Targobank: Die deutsche Tochter der französischen Credit Mutuel legt keine neuen Sparbücher und Tagesgeldkonten mehr auf.
+
Targobank: Die deutsche Tochter der französischen Credit Mutuel legt keine neuen Sparbücher und Tagesgeldkonten mehr auf.

Radikaler Vorstoß

Neuer Bankenhammer: Targobank schafft Sparbücher und Tagesgeldkonten ab

  • Thomas Schmidtutz
    VonThomas Schmidtutz
    schließen

Immer mehr deutsche Banken und Sparkassen kassieren für die Einlagen ihrer Kunden Strafzinsen. Die Targobank geht jetzt noch einen Schritt weiter. 

München – Im Kampf gegen die Folgen der Nullzinspolitik der EZB greift die Targobank jetzt zu radikalen Maßnahmen. Ab sofort bietet die Deutschland-Tochter der französischen Credit Mutuel Neukunden keine Tagesgeldkonten und Sparbücher mehr an. Zur Begründung verwies eine Targobank-Sprecherin am Montag gegenüber Merkur.de auf „das aktuell schwierige Zins- und Wettbewerbsumfeld und die zuletzt hohen Zuflüsse an Kundeneinlagen“.

Die Regelung gelte auch für die insgesamt rund 3,7 Millionen Bestandskunden, hieß es. Bereits bestehende Tagesgeldkonten und Sparbücher seien von der Neuregelung „aber nicht betroffen“, betonte die Sprecherin. Zuvor hatte auch das Portal www.finanz-szene.de über die Pläne berichtet.

Damit spitzt sich die Lage für Sparer weiter zu. Zuletzt hatten etwa die Deutsche Bank und ihre Tochter Postbank Sparbücher für Neukunden komplett gestrichen. Nun geht die Targobank noch einen Schritt weiter und kippt neben den Sparbüchern auch noch das Tagesgeldkonto.

Targobank: Reaktion auf EZB-Politik

Mit dem Schritt reagiert die Targobank auf die EZB. Nach dem Willen der europäischen Währungshüter müssen Banken die Gelder ihrer Kunden bei der EZB parken, wenn sie das Kapital nicht für ihr Geschäft nutzen – und dafür bezahlen. Der entsprechende Zinssatz liegt aktuell bei 0,5 Prozent. Zwar gibt es inzwischen Freibeträge bei der EZB. Aber unterm Strich klagt die Branche über Belastungen in Milliardenhöhe. Angesichts dessen erheben inzwischen zahlreiche Banken sogenannte Verwahrentgelte, also Strafzinsen – oder streichen ihr Einlagen-Geschäft gleich ganz.

Wie schwierig die Lage für die Targobank inzwischen ist, zeigt auch ein Blick in den aktuellen Geschäftsbericht der Düsseldorfer. Danach sind etwa die Tagesgelder im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 5,18 Milliarden Euro gestiegen. Bei den Spareinlagen ging es um neun Prozent auf 2,27 Milliarden Euro nach oben. Mit der zum 21. Juli in Kraft getretenen Neuregelung will sich das Kreditinstitut jetzt ein wenig Luft verschaffen. 

Was Kunden tun können, um Strafzinsen zu vermeiden, was Verbraucherschützer raten

1.     Vertrag
Eine Bank kann wesentliche Änderungen der Geschäftsbedingungen nicht ohne die Zustimmung und Einwilligung ihrer Kunden vornehmen. Das gilt insbesondere auch für die Erhebung möglicher „Verwahrentgelte“ auf Einlagen, erklärt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern (VZ Bayern). Wenn Kunden von ihrer Bank ein entsprechendes Anschreiben erhalten, sollten sie es daher genau prüfen und gegebenenfalls einen Anwalt oder einen anderen Experten zu Rate ziehen, rät Straub.
2.     Kündigungsdrohung
Um ihre Kunden zum Einlenken zu bewegen, drohen Banken und Sparkassen bei der geplanten Einführung von Verwahrentgelten häufig mit Kündigung. „Suchen Sie im Zweifelsfall das Gespräch mit Ihrem Bankberater“, rät Straub. Es könne durchaus sein, dass die Banken die Konditionen aufbessern oder sogar ganz von einer Kündigung absähen, wenn Kunden ihre Geschäftsbeziehung vollständig zu einem Wettbewerber verlagern wollen.
Wichtig: Bankkunden sollten sich parallel unbedingt auch auf einen möglichen Abbruch der Geschäftsbeziehung vorbereiten und über eine mögliche Alternative verfügen empfiehlt Straub.
3.     Freibetrag
Auch, wenn Kunden bei Ihrer Bank bleiben möchten, etwa weil es auf dem Land keine wettbewerbsfähige Alternative gibt, sollten Kunden ein paar grundlegende Dinge beherzigen.
Das gilt vor allem für die Freigrenze, bis zu der ihr Guthaben bei einer Bank unangetastet bleibt. In den allermeisten Fällen sollten Freigrenzen von 500.000 Euro genügen, wobei die Einlagensicherung nur bis 100.000 Euro pro Person greift. Bei geringeren Freigrenzen sollten Kunden genau rechnen. Häufig kann es etwa bereits genügen, einen Teil des Guthabens auf ein weiteres Konto bei seiner Hausbank umzubuchen, etwa auf die Konto-Verbindung der Ehefrau oder des Lebensgefährten. Auch die Eröffnung einer weiteren Konto-Verbindung bei einer anderen Bank kann dabei helfen, unterhalb der Freigrenze zu bleiben – vorausgesetzt, die Freigrenzen und Kontokosten bei der neuen Bank können ebenfalls eingehalten werden.
4.     Alternative Anlagen
Um die Freigrenze zu umgehen, bieten viele Banken ihren Kunden alternative Anlagen an, etwa in Fonds von bankeigenen Anlage-Gesellschaften wie der Deka der Sparkassen-Gruppe, weiß Straub. Allerdings liegen die Kosten bei aktiv gemanagten Fonds, bei denen Fondsmanager die Anlage-Entscheidung treffen, in der Regel bei bis zu drei Prozent pro Jahr.
Wer unter die Freigrenze kommen will, um Strafzinsen zu vermeiden, und gleichzeitig für das Alter vorzusorgen, sollte stattdessen lieber zu kostengünstigen Index-Fonds (ETF) greifen, rät Straub. So streut beispielsweise ein ETF auf den Dax das Risiko über 30 Unternehmen und mehrere Branchen wie Auto, Chemie, Technologie oder Versicherer – kostet aber nur 0,1 bis 0,2 Prozent Gebühr pro Jahr.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare