2,7 Milliarden Euro steigen. Für das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda), das 2016 bei 294,4 Millionen Euro lag, peilt das Unternehmen bis zu 590 Millionen Euro an. Der bereinigte Nettogewinn wird demnach von 77,3 im vergangenen Jahr bis 2019 auf bis zu 270 Millionen Euro klettern. In den kommenden drei Jahren sollen die Ertragssteigerungen also deutlich höher ausfallen als in den vergangenen drei. Und davon sollen die Aktionäre in Form höherer Dividenden profitieren.

Die Botschaft, die Wiedenfels rüberbringen will, ist klar. Sie lautet: Die Stada AG ist mehr wert, als die Börse ihr zugestehen will und die Bieter bereit sind zu zahlen. 58 Euro je Aktie bieten derzeit zwei Konsortien aus je zwei Finanzinvestoren. Eindeutig zu wenig, findet der Stada-Vorstand. Die Angebote spiegelten nicht den „fundamentalen Unternehmenswert der Stada vollständig wider“, hatte dieser unlängst verkündet – und einen Tag vor der aufgestockten Mittelfrist-Planung sogar die Gespräche mit den Bietern verschoben. Aber dem Aktien-Kurs bringen weder die guten Prognosen noch die Details, mit denen Wiedenfels diese nun unterfüttert, den erhoffte Auftrieb. Im Gegenteil: Während Wiedenfels in der Stada-Zentrale die glanzvolle Zukunft skizziert, gibt der Kurs sogar leicht nach, auf 56,54 Euro. Schon bei der Bekanntgabe der verbesserten Mittelfrist-Prognose war der Kurs um rund ein Prozent auf 56,13 Euro gesunken.

Aktionäre wollen Verkauf

Dies zeigt: Die Bewertung des MDaxKonzerns wird nicht von der operativen Entwicklung bestimmt, sondern von der Frage, ob und zu welchen Konditionen er am Ende übernommen wird. Insofern lassen die Kursrückgänge nur zwei Schlüsse zu: Zum einen, dass die Stada-Aktionäre den Verkauf wollen. Und zum anderen, dass sie der Konzernführung nicht trauen. Offenbar befürchten sie, dass diese eine Hinhalte-Taktik fährt, um das Feld für eine Ablehnung der Offerten zu bereiten. So übt laut Finanzkreisen der aktivistische Investor AOC, der im Frühjahr bei Stada eingestiegen war und die Umstrukturierung erzwungen hat, schon Druck auf die Konzernführung aus. Dabei soll er sogar mit einer Klage drohen, falls der Verkauf scheitert und der Kurs daraufhin wieder auf einen Wert von unter 50 Euro sinkt – bevor Anfang Februar die ersten Gerüchte um ein Übernahme-Angebot die Runde machten, hatte die Aktie bei rund 48 Euro notiert.

Die Vorwürfe gegen die Konzernführung versuchte Wiedenfels gestern zu entkräften: „Der Bieterprozess, den wir eingeleitet haben, ist in jeder Beziehung intakt“, sagte er. Stada sei in „guten Gesprächen“. Es gebe auch einen Zeitplan, zu näheren Details wolle er sich aber nicht äußern. Auch die Frage, ob die Übernahme noch scheitern könnte, blieb unbeantwortet. Dies hätten letztlich die Aktionäre zu entscheiden, so der Vorstandschef, der aber noch lange nicht bereit zu sein scheint, diesen die Offerten zur Annahme vorzulegen – bislang haben die Investoren die Zustimmung des Unternehmens zur Bedingung für ein offizielles Übernahme-Angebot gemacht. „Aber dieses Angebot muss im Interesse aller Stakeholder sein“, betonte Wiedenfels gestern, „auch im Interesse der Arbeitnehmer.“

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