Die Stada-Zentrale in Bad Vilbel
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Die Stada-Zentrale in Bad Vilbel

Bad Vilbeler Pharmakonzern

Stada zeigt sich offen für Übernahme

  • Panagiotis Koutoumanos
    VonPanagiotis Koutoumanos
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Die Stada AG kommt nicht zur Ruhe: Auf die öffentliche Schlammschlacht zwischen der Konzernführung und dem aktivistischen Investor AOC scheint nun eine Übernahme-Schlacht zwischen internationalen Finanzinvestoren um das Pharma-Unternehmen zu folgen.

Schon seit Jahren gilt Stada als Übernahmeziel, treiben immer wieder angebliche Interessensbekundungen von Finanzinvestoren und Wettbewerbern den Aktienkurs des MDax-Konzerns in die Höhe – wirklich passiert ist nie etwas. Nun aber sieht es ganz danach aus, als sei es um die Eigenständigkeit des Traditionsunternehmens bald geschehen, das 1895 aus einer Apotheken-Genossenschaft heraus entstand, die „Standard-Arzneimittel für deutsche Apotheken“ (Stada) herstellte. Denn zum einen sind gleich zwei Finanzinvestoren auf die Bildfläche getreten, die den Hersteller von Nachahmer-Medikamenten (Generika), rezeptfreien Arzneien, Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln komplett übernehmen wollen. Zum anderen zeigt sich die Stada-Führung für die Avancen der beiden Bieter durchaus offen. „Der Vorstand der Stada hat einstimmig beschlossen, ergebnisoffene Gespräche mit den beiden potenziellen Bietern für den Erwerb von bis zu 100 Prozent der Aktien der Gesellschaft aufzunehmen“, verkündeten die Bad Vilbeler gestern. Und dabei scheint die Zustimmung des Vorstands vor allem eine Frage des Preises zu sein. Denn in den Gesprächen sollen laut Stada-Mitteilung die Interessenten „weitere Wertsteigerungspotenziale im Hinblick auf einen potenziellen Angebotspreis bewerten“.

Soll heißen: Die Offerten der Private-Equity-Häuser Cinven Partners und Advent International sind dem Stada-Vorstand nicht hoch genug. Während über das Advent-Angebot Stillschweigen vereinbart worden ist, verrieten die Bad Vilbeler zumindest, was Cinven bereit ist, für das MDax-Unternehmen zu zahlen. Demnach bietet der Finanzinvestor zunächst 56 Euro pro Aktie und damit einen Aufschlag von 13 Prozent auf den Stada-Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Das wären insgesamt 3,5 Milliarden Euro für die Stada AG, die 2015 rund 2,1 Milliarden Euro erlöste und einen bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von knapp 390 Millionen Euro erzielte. Bezieht man die Nettoverschuldung der Stada mit ein, bewertet Cinven das Unternehmen mit 4,7 Milliarden Euro – also dem 12,1-Fachen des Ebitda. Für einen Generika-Hersteller ist das ein hohes Angebot, für einen Anbieter von rezeptfreien Arzneimitteln ist das allerdings recht wenig.

Der Finanzmarkt scheint jedenfalls darauf zu setzen, dass die Angebote noch steigen werden: Die Stada-Aktie legte gestern um bis zu 15 Prozent auf ein Rekordhoch von 57,10 Euro zu. DZ-Bank-Analyst Thomas Maul hält „im Zuge eines Bieterwettbewerbs bis zu 63 Euro je Aktie für denkbar“. Mit einem Preis von bis zu 62 Euro rechnet das Analysehaus Kepler Chevreux. Nach Ansicht des Analysehauses Independent Research ist ein Angebot „von bis zu 60 Euro realistisch“.

AOC kann Kasse machen

Einen ordentlichen Gewinn würde schon bei 56 Euro je Aktie der aktivistische Investor „Active Ownership Capital“ (AOC) einstreichen, der im Frühjahr mit fünf Prozent bei Stada eingestiegen war und einen Machtkampf mit der Stada-Führung entfacht hatte. AOC würde seinen Einsatz schon bei 56 Euro fast verdoppeln. Allerdings scheint auch der umstrittene Großaktionär – dem von Anfang an nachgesagt wurde, dass er auf einen schnellen Verkauf der Stada aus sei – auf ein höheres Gebot zu setzen: „Stada hat ein großes operatives Wertsteigerungspotenzial, dessen Realisierung erst am Anfang steht“, teilte AOC gestern mit. Als Anker-Aktionär begrüße und unterstütze man die vom Vorstand eingeleiteten Initiativen, um den Wert des Unternehmens zu steigern, hieß es.

Der öffentlich ausgetragene Streit zwischen AOC und Stada führte im vergangenen Jahr zu einer Neuausrichtung des Pharma-Konzerns: Der langjährige Vorstandschef Hartmut Retzlaff schied aus dem Unternehmen aus; der Aufsichtsrat wurde fast vollständig ausgetauscht; die Vinkulierung der Namensaktien, die vor einer feindlichen Übernahme geschützt haben, wurde abgeschafft; und der neue Vorstandschef Matthias Wiedenfels legte für die kommenden dreieinhalb Jahre ein ambitioniertes Wachstumsprogramm auf.

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