Das Industriegebiet Keihin in Kawasaki. Der Stimmungsindex in Japan ist auf dem tiefsten Stand seit Juni 2009. Foto: Koji Sasahara/AP/dpa
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Das Industriegebiet Keihin in Kawasaki. Der Stimmungsindex in Japan ist auf dem tiefsten Stand seit Juni 2009. Foto: Koji Sasahara/AP/dpa

wegen Corona-Pandemie

Stimmung in Japans Industrie tief im Keller

Japans Wirtschaft steckt tief in der Krise. Die Stimmung in den Manageretagen des Landes ist so schlecht wie seit Jahren nicht mehr. Zwar wird in den kommenden Monaten mit einer leichten Erholung gerechnet. Doch viele japanische Unternehmen bleiben pessimistisch.

Tokio (dpa) - In der japanischen Großindustrie hat sich die Stimmung wegen der globalen Corona-Pandemie noch deutlicher verschlechtert als erwartet.

Wie aus einer Quartalsumfrage ("Tankan") der Notenbank unter rund 10.000 Unternehmen des Landes hervorgeht, sank der darin ermittelte Stimmungsindex für die großen Produktionsunternehmen zum März von minus 8 auf minus 34. Das ist der tiefste Stand seit Juni 2009.

Ein negativer Index bedeutet, dass die Pessimisten in der Mehrheit sind. Die Verschlechterung der Stimmung fiel dabei noch deutlicher aus als von Ökonomen erwartet. Im Vorquartal war der Index erstmals seit Jahren ins Negative gerutscht.

Wegen der globalen Pandemie war die Industrieproduktion der Nummer drei der Weltwirtschaft eingebrochen, so auch in der wichtigen Automobilindustrie. Bei den führenden Autobauern des Landes schrumpfte der Ausstoß im Inland im Mai in Folge vorübergehender Stilllegung der Bänder und der schwachen Nachfrage um 61,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und damit so stark wie nie zuvor. Unter dem Einbruch hatten auch die Zulieferfirmen der Autobauer zu leiden.

Auch die nicht produzierenden Unternehmen des Landes leiden unter der Krise. Erstmals seit der Tsunami-Katastrophe 2011 rutschte der im Tankan-Bericht ermittelte Stimmungsindex für die großen nicht produzierenden Unternehmen ins Negative: auf minus 17. In der Quartalsumfrage vom März hatte der Index noch bei plus 8 gestanden. Damit sind auch in diesen Branchen die Pessimisten jetzt in Überzahl.

Der von der Bank of Japan alle drei Monate erstellte Bericht ist eine Mischung aus Konjunkturanalyse und Stimmungsbericht. Japan rutschte im ersten Quartal in eine Rezession, für das zweite Quartal wurde mit einem noch deutlicheren Konjunktureinbruch gerechnet. Erst in der zweiten Hälfte des Jahres rechnen Ökonomen damit, dass es mit Japan wieder etwas aufwärts geht.

Doch erwarten die Unternehmen keinen rasanten Aufschwung, die Grundstimmung in den Manageretagen bleibt vorerst pessimistisch. So dürfte der Stimmungsindex der Großindustrie nur leicht auf minus 27 steigen, wie die Bank of Japan bekanntgab. Viele Konzerne blieben vorsichtig angesichts Sorgen vor einer möglichen zweiten Corona-Infektionswelle.

© dpa-infocom, dpa:200701-99-631054/2

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