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Unternehmen trauen sich kaum noch an die Börse

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Von: Panagiotis Koutoumanos

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Emissionsvolumen sind in diesem Jahr deutlich geschrumpft

Frankfurt. Der Krieg in der Ukraine, die hohe Inflation und die Zinswende sowie die Angst vor einer Rezession haben Börsengänge in den USA und in Europa rar werden lassen: Von Januar bis Mai haben nur 157 Unternehmen diesseits und jenseits des Atlantiks den erstmaligen Gang aufs Parkett gewagt und dabei lediglich 17,9 Milliarden Dollar eingenommen. Das hat das weltweit tätige Analysehaus Dealogic ermittelt. Demnach waren im Vorjahreszeitraum noch 628 Unternehmen in den USA und Europa an die Börse gegangen. Und diese IPOs (Initial Public Offerings) hatten ihnen insgesamt 192 Milliarden Dollar in die Kassen gespült - also 90 Prozent mehr als in den fünf Monaten dieses Jahres.

Weltweit sind Zahl und Wert der Börsengänge laut Dealogic nicht so stark gefallen: Da standen 596 IPOs in diesem Jahr 1237 IPOs im vergangenen Jahr gegenüber; dabei ging das Emissionsvolumen um 71 Prozent auf 81 Milliarden Dollar zurück.

Der Einbruch im US-Markt ist auch dem Abschied des dortigen Marktes von den sogenannten SPACs geschuldet - den "Special Purpose Akquisition Companies", zu Deutsch: Akquisitions-Zweckunternehmen, die im vergangenen Jahr boomten. Dabei gehen zunächst leere Börsenmäntel ohne eigenes Geschäft an die Börse und versprechen ihren Aktionären ein vielversprechendes Start-up zu übernehmen, das dann quasi ohne große Kontrollen durch die Hintertür an der Börse gelistet wird. Doch angesichts der Zinswende sitzt das Geld bei den Investoren nicht mehr so locker; zudem werden wegen der höheren Inflation und Leitzinsen die zukünftigen Cashflows der Start-ups stärker diskontiert; hinzu kommt, dass die Kursentwicklung der übernommenen Firmen allzu oft enttäuscht hat; und last but not least will die US-Börsenaufsicht sowohl die Initiatoren von SPACs als auch die beteiligten Investmentbanken stärker in die Pflicht zu nehmen. All das hat das SPAC-Geschäft stark schrumpfen lassen.

Und dass das Geschäft mit den Börsengängen in diesem Jahr insgesamt deutlich anziehen wird, glaubt kaum jemand. "Wenn wir im September aus den Sommerferien zurückkehren und die Lage aus wunderlichen Gründen besser sein sollte, sehen wir vielleicht mehr Börsengänge", heißt es auch bei der New Yorker Wirtschaftskanzlei White & Case, die Unternehmen bei ihren Börsengängen berät. Sonst würden die Unternehmen ihre IPO-Pläne auf 2023 verschieben. pan

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