Konsumgütermesse

UN-Organisation stellt aus Ambiente Kunsthandwerk aus Flüchtlingslagern vor

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Von Flüchtlingen gefertigtes Kunsthandwerk ist erstmals auf der „Ambiente“ in Frankfurt zu sehen. Fachbesuchern steht die weltgrößte Konsumgütermesse noch heute und morgen offen.

Wenig Wasser, selten Strom, aber ständig Sandstürme: 80 000 Syrer leben im größten Flüchtlingslager des Nahen Ostens im jordanischen Zaatari. Sie sind auf Lebensmittel des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) angewiesen und haben bisher kaum eine legale Möglichkeit, sich etwas für den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Initiative „MADE51“ des UNHCR und verschiedener sozialer Unternehmen will das nun ändern – und stellt dieses Jahr erstmals auf der weltgrößten Konsumgütermesse, der „Ambiente“ in Frankfurt, ihre Kollektion vor.

Am Stand im Foyer der Halle 11.0 sind zum Beispiel beige-blaue Textil-Umhängetaschen zu sehen, die mehr als 200 Syrerinnen für die Firma „Mehr als Unterkünfte“ überall im Lager Zaatari nähen. Und zwar aus dem Stoff der Zelte, in denen sie anfangs gelebt haben und die mittlerweile Containern Platz gemacht haben; Teile der UN-Logos sind noch zu sehen. Im April vorigen Jahres habe sie gestartet, sagt die Vertreterin der Firma, die Jordanierin Basma Omar. Sieben bis elf Dollar kosten die Taschen im Großhandel, auf der „Ambiente“ sucht Omar nun Händler für Deutschland. Bisher hat sie nur Einzelbestellungen abgearbeitet.

In der Hauptstadt Amman ist eine andere Firma schon weiter: „Jordan River Foundation“ hat den Möbelhändler Ikea als Großabnehmer für von Syrerinnen und Jordanierinnen gestickte Kissen und Teppiche an Land gezogen. Bisher werden sie im Ikea-Haus in Amman verkauft; ab Frühjahr sollen die „Tilltalande“-Produkte in Europa, ab Sommer auch in den USA erhältlich sein. Sitzmöbel, bestickt im typischen Sternendekor, und Lampenschirme nähen syrische Flüchtlingsfrauen auch im Libanon.

Die US-Amerikanerin Heidi Christ baut „MADE51“ seit zwei Jahren für das UNHCR auf und kümmert sich um Marketing und Logistik. Aktuell sind 2000 Flüchtlinge weltweit in zwölf Produktlinien beschäftigt. „Das wollen wir ausweiten“, sagt Christ: „Das Echo hier auf der ’Ambiente’ ist großartig.“ Auch erste Orders gibt es bereits; bis zum Ende der Messe hofft die UNHCR-Vertreterin auf rund 100 Einzelhandels-Kontakte, auch zu größeren Ketten.

Derzeit stellen aus Mali nach Burkina Faso geflohene Tuareg Keramik und Truhen her (für das Unternehmen „Afrika Tiss“), Rohingya aus Myanmar in Thailand Lampenschirme („Sop Moel Arts“). Flüchtlinge aus Somalia oder Äthiopien fertigen in Kenia Ledertaschen („Heshima Kenya“), solche aus Burundi in Tansania traditionell-bunte Körbe aus Süßgras („Indego Africa“).

Die teuersten Erzeugnisse sind, mit Großhandelspreisen von bis zu 2300 Dollar, handgeknüpfte Teppiche („Arzu Studio“), die aus Pakistan nach Afghanistan zurückgekehrte Flüchtlingsfrauen fertigen. Handarbeits-Kissen für „Artisan Links“ bestickt die Afghanin Zia Gul – so bestreitet sie ihren Lebensunterhalt und die Ausbildungskosten für ihre drei Töchter, nachdem Mann und Sohn ums Leben gekommen sind. „Flüchtlinge haben Fähigkeiten und Talente, denen wir eine Chance geben müssen, damit sie ein Einkommen erzielen können. Einzelhändler und Marken spielen eine entscheidende Rolle dabei, solche Flüchtlings-Produkte in ihre Einkaufspläne aufzunehmen, “ sagt der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. Das Hilfswerk betreut weltweit mehr als 17 Millionen Flüchtlinge, meist in armen Entwicklungsländern.

„Wir hoffen, die Zusammenarbeit im nächsten Jahr fortzusetzen“, meint Dorothe Klein von der Messe Frankfurt. Die „Ambiente“ mit ihren 4441 Ausstellern wird voraussichtlich wieder rund 140 000 Besucher anlocken.

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