Frankfurter Messe

Die Trends der Heimtextil: Selbst gemacht, platzsparend, nachhaltig

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Inneneinrichtung mit Textilien: Die neuesten Trends bei Stoffen, Tapeten oder Teppichen können Besucher des Themenparks auf der Messe „Heimtextil“ erleben. Die hat gestern in Frankfurt begonnen.

Vorhang auf für die erste wichtige Trendschau des Jahres in Frankfurt: Die „Heimtextil“, Weltleitmesse für Vorhänge, Bett- und Tischwäsche oder Tapeten, zeigt noch bis Freitag Produkt-Neuheiten und Moden der Saison 2018/19. Die Zahl der Aussteller stieg gegenüber dem Vorjahr um ein Prozent auf 2975. Sie kommen aus 64 Ländern; nur gut jeder zehnte Teilnehmer ist noch aus Deutschland, die meisten ausländischen Unternehmen kommen aus China, Indien oder der Türkei.

Damit sei „die Heimtextil im achten Jahr in Folge auf Wachstumskurs und schreibt ihre beachtliche Erfolgsgeschichte in einem herausfordernden Markt fort“, sagte Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Der Gesamtmarkt für Wohntextilien hat laut IFH Köln im vorigen Jahr die Umsatzdelle von 2016 überwunden und mit einem Plus von 0,9 Prozent wieder ein Marktvolumen von 10,6 Milliarden Euro erreicht. Diese wichtigsten Entwicklungen sollte jeder kennen, der sich mit der Einrichtung seiner eigenen vier Wände befasst – auch wenn er die Fachmesse nicht selbst besucht:

Verstädterung: Unter dem Motto „Die Zukunft ist urban“ zeigt ein Themenpark in Halle 6 eine Installation, für die das Londoner Studio FranklinTill den gesellschaftlichen Megatrend übersetzt hat in textile Lebenswelten. Beispielsweise stellt der begrenzte und teure Wohnraum in den Mega-Citys und Metropolen der Welt Inneneinrichter vor Probleme. Die multifunktionalen und leicht umzubauenden Möbel aus dem „Flexible Space“ des Labels „Studiomama“ (bekannt als Erfinder des 13-Quadratmeter-Hauses) sollen jeden Winkel der minimalen Wohnfläche nutzen und trotzdem alle wesentlichen Funktionen eines „normalen“ Appartements bieten – darunter sogar eine in den Schrank integrierte, mit hellgrünem Stoff bezogene Sitzbank.

Selbermachen: Die Designerin Caroline Till berichtet, in der britischen Hauptstadt lebten viele Designer mittlerweile nicht mehr von Honoraren für Produktentwürfe, sondern von Workshops, die sie beispielsweise über das Portal Airbnb vermarkteten: „Die Menschen geben ihr Geld nicht für Gegenstände aus, sondern für das Erlebnis, diese herzustellen.“ In der Schau „Atelier“ zeigen zum Beispiel die Bristol Weaving Mill oder die Londoner Designerin Lola Lely den Trend der sogenannten „Maker-Bewegung“, wo Stoffe unter Beteiligung der Besucher entstehen. So lernten die Kunden etwas über Produktionsprozesse – und es gebe auch den Trend, selbst lokale Hersteller zu suchen für ein Produkt, das sie gerade benötigen.

Farben: Kontraste sind angesagt – auf der „Heimtextil“ sind unter anderem Waldgrün in Kombination mit Rosa zu erleben, Pastelltöne gemeinsam mit Schwarz – oder das als anregend geltende Blau zusammen mit beruhigendem Rot. „Wir untersuchen, wie Farben auf den Menschen und seine Stimmungen wirken“, meint Olaf Schmidt, Textil-Bereichsleiter bei der Messe Frankfurt.

Teppiche: Der Trend geht nach den Worten von Martin Auerbach, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Heimtextilien-Industrie, „weg von quadratischen Fliesen und hin zur Freiform“ – der Computer macht kreative Form- und Farbmuster möglich, und wie bei Bildtapeten können per Digitaldruck beliebige Motive gestaltet werden. Ein weiterer Digitalisierungstrend, analog zu Plattformen wie Snapchat, ist das Eigenmarketing der Menschen: „Stoffe bekommen dadurch eine ganz neue Bedeutung – sie sind ideal, um sich selbst zu inszenieren“, sagt die Schweizer Innenarchitektin Ushi Tamborriello.

Nachhaltigkeit: Rücksicht auf Umweltbedingungen und Arbeitnehmerrechte ist laut Schmidt „nicht nur ein Trend, sondern mittlerweile die Normalität“. Im Areal „Remade Materials“ sind etwa Dekoplatten aus – in Kunstharz eingegossenen – Stoffresten der Jeansproduktion zu sehen – das dient auch der Müllvermeidung. Der Messe-Katalog „Green Directory“ fasst das zertifizierte Angebot nachhaltiger Produkte zusammen.

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