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Die Wirtschaft brummt, so dass am Frankfurter Osthafen jede Menge Container zu verladen sind.

Gute Prognosen für Bundesland

Studie zeigt: Deshalb strotzt Hessen vor Kraft

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Hessen zeigt sich topfit: Die Arbeitslosenzahl ist deutlich zurückgegangen, die Erwerbstätigenzahl steigt stetig, die Wirtschaftsleistung ist im bundesweiten Vergleich Spitze. Und der gestern vorgestellte „Hessenreport“ sieht das Bundesland auch für die kommenden Jahre auf einem guten Weg – wenn denn der Fachkräftemangel keinen Strich durch die Rechnung macht.

„Ich kenn ein Land, so reich und schön, voll goldener Ähren die Felder.“ Das Land heißt Hessen, und derart gepriesen wird es in dessen Hymne, dem „Hessenlied“. So richtig populär ist das Stück aus der Wilhelminischen Zeit nie geworden. Aber vielleicht ändert sich das jetzt – dank freundlicher Unterstützung des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir (Die Grünen). Zusammen mit Frank Martin, dem Chef der Regionaldirektion der Arbeitsagentur, stellte er gestern in Wiesbaden den „Hessenreport“ vor – und dem Wirtschaftsland Hessen darin ein gutes Zeugnis aus. „Noch nie hatten in Hessen mehr Menschen Arbeit, und die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, betonte Al-Wazir. Tatsächlich ist Hessens Arbeitslosenzahl über das ganze vergangene Jahr hinweg um drei Prozent gesunken – auf den niedrigsten Stand seit 1992. Dieses Jahr wird sie laut Martin um weitere 2,8 Prozent zurückgehen. Spiegelbildlich wird nach Schätzung der Arbeitsagentur die bereits 2016 gestiegene Zahl der sozialversicherungspflichtig Erwerbstätigen in diesem Jahr weiter zulegen und erstmals die 2,5-Millionen-Marke knacken.

Auch im bundesweiten Vergleich kann sich Hessen sehen lassen: Mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 5,4 Prozent belegt das Bundesland vom Main bis zur Weser, Werra und Lahn den dritten Rang. Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) – also der Gesamtwert der hier erzeugten Waren und Dienstleistungen – kann kein anderes Flächenland Hessen das Wasser reichen: Mit einem BIP je Erwerbstätigem von 78 790 Euro muss sich Hessen nur dem Stadtstaat Hamburg geschlagen geben. „Ein starkes Argument für Hessen“, befand Al-Wazir. „Unternehmen, die sich hier gründen oder niederlassen, finden top ausgebildete und leistungsstarke Arbeitnehmer.“

Nach der Prognose des „Hessenreports“ wird Hessen in den kommenden Jahren seinen Vorsprung im bundesweiten Vergleich ausbauen: Bis 2030 werde sich die Bruttowertschöpfung im Schnitt um

1,7 Prozent pro Jahr erhöhen, heißt es in der Studie – vor allem getragen von einer guten Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe sowie bei Unternehmens- und Finanzdienstleistungen. Für Gesamtdeutschland erwarten die Studien-Autoren dagegen nur ein Wachstum von 1,5 Prozent. Dabei wird sich Hessens Wirtschaftskraft laut „Hessenreport“ recht gleichmäßig im Bundesland verteilen. Demnach wird der Regierungsbezirk Darmstadt um 1,6 Prozent zulegen, während die Bezirke Gießen und Kassel um 1,7 Prozent wachsen werden.

Allerdings stünden diese Prognosen unter dem Vorbehalt, dass es aufgrund fehlender Arbeitskräfte zu Arbeitsplatzverlagerungen in andere Bundesländer oder gar ins Ausland kommen könnte, heißt es in der Studie. Dieses Risiko tragen laut „Hessenreport“ die Arbeitsmärkte in Mittel- und Nordhessen vom Jahr 2020 an – wenn die Generation der Babyboomer das Rentenalter erreicht. So rechnen die Volkswirte damit, dass in Nordhessen bis zum Jahr 2030 rund 50 000 Fachkräfte fehlen werden und in Mittelhessen etwa 13 500. Dagegen wird Südhessen nach Ansicht der „Hessenreport-Autoren“ davon profitieren, dass sich das Gros der erwarteten Zuwanderer dort niederlassen werde. Vor diesem Hintergrund erwarten sie, dass sich in Südhessen die Zahl der Erwerbslosen bis 2020 zwischenzeitlich sogar erhöht. – bevor dann auch dort die Babyboomer in Rente gehen.

Um die Zahl der erwerbsfähigen Menschen zu erhöhen, will Martin vor allem die sogenannte stille Reserve mobilisieren: Frauen, ältere Menschen sowie Schwerbehinderte müssten verstärkt in die Erwerbstätigkeit gebracht werden, so der Behörden-Chef. Als weitere notwendige Maßnahmen nannte er die bessere Qualifikation von Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen, ein besserer Übergang von Schule zum Beruf und die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Dazu sollte gezielt nach Fachkräften aus dem EU-Ausland Ausschau gehalten werden, sagte Martin.

Wirtschaftsminister Al-Wazir kündigte an, mit gezielten Programmen vor allem die Attraktivität des ländlichen Raumes erhöhen zu wollen: Der Breitbandausbau, die Ausweitung des ÖPNV oder das „Duale Studium Hessen“ könnten junge Menschen davon abhalten, in die Ballungsräume zu ziehen, hofft Al-Wazir, der damit den Beitrag der Politik zur Job-Sicherung herausstellte – getreu der Hessenlied-Zeile „Dein Schild sind wir, starkes Land Hessen!“.

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