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Das bedeutet der künftige Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde für die Rente

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Von: Nadja Pohr

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Ein Rentner sitzt traurig auf einem Sofa
Durch die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro kann der Anspruch auf eine Grundrente für Vollzeitbeschäftigte sinken. © Simona Pilolla/IMAGO

Die Erhöhung des Mindestlohns ab 1. Oktober auf 12 Euro pro Stunde wirkt sich nicht automatisch steigend auf die Rente der Beschäftigten aus, wie eine Berechnung zeigt.

Stuttgart - Ab 1. Oktober 2022 soll der Mindestlohn in Deutschland auf 12 Euro steigen. Diese Erhöhung ist einmalig und außerhalb der üblichen Erhöhungsschritte. Bisher liegt der Mindestlohn bei 9,82 Euro und soll bereits zum 1. Juli auf 10,45 Euro angepasst werden. Der Bundesverband der Rentenberater hat nun überprüft, was die Erhöhung der Lohnuntergrenze auf 12 Euro für die Rente bedeuten kann.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) erklärte, dass von der Erhöhung über sechs Millionen Arbeitnehmer in Deutschland profitieren. Doch die Prognose der Bundesverband der Rentenberater ist im Hinblick auf die Zukunft der Betroffenen eher ernüchternd: Die Renten der Arbeitnehmer, die Mindestlohn beziehen, steigen nicht automatisch im gleichen Tempo an.

Anspruch auf Grundrente sinkt durch Erhöhung des Mindestlohns bei Vollzeitbeschäftigten

Hinzu kommt, dass Geringverdiener meist einen Anspruch auf Grundrente haben, dieser jedoch sinkt, wenn der Mindestlohn steigt. Der Verband der Rentenberater spricht dabei von einem „Kannibalisierungseffekt“. Eine Berechnung der Rente mit dem neuen Wert von 12 Euro zeigt ein überraschendes Ergebnis: „Der Anstieg des Mindestlohns um rund 15 % erhöht die daraus resultierende Rente nur um etwa 3,5 %.“

Das Ergebnis resultiert aus einem Vergleich zwischen einer Lohnuntergrenze von 10,45 Euro und 12 Euro. Wie viel Rente man am Ende bekommt, kann von jedem einfach errechnet werden (BW24* berichtete). Sollte der Mindestlohn bei Vollzeitbeschäftigten auch in Zukunft 59,7 % des Durchschnittsentgelts betragen, kämen Beschäftigte mit dem neuen Mindestlohn nach 45 Beitragsjahren auf eine Monatsrente von 1.131 Euro (mit heutigem Rentenwert), heißt es in einer Mitteilung. „Darin enthalten wäre ein Grundrentenzuschlag von 213 Euro. Nach Abzug von Beiträgen für Kranken- und Pflegeversicherung blieben als Rente derzeit ziemlich genau 1.000 Euro im Monat übrig.“ Bei 10,45 Euro seien „1.093 Euro Rente brutto bzw. 966 Euro nach Abzug der Sozialabgaben“ übrig.

Weiter heißt es in der Mitteilung, dass der „Schuldige für dieses Missverhältnis“ die Berechnungsweise der eingeführten Grundrente sei. „Etwa 3/4 einer höheren Rente aufgrund des Mindestlohnanstiegs gehen durch einen gegenläufigen, d. h. niedrigeren Grundrentenzuschlag verloren.“ Bei weniger als 45 Beitragsjahre wäre der sogenannte „Kannibalisierungseffekt“ noch größer. „Dann können bis zu 87,5 % der zusätzlichen Rentenbeiträge der Niedrigverdienenden für die eigene Rente ‚vergeblich‘ sein.“

Rentenvorteil für Teilzeitkräfte bei Mindestlohnerhöhung auf 12 Euro

Für Teilzeitkräfte, die etwas mehr als 20 Stunden die Woche arbeiten, wirke sich die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro schon deutlich besser auf die spätere Rente aus. „Wer beispielsweise 22,5 Wochenstunden für 12 Euro statt 10,45 Euro arbeitet, würde seine daraus nach 35 Beitragsjahren resultierende Rente (einschließlich Grundrentenzuschlag) von 350 auf 753 Euro brutto im Monat mehr als verdoppeln, obwohl der zugrundeliegende Stundenlohn sich nur um knapp 15 % erhöht“, errechnet der Rentenberater-Verband.

Auch Minijobber erhalten ab 1. Oktober eine Erhöhung und können sich freuen: Von diesem Zeitpunkt an steigt die Gehaltsgrenze von bisher 450 Euro auf 520 Euro im Monat, die steuer- und sozialabgabenfrei bleiben. Im Bereich Minijob gibt es auch für Arbeitgeber im Jahr 2022 eine wichtige Änderung*: Ab diesem Jahr muss die Steuer-ID von Minijobbern gemeldet werden.

Mit Blick auf die Rente gibt es weitere positive Nachrichten: Rentner dürfen sich ab Juli über einen deutlich höheren Rentenaufschlag freuen als bislang gedacht. Konkret heißt das: Für die knapp 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland steigen die Bezüge zum 1. Juli um 5,35 Prozent in Westdeutschland und um 6,12 Prozent in Ostdeutschland. Das teilte das Bundesarbeitsministerium am Dienstag (22. März) in Berlin mit. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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