Im Trend: Gin und Whisky aus Hessen

In der Spirituosen-Branche geht der Trend zu qualitativ hochwertigen Drinks. Das machen sich auch kleinere Destillerien aus Hessen zunutze – zu erleben auf der Messe „Land & Genuss“.

Was die hessische Landwirtschaft alles kann, das zeigt die Erlebnismesse „Land & Genuss“ noch bis morgen in Frankfurt. Es gibt Stände mit Genussklassikern wie Wein, Wurst und Käse – und auch mit Spirituosen regionaler Anbieter. Dabei scheint besonders hessischer Gin gefragt zu sein wie nie zuvor. Mit originellen Namen, bunten Etiketten, außergewöhnlichen Zutaten und unterschiedlichen Geschmacksrichtungen machen die Destillerien aus dem klassischen Wacholderschnaps ein Trendgetränk mit modernem Image.

Ein traditionsreicher Produzent aus der Region ist die Schlitzer Destillerie, eine der ältesten Brennereien der Welt. Seit 1585 werden in Schlitz Whisky, Edelbrände, Liköre und jetzt auch Gin hergestellt – mit Produkten aus der Region und in Bio-Qualität. Vollreife Früchte aus dem Fuldaer Land bieten die Grundlage für die Obstbrände, das Getreide für Schlitzerländer Korn und die „Slitisian“-Single-Malt-Whiskys wird von einem Vertrags-Landwirt angebaut. „Es ist wichtig, hier miteinander zu arbeiten, um die regionalen Betriebe voran zu bringen“, sagt Brennmeister Gottfried Ickler, der seit 28 Jahren für die Destillerie arbeitet. Nicht nur die Zutaten aus der Region machen die Produkte besonders, sondern vor allem die handwerkliche Herstellung. „Hand crafted und eben kein Industriebetrieb“ sagt Ickler.

Regionalität sieht auch Holger Henrich von der Brennerei Henrich aus Kriftel als Voraussetzung für einen echten Frankfurter Dry Gin. Aus dem traditionellen Rezept der Grünen Soße mit den ausgewählten sieben Kräutern entsteht „Gin Sieben“. Von der Herkunft der Kräutermischung bis zur Destillation und der manueller Abfüllung des Gin findet alles im Raum Frankfurt statt. Ein halbes Jahr hat Henrich mit Gregor Haslinger, dem Initiator, probiert und destilliert. Mit Erfolg, denn der Gin auf Basis der „Grie Soß“ erobert den Markt und stellt eine ertragreiche Alternative zu der Obstbrandproduktion dar, welche in den vergangenen zwei Jahren wegen Erntemangels stillstand.

Auf ein weiteres hessisches Unikat setzen zwei Unternehmer aus Rodgau. Andy Sanders und Jorin Karner kombinieren Apfelwein und Gin zum „Bembel-Gin“. Die Verbundenheit zur Heimat sieht man: „Bembel-Gin“ kommt stilecht in einer Tonflasche mit Bembeloptik daher. „Wir wollten was Hessisches machen“ so Sanders.

Hessisch ist auch der selbst gebrannte „Hannibal“-Gin von Maximilian Freitag aus Pfungstadt. Er übernahm 2015 die Brennerei Herbert seines Vaters und führt die Familientradition fort. In der ehemaligen Fruchsaftkelterei entsteht handwerklich ein Gin mit Gewürzen wie Koriander, Kreuzkümmel und Rosmarin, der im Hofladen, bei Amazon und im eigenen Online-Shop verkauft wird.

Einig sind sich die Hersteller: Obwohl der Alkoholkonsum in Deutschland rückläufig ist, steigt die Nachfrage für Hochprozentiges aus regionalen Brennereien. Der Trend geht zu handwerklicher Qualität, regionaler Herkunft, heimischen Zutaten – und weg von industriegefertigten Spirituosen. Davon profitieren nicht nur die kleinen Unternehmen, auch der Verbraucher freut sich über Produktvielfalt aus seiner Nachbarschaft.

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