1. Startseite
  2. Wirtschaft

Bau des Terminal 3 startet wohl im Spätsommer

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Panagiotis Koutoumanos

Kommentare

Schulte strebt »zeitnahe Entscheidung« über den Bau des Terminal 3 an.
Schulte strebt »zeitnahe Entscheidung« über den Bau des Terminal 3 an. © Arne Dedert (dpa)

Beim geplanten Bau des umstrittenen Terminal 3 lässt sich die Fraport-Führung von den Gegengutachten der hessischen Wirtschaftsministers offenbar ebenso wenig beirren wie von dessen Alternativvorschlag zum Ausbau des Terminal 1.

Mit deutlichen Worten hat Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte den Vorwurf von Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir gekontert, wonach die Prognosen des Konzerns zur Entwicklung des Verkehrsaufkommens am Frankfurter Flughafen zu optimistisch seien. Die Berechnungen der Landesregierung, die ein langsameres Wachstum zeigten, seien wegen des gewählten Vergleichszeitraums von 2000 bis 2010 nicht stichhaltig, sagte Schulte. Seine Begründung: In diesen Zeitraum seien nicht nur Ereignisse wie die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die globale Finanzkrise gefallen – in dieser Zeit habe der Flughafen auch wegen der fehlenden Nordwest-Bahn sein Wachstumspotenzial nicht ausschöpfen können.

Die beiden Gutachten, die der Flughafen-Betreiber in Auftrag gegeben hatte, gehen davon aus, dass die Passagierzahl in Frankfurt bis zum Jahr 2021 auf 68 bis 73 Millionen ansteigen werde. Nach Angaben der Fraport-Führung liegt die Grenze für den weitgehend reibungslosen Terminal-Betrieb bei 64 Millionen Passagieren im Jahr. Bei 68 Millionen Passagieren könne es gar „zu massiven Einschränkungen des Betriebsablaufs“ kommen, warnt der Vorstand. „Deshalb brauchen wir das Terminal 3 spätestens im Jahr 2021 unbedingt“, bekräftigte Schulte gestern.

500 000 Passagiere verloren

2014 Jahr stieg die Zahl der Passagiere an Deutschlands größtem Flughafen um 2,6 Prozent auf 59,97 Millionen Fluggäste. Allerdings hätte der Anstieg ohne die zahlreichen Streiks bei vier Prozent gelegen, betonte Schulte gestern anlässlich der Bilanzvorlage für das vergangene Jahr. „Wegen der Streiks sind uns mindestens 500 000 Passagiere verloren gegangen“, so der Fraport-Chef, der für dieses Jahr mit einem weiteren Passagier-Wachstum von „zwei bis drei Prozent“ rechnet – vorbehaltlich längerer Streiks beim Hauptkunden Lufthansa.

Auch Al-Wazirs Alternativvorschlag für eine kleinere Ausbau-Lösung vermag die Fraport-Führung nicht zu überzeugen, wie gestern deutlich wurde. Der Wirtschaftsminister hatte dem Management nahegelegt, zunächst auf den Bau des Terminal 3 zu verzichten und stattdessen das Terminal 1 zu erweitern. Auf diese Weise, so der Minister könnte die Kapazität bei Kosten von etwa 860 Millionen Euro um drei Millionen Passagiere ausgeweitet werden. Zum Vergleich: Allein das erste – voraussichtlich 2,7 Milliarden Euro teure – Modul des Terminal 3, das 2021 in Betrieb gehen soll, würde die Passagier-Kapazität um jährlich 14 Millionen erhöhen.

Dies ist allerdings nicht das einzige Gegenargument Schultes. „Für die Erweiterung des Terminal 1 haben wir weder Planungs- noch Baurecht“, betonte der Vorstandschef gestern, „diese zu erhalten würde mindestens zwei bis drei Jahre dauern.“ Am Ende könnte die Erweiterung sieben bis acht Jahre dauern und damit sogar mehr Zeit in Anspruch nehmen als der Neubau.

Gleichwohl versprach Schulte, Al-Wazirs Vorschlag „intensiv“ zu prüfen. Sollte die Entscheidung für das Terminal 3 fallen, „werden die Bauarbeiten erst im Spätsommer beginnen – weil wir die verschiedenen Gewerke europaweit ausschreiben müssen“, sagte Schulte.

Fluggeschäft treibt Gewinn

Wie der M-Dax-Konzern bereits am Montag mitgeteilt hatte, stieg 2014 der Umsatz um 0,8 Prozent auf 2,395 Milliarden Euro, während der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 3,2 Prozent bzw. 57,1 Millionen Euro auf 790,1 Millionen Euro kletterte. Aufgrund des kräftigen Anstiegs des Verkehrsaufkommens und der Flughafen-Entgelte in Frankfurt war dabei ausnahmsweise nicht die Einzelhandels- und Immobiliensparte der kräftigste Gewinntreiber im Konzern, sondern das angestammte Fluggeschäft, wie sich gestern zeigte: Dessen Ebitda stieg um 29 auf 237 Millionen Euro. Die zweitgrößte Konzern-Sparte, die Bodenverkehrsdienste, erhöhte ihr Ergebnis um 10,0 auf 44 Millionen Euro, ist aber noch weit davon entfernt, ihre Kapitalkosten zu verdienen, wie Finanzvorstand Matthias Zieschang beklagte. Als „ordentlich“ wertete er den Gewinn der ausländischen Konzern-Flughäfen, der um 11,0 auf 152 Millionen Euro kletterte.

Enttäuscht zeigte sich der Finanzchef dagegen von der bisherigen „Glamour-Sparte“ im Konzern, dem Geschäftsbereich „Handel & Immobilien“. Dieser leistete mit 357 Millionen Euro wieder den größten Ergebnis-Beitrag; aber dieser Wert entsprach nur einem Plus von 7,0 Millionen. Der Sparte machte im vergangenen Jahr nicht nur der starke Euro zu schaffen. Zudem belasteten den Angaben nach die Anti-Korruptionsmaßnahmen in China den Handelsumsatz – ebenso wie die Rubel-Abwertung, die die Zahl der besonders kauffreudigen russischen Fluggäste deutlich schrumpfen ließ. So sank der Nettohandelserlös pro Passagier von 3,60 Euro auf 3,43 Euro – geplant war ein Anstieg auf 4,00 Euro. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres sei dieser Wert aber wieder deutlich gestiegen: von 3,78 auf 3,93 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sagte Zieschang. „Die Chinesen kommen wieder und nun hilft uns auch die Euro-Schwäche“, so der Finanzchef. Allerdings sei ungewiss, ob diese Entwicklung nachhaltig sei.

Auch interessant

Kommentare