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Wegen der zunehmenden Zahl von Baustellen kommen auf die Fahrgäste der Deutschen Bahn längere Fahrzeiten und Umleitungen zu.

DB steckt 360 Mio. in Hessens Netz

Um zu verhindern, dass der milliardenschwere Investitionsstau im deutschen Schienennetz nicht noch länger wird, will die Deutsche Bahn in diesem Jahr mehr bauen – dabei aber möglichst selten Trassen sperren. Auf einigen Strecken warten dennoch Unannehmlichkeiten auf die Fahrgäste – auch in Hessen.

Bahnkunden müssen sich auch in diesem Jahr wegen der Sanierung des Streckennetzes auf erhebliche Verzögerungen einstellen. Nach Angaben der Deutschen Bahn sollen in diesem Jahr rund 3200 Schienenkilometer, 2000 Weichen und rund 150 Brücken repariert oder erneuert werden. Um die Belastung für die Bahnfahrer möglichst gering zu halten, werden rund 850 Einzelbaustellen in 76 zusammenhängende Bauprojekte zusammengefasst. Außerdem verspricht das Unternehmen, seine Kunden besser und frühzeitiger über Zugausfälle und -verspätungen zu informieren.

Für die Modernisierung des mit 61 000 Kilometern größten Schienennetzes in Europa will die Bahn in diesem Jahr rund 5,5 Milliarden Euro ausgeben. Das sind 200 Millionen Euro mehr als 2015 – als das Programm gestartet wurde. Bis 2019 stehen für das umfangreichste Sanierungsprogramm in der Bahn-Geschichte insgesamt rund 28 Milliarden Euro zur Verfügung, davon zwölf Milliarden Euro für Schienen und Weichen.

Von diesen 28 Milliarden Euro fließen 1,8 Milliarden Euro in das hessische Schienennetz. Allein in diesem Jahr investiert der Staatskonzern rund 360 Millionen Euro in die Modernisierung der hiesigen Infrastruktur – 10,0 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. 270 Kilometer Schienen und 70 Weichen müssen demnach 2016 erneuert werden. Hinzu kommen Oberbaureparaturen und Lärmschutzmaßnahmen – zum Beispiel auf der Main-Weser-Bahn im Raum Friedberg. Auch die Brückenerneuerung mit der Eisenbahn-Überführung Speisbach im Rheintal bei Aßmannshausen nimmt die DB AG nun in Angriff. In Frankfurt wird vor allem die Erneuerung des Elektronischen Stellwerks für den S-Bahn-Tunnel den Fahrgästen wieder zu schaffen machen: In diesem Jahr wird der Tunnel in den Osterferien sowie weitere sechs Wochen in den Sommerferien dicht sein. Der 6,4 Kilometer lange Abschnitt von Hauptbahnhof bis zum Lokalbahnhof beziehungsweise Mühlberg gilt als meistbefahrene Strecke der Republik. Pro Stunde und Richtung verkehren dort 24 Züge. Aber die Elektrotechnik des Relais hat Siemens bereits in den 60er Jahren entwickelt, und das Stellwerk ist schon seit 1978 in Betrieb. Es fehlen Ersatzteile, die Kapazitätsgrenzen sind erreicht. Eine Erweiterung für die Anbindung der Nordmainischen S-Bahn ist deshalb unmöglich. Weitere elektronische Stellwerke sollen bis 2018 in Friedberg, Diez und Haunetal entstehen.

Von überregionaler Bedeutung sind die bevorstehenden Gleiserneuerungen und Bahnsteigarbeiten auf der Strecke Frankfurt – Mannheim – Karlsruhe / Stuttgart. Dort wird der Verkehr zwischen Frankfurt und Mannheim nur eingleisig möglich sein. Von Mitte Juli bis Ende August werde der Fernverkehr in Teilen über Worms und die Main-Neckar-Bahn umgeleitet, ließ die Bahn gestern wissen. Für den Nahverkehr bedeutet dies neben einer verlängerten Fahrtzeit von etwa zehn Minuten auch teilweise Zugausfälle im Abschnitt Mannheim – Biblis.

Mit dem bundesweiten Modernisierungsprogramm will die Bahn vor allem verhindern, dass der in den Jahren der Unterfinanzierung aufgelaufene Sanierungsbedarf nicht weiter wächst. Inzwischen hat sich ein Investitionsstau von 30 Milliarden Euro gebildet. Abgebaut werden soll dieser Rückstau dann ab dem Jahr 2019.

„Wir wollen für unsere Reisenden und Güterverkehrskunden natürlich so wenig Einschränkungen wie möglich“, sagte gestern DB-Netz-Vorstand Thomas Schaffer. Neben der Bündelung von Baumaßnahmen werde deshalb auch verstärkt in der Nacht gebaut. Zudem würden die Baustellen frühzeitig in den Fahrplan eingearbeitet, um Überraschungen zu vermeiden.

Eines der größten Bahn-Bauprojekte in diesem Jahr ist die Einbindung der Neubaustrecke Erfurt-Nürnberg in das Netz. Dort kommt es deshalb zu einer 34-wöchigen Totalsperrung bis Anfang September. Mit eingleisigen Sperrungen saniert die Bahn außerdem die Strecken München-Rosenheim-Salzburg und Rosenheim-Kufstein.

(pan,rtr)

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